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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-25 · Heft 48 (25.11.1844) · p. Seite 693

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 48 (25.11.1844)
Date
1844-11-25
Page
Seite 693 (sequence 13)
Language
German
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693 Natan Oehlenberger — wahrscheinlich der größte Talmudist in Galizien — hat den öffentlichen Schritten des Vorstandes seinen Beifall gegeben. Dieß hat denn auch die Gegner gegen diesen streng orthodoxen und gelehrten Rabbi so sehr in Harnisch gebracht, daß sie öffentlich an die Synagogen und ä'ama Ta gegen ihn ein van angeschlagen, welche Unverschämtheit ihm jedoch die Genugthuung verschaffte, daß nicht blvs die Sympathie aller Besseren im Volke sich für ihn äußerte, sondern auch daß ihm vom Vorstande der Titel und die Würde eines Vizekreisrabbiners verliehen wurde. Zur nähern Beleuchtung dieser Persönlichkeiten mögen folgende wohloerbürgte Details hier ein Plätzchen finden. Es giebt hierorts nur zwei (Frauenbäder) die, im besten Zustande dem Bedürfnisse einer so starken Population umsoweniger genügen dürften, als sie auch häufig von Männern (nämlich D’i’on) benutzt werden. Der Eintritt zu denselben geht aber durch Schwitzbäder, wo zuweilen Hunderte von nackten Personen sich befinden, und das Wasser ist nicht nur das schmutzigste und ekelhafteste, das sich denken läßt, sondern auch nach der Aussage aller Sachverständigen häufig das Medium abscheulicher Anstekkung, was auch nicht anders sein kann, da diese Bäder täglich von Hunderten aus den verschiedensten Klassen der Gesellschaft besucht werden, und für die Reinigung derselben, thcils nicht gesorgt wird, theils nicht gesorgt werden kann. Herr Prediger Kohn, dem dieß bald nach seinem Amtsantritte hinterbracht wurde, trug beim Vorstande auf die Verbesserung und Vermehrung der rmrpn an, der eine Kommission bestehend aus den Herren Religionsweisern und Spitalärzten ernannte, welche auch zur bestimmten Stunde eintrafen, und den Zustand der Kellerbäder der traurigen Erwartung gemäß fanden. Wer sollte nun glauben, daß ein frommer Rabbiner den Vorschlag die zu vermehren, reinlicher zu halten, und besonders Männervon Frauenbäder zu trennen, nicht mit der größten Freude aufnehmen sollte; daß es ihm wenn wir auch Sanitäts-, Schicklichkeits¬ und Anstandsrücksichten bei Seite lassen, nicht höchst erwünscht sein sollte, den Vorwand weggeräumt zu sehen, der Hunderte von Frauen abhält, in die nipu zu gehen? Der Herr Vizekreisrabbiner Oehlenberg pries daher auch das Vorhaben als ein löbliches und gottgefälliges; nicht so Herr Juer. Die Sache hat ihre Bedenklichkeiten, behauptete er, und man dürfe solche Aenderungen nicht ohne Zuziehung der Häupter der Gemeinde (der ihn beschützenden Aristokratie) vornehmen. Auf die Aeußcrung, daß dieß eine bloße Verwaltungsmaßregel sei, gegen die vom religiösen Standpunkte nichtseinzuwenden, antwortete er ohne sich viel zu bedenken: „Eine solche Aenderung ist allerdings auch in religiöser Hinsicht keineswegs gleichgültig. Jetzt besuchen Männer und Weiber dasselbe Bad, jene können also füglich darüber wachen, daß es die religionsgesetzliche Qualität ('iai trrpu habe, wenn aber den des Gesetzes unkundigen Frauen ein von den Männern getrenntes Bad eingeräumt wird, wer soll für die gehörige Beschaffenheit desselben sorgen?" Eine Gewissenhaftigkeit die ihm Ehre macht^! Eben so hat Herr Kohn der Verwilderung des Gottesdienstes in den Synagogen einigermaßen steuern wollen, und zu diesem Behufe Verhaltungsregeln über das Betragen im Gotteshause in hebräischer und deutscher Sprache aufgesetzt. Er hielt sich dabei strenge an Talmud und und rügte nicht einmal das Schaukeln beim Beten, sondern lediglich das Hin- und Herlaufen, das Schwatzen und Plaudirn, so wie das Schreien und Toben, was nicht blos die Andacht störet, sondern die Synagoge sprichwörtlich zur Bezeichnung eines Platzes wilder und tobender Unordnung herabgewürdiget hat. Um diesen Ermahnungen desto eher Eingang zu verschaffen ließ er seine Kollegen zur Abgabe ihrer Meinung resp. Zustimmung ersuchen. Der ehrwürdige Herr Umkreisrabbiner Oehlenberg fügte nur zu jener Kundmachung einige Bemerkungen und Rathschläge hinzu, indem er sich in der Hauptsache einverstanden erklärte. Kaum hatte hiegegen Herr Juer jene Verhaltungsregeln, die im Tone einer freundschaftlichen Belehrung gegeben war, erhalten, zirkulirten schon die abgeschmacktesten Gerüchte darüber im Volke, als wollen die andern Religionsweiser verbieten wai rfa und i«« zu sagen, Kinder in die Synagogen zu nehmen. (Es sollten blos der Warnung zufolge kleine Kinder die nicht beten noch beim Beten aushalten können, die Erwachsenen stören, ausgeschlossen werden) u. dgl. Nach einiger Zeit kam endlich sein wie er glaubte wohlmotivirtes Veto. Zuvörderst meint er sei das Alles nichts Neues, und dem Gesetzkundigen zur

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