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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-25 · Heft 48 (25.11.1844) · p. Seite 687

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 48 (25.11.1844)
Date
1844-11-25
Page
Seite 687 (sequence 7)
Language
German
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687 intereffirt, so habe Lch das mehrerwähnte Schreiben Ihres Freundes an die pesther Jsraelitengemeinde mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen. Nun gehörte zwar offenbar die Motivirnng des Uebertrttes mit zu den Absichten des Epiflolographen, und man erwartet mit Recht, daß er seine christliche Glaubensansichr mindestens andeuten werde. Auch hat Herr Bloch dies gerhan,- aber auf eine sehr unbefriedigende Weise! Ich besitze keine Abschrift seines Briefes, und kann also die eigenen Worte des Herrn Bloch nicht zitiren. Aber Sie werden ja den Brief selbst lesen, und sich überzeugen, wie wenig derselbe geeignet sei, den fraglichen Punkt zu beleuchten. Auf der ersten Seite spricht Herr Bloch als Mystiker, als Pietist; und wenn man es mit seinen Worten und Ausdrücken genau nehmen will, so scheint er sich, als er jenen Brief schrreb, für inspirirt gehalten zu haben. Im Laufe des Briefes schlägt er jedoch in den ganz vulgären Rationalismus über, und der gute Mann scheint mit sich selbst nicht ins Klare gekommen zu sein. Der Psycholog könnte sich die Flüchtigkeit und Oberflächlichkeit, mit welcher Herr Bloch einen Gegenstand behandelt, der ihm wichtig und heilig sein müßte, sehr leicht aus gewissen Antezedentien und schriftstellerischen Arbeiten desselben erklären; aber ich fühle mich nicht berufen, hierauf näher einzugehen: Sollte Ihr Freund in Zukunft mit seiner neuen Glaubensüberzeugung ins Reine kommen; sollte er sich bewogen fühlen, die apologetische Literatur der Luther isch-evaugelischen Kirche mit einem neuen Werke zu bereichern, und das Judenthum mit neuen, mit anderen Waffen zu bekämpfen, als es bisher — mit nicht sehr glücklichem Erfolge bekämpft wurde:.so wird er an mir gewiß einen aufmerksamen Leser haben. Rur wünsche ich im wohlverstandenen Jntereffe des Herrn Dr. Bloch, daß dieser die Polemik gegen seine alte, wie die Apologie seiner neuen Religion auf eine gründlichere, überzeugendere, und zugleich würdigere Weise einzurichten strebe, als er dies in seinem ersten Sendschreiben gethan. Denn wahrlich! seine erste Epistel an die Hebräer gereicht weder seinem Scharfsinne, noch seiner Gelehrsamkeit, noch seinem Herzen zur Ehre. Ich bitte Sie, hochwürdiger Herr, mich zu entschuldigen, daß ich auf bic Epistel zu wiederholten Malen zurückkomme; Sie sehen ohne Zweifel selbst ein, daß jene Epistel das eigentliche corpus delicti sei, das ich nicht umgehen kann. Es wäre dem Herrn Prof. Dr. Bloch gewiß sehr angenehm, wenn die Echtheit seines Hebräerbriefes so bestritten werden könnte, wie die Echtheit des ParUinischen Hebräerbriefes bestritten wird. Leider ist aber sein Hebräerbrief unbestreitbar echt, und legt ihm die Verpflichtung auf, ihn zu vertheidigen, zu rechtfertigen! Oder wollte etwa Herr Bloch durch diesen Brief seinen gewesenen Glaubensbrüdern gleichsam zurufen: Sehet Brüder! was ich zu thun fähig bin, und tröstet euch über den Verlust, den ihr durch meinen Austritt aus eurer Gemeinschaft erlitten zu haben glaubtet!? Fast scheint es so. Hochwürdiger Herr! Schon fürchte ich, Ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt zu haben. Allein — hätten Sie in Ihrer Apologie nur einen Korrespondenten zurecht gewiesen, ich würde um so lieber geschwiegen haben, als ich es selbst mißbilligte, daß jüdische Korrespondenten Herrn Bloch in den Kreis ihrer Berichterstattung zogen. Ich versichere Sie, daß ich die Aufforderung, Herrn Bloch auf sein Sendschreiben zu antworten, zurückgewiesen habe, wiewol es mir ein Leichtes gewesen wäre, dem zudringlichen Proselytenmacher aus seiner eigenen Epistel zu beweisen, daß er weder von seiner alten noch von seiner neuen Religion so umfassende Kenntnisse besitze, die ihn zu jenem absprecheuden Tone berechtigen könnten, und wiewol es mir noch leichter gewesen wäre, ihm das Ungehörige seines ganzen Verfahrens zu zeigen. Ich hielt jedoch die ganze Polemik für zweck- und nutzlos, und ließ die Sache auf sich beruhen. Run Sie aber in Ihrer Apologie Juden und Judenthum mit in den Kreis der Bloch'schen Ehrenrettung hineiugezogen haben, so fühle ich mich um so dringender verpflichtet, Ihnen, dem freisinnigen Theologen meine Bemerkungen freimüthig auszusprecheu, als ich es selbst sehr dankbar anerkenne, daß die Jndeusache, als eine Sache der Gerechtigkeit und Menschlichkeit, an Ihnen, sowie an Ihrem wackeru Kollegen, dem edelmüthrgen Török, eben so humane als beredte Fürsprecher vor dem Forum der öffentlichen Meinung habe. Wir erkennen dies um so dankbarer an, als wir es leider erfahren mußten, daß der protestantische Abgeordnete der Stadt Debreczin, Herr Komlosy, die bürgerliche Gleichstellung der Juden beim Landtage auch vom theologischen Standpunkte bestritt, und sich in dieser Beziehung auf das Zeugniß des Herrn Bloch berief, worauf ihm freilich von einem andern Mitgliede der Ständetafel erwiedert wurde, daß das Zeugniß eines getauften Juden keine Beachtung verdiene, indem es gewöhnliche Weise der Apostaten sei, ihre frühere Religion zu lästern. Ich wiederhole es Ihnen, hochwürdiger Herr, ich lege auf Ihre Meinung hohen Werth, sehr hohen Werth, und es würde mich sehr schmerzen, wenn Ihnen meine Berner-

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