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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-25 · Heft 48 (25.11.1844) · p. Seite 689

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 48 (25.11.1844)
Date
1844-11-25
Page
Seite 689 (sequence 9)
Language
German
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689 „des jüdischen Volks. Es wird Vieles von seinen Ge- „brauchen Nachlassen, es wird allmälig seine Sitten än- „dem und seinen Gottesdienst veredeln; aber es wird sich „nicht zu einer Religionsgesellschaft wenden, Ln welcher „nicht Gott allein angcbetet wird. Wie freudig es auch „einen Messias empfangen würde, der alle ihre Hoffnun- „gen erfüllen wollte, so würde es sich doch nicht dazu „verstehen, ihn anzubeten, und der Messias der Christen „stößt fie schon darum ab, weil er als ein Nebengott „erscheint, und weil der Jude Alles flieht, was wider „das Gebot ist: Du sollst keine anderen Götter „haben neben mir." Diese Worte schrieb ein christlicher Schriftsteller, Dr. Gerhard, und der berühmte Superintendent und Konsistorialprästdent Dr. Johann Friedrich Röhr hat dieselben in sein Magazin (111, 2, 52 ff.) ausgenommen. Diese Worte hat Dr. Gerhard im Jahre 1830 niedergeschrieben. Seitdem sind die Juden in allen europäischen Ländern und unter allerlei Hindernissen auf der schon früher betretenen Bahn der Reform muthig und festen Schrittes fortgeschritten. Daß sich viele der neueren Rabbinen um diese Reform bleibende Verdienste erworben haben, kann Ihnen, dem aufmerksamen Beobachter der Zeit, nicht unbekannt sein. Viele Christen haben sich über die Bestrebungen der neueren Rabbinen vom allgemein menschlichen Standpunkte sehr beifällig ausgesprochen, einsehend, daß durch diese Bestrebungen humane Bildung, echter Bürgersinn und warme Vaterlandsliebe unter den Juden verbreitet werde. Nur die Missionäre stimmen in das Lob der neueren Rabbinen nicht ein; nur sie hören nicht auf, dieselben zu verdächtigen, sie als verabscheuenswerthe Deisten, als Erzketzer im Judeuthume zu verschreien. Und — staunen Sie! hochwürdiger Herr! — merkwürdigerweise zeigt sich auch in diesem Punkte eine unverkennbare Wahlverwandtschaft zwischen Herrn Bloch und den Missionären; denn auch Herr Bloch findet inseinem oft erwähnten Sendschreiben kaum Worte genug, die modernen Rabbinen zu schmähen, zu lästern. Nun gehört aber der ehrwürdige Geistliche, welcher das Rabbinat der pesther Gemeinde mit so vieler Auszeichnung verwaltet, bekanntermaßen zu den modernen Rabbinen- Herr Bloch hat also in seinem Briefe an die pesther Gemeinde den geistlichen Führer dieser Gemeinde, den diese so sehr schätzt und liebt, den sie zu schätzen und zu lieben so sehr Ursache hat, mit bübischer Keckheit verhöhnt, gelästert; war das recht, war das christlich? Sollen die pesther Juden ihm dafür ein eljon zurufen? Ich bitte Sie, hochwürdiger Herr! wollen Sie das ja beachten. Setzen Sie den Fall, es träte ein Mitglied Ihrer Gemeinde zur katholischen Kirche über, und forderte dann jene, unter allerlei Schmähungen auf ihren evangelischen Glauben und auf ihre ordentlichen Geistlichen, zur Nachahmung seines Beispieles auf; was würden Sie dazu sagen? — Die ehrenwerthe pesther Jsraelitengemeinde hatte unbezweifelt das Recht, jenes Schreiben des Herrn Bloch zu veröffentlichen, und den Apostaten dem Urtheile der öffentlichen Meinung Preis zu geben. Sie that es nicht, — aus Großmuth; sie unterließ jede Demonstration über Herrn Bloch, es unter ihrer Würde haltend, sich mit ihm einzulassen. Einzelne^ Korrespondenten, glauben nicht schweigen zu dürfen, verdienen deshalb alle Juden Vorwürfe? — Ich bedauere von Herzen, hochwürdiger Herr, daß Sie nicht von den vorwaltenden Umstanden genaue Kenntniß nahmen, bevor Sie zur Panegyrik Ihres Freundes die Feder ergriffen. Sie würden von dem Briefe Kunde erhalten haben; Sie hätten als Meuschenkenner aus diesem Briefe Manches herausgelesen, was ich nicht einmal berühren will; und Ihr Freund würde Ihnen wahrscheinlich in einem ganz andern Lichte erschienen sein; als in welchem Sie ihn zu betrachten gewohnt waren. Bei näherer Erkundigung hätten Sie erfahren, daß Herr Bloch vor seiner Abreise nach Tübingen, dem Gerüchte, daß er übertreten wolle, nachdrücklich widersprach, und hoch und heilig versicherte, daß man ihn mit einer solchen Zumuthung beleidige. Sie hätten zugleich erfahren können, daß er nach seiner Rückkehr sich gegen seinen, ihn besuchenden jüdischen Freund D—y, ohne von diesem dazu aufgefordert zu sein, mit einem stundenlangen Sermon über das Gethaue zu entschuldigen suchte, und daß in diesem langen Sermon weder von dem christlichen Dogma, noch von einer zu diesem führenden „Richtung der Geistesbildung", noch von irgend einer nöthigenden Konsequenz, sondern von anderen, ach ganz anderen Dingen die Rede gewesen. Viele unter uns, die von den Verhältnissen gut unterrichtet sind, und Herrn Bloch ziemlich genau kennen, urtheilen nach wie vor also: Als korrespondirendes Mitglied der Akademie hielt sich Herr Bloch viel zu hoch, als daß er sich entschließen konnte, an einer jüdischen Schule ein Lehramt zu übernehmen. Als Jude konnte er nun aber nichts Anderes als Lehrer werden. Rabbi- 48»

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