Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1844)
- Date
- 1844-11-25
- Page
- Seite 694 (sequence 14)
- Language
- German
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694 Genüge bekannt, der Unwissende und Leichtsinnige hingegen werde auf solche Belehrungen und Warnungen nicht achten. Es gingen andere schändlichere Dinge in der Gemeinde vor, gegen die Niemand den Mund öffnet. Jünglinge und Mädchen gehen mit einander auf der öffentlichen Straße spateren, Sonnen- und Regenschirme werden am heiligen Sabbat aufgespannt und getragen, und solcher Frevel bleibt ungestraft. Im Verfolg nahm er sich heraus das herkömmliche Treiben zu entschuldigen mit dem Bekannten rr-nn Vtw Vo psfi:«, in Abrede zu stellen, daß cipi: nyap das Hin- und Herlaufen ausschlicßc, welches vielmehr seiner Ansicht nach nur ein von ri-anbrin sei, und zu behaupten daß die Nichrisraeliten die am Versöhnungstage in die Synagoge kommen und das jämmerliche gegen den Himmel steigende Geschrei hören beifällig ausrufen: „das ist ein wahrer Gottesdienst mit Hingebung der ganzen Seele"*). Was das Unrecht der Gegner am klarsten beweist, ist der Ingrimm jmit dem sie den greisen und aufrichtig frommen Vizekreisrabbiner verfolgen. So haben sie z. B. bei den Herren Vorstehern darauf angetragen daß Herr Kohn am mva in der großen Stadtsynagoge predige — jedoch daß der Kantor nicht mit Chor vorbcten solle — lediglich damit der Vizekreisrabbiner nicht selbst seinen Vortrag (nam) halte. Bei diesem Stand der Dinge ist wol nicht auf ein schnelles aber auf ein allmäliges sicheres Fortschreitcn und eindringcndere bessere Ideen in's Volksleben, zu hoffen, da Recht und Wahrheit sich sicherlich von selbst Bahn brechen werden. Es wäre nur zu wünschen, daß die dem Fortschritt zugewendeten besseren Familien mehr zusammenhielten, und der Masse im Kleinen das Beispiel einer einigen und — religiösen Gemeinde geben. Leider fehlt es noch an ') Well ich mir eine genaue Uebersctzung nicht zutraue, will ich diesen Passus, von dem cs mir gelungen, eine zuverlässige Abschrift zu erhalten, im Originale geben: z~±.vr, n1; ■’S rn:N tsi: ■’E'e mrsV“ r-,snb 'i rrs 2^1-7? "1x1273 s's-ps ,2771 pi:""2 i:rro ix“p tsüo , t-nbsn no TN , 0^22 bx 1:222 xw:i , E'72Ulb “7 7ib“.1 ima'TJJI r*m; tnp-' nx-b„ : bx 2 re *i»n ,nb^bni "wr:7l "iS-: 12 cmi ba ix’iET' ö'HiTpn •r»T ba b’a*?: w'-x-a -pbpi via »naa ab einem geeigneten Sammelplätze; denn wenn auch bei jeder Predigt die Synagoge von Tausenden gefüllt ist, und das Volk derselben wie dem Chorgesang sichtbar immer mehr Geschmack abgewinnt, so ist doch der Bau der Synagogen mit ihren Winkeln und Säulen der Art, daß für die entfernter Stehenden, namentlich für die Frauen immer ein Theil des Vortrags verloren geht. Ueberdieß geniren sich mehrere der Gebildeten zu kommen, weil sie darin keine eignen Plätze haben. An den verflossenen arsi awis hak die deutsche Gemeinde in einem gemietheten Lokale ihren Gottesdienst gehalten, der auch das geistige Leben derselben aufgefrischt, und einen sehr wohlrhätigcn Eindruck zurückgelassen. Einen besondern Effekt hat die Ne'ilaprcdigt gemacht, in der Herr Kohn nach Sam. 1, I. 17. in lebendigen Farben die Folgen der Eintracht und Einigung geschildert, und der Gemeinde festes Zusammenhalten mit Hintcnansetzung aller kleinlichen Rücksichten empfohlen. Mögen diese Eindrücke und Erinnerungen die Bessergesinntcn zu neuer Thäligkeit und neuen Opferungen anspornen, auf daß der Wunsch s-’bwa TixaTi n:wb der von den Versammelten beim Ausgange des Versöhnungstags allgemein paraphrasirt wurde: Das nächste Jahr im Tempel! ohne Wunder in Erfüllung gehe. Herr Kohn trägt allenfalls das Seinige dazu bei die Gemeinde zusammenzuhalten indem er sich die Freundschaft und Achtung der Gebildeten immer mehr zu gewinnen weiß, und die Gegner auf keine Weise reizt, und selbst den Religionsweiser Juer, der gleich Anfangs eine feindselige Stellung eingenommen, auf Verlangen der Parteien zu Trauungen delegirt, ohne ihn seine gesetzliche Stellung fühlen zu lassen. — Nicht minder wichtig als der Tempel wird hoffentlich die bald zu eröffnende israelit. Hauptschule für die Entwicklung unserer Gemeinde sein. Die eigentliche Bedeutsamkeit derselben liegt jedoch nicht in dem Umstande, daß künftighin jüdische Knaben nicht mehr auf abgesonderten Banken in christlichen Schulen sitzen werden, sondern darin daß diese Anstalt den Gesammtunterricht der deutschen und hebräischen umfassen, und daß der Herr Prediger selbst (dem Vernehmen nach auch den Schülern in den Gymnasien) den Religionsunterricht daselbst ertheilen wird. Denn wenn irgendwo waren hier bisher in diesem Punkte die beiden Extreme grell ausgeprägt und der jüdisch-religiöse Unterricht von der Elementar-