Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 48 (25.11.1844)
- Date
- 1844-11-25
- Page
- Seite 685 (sequence 5)
- Language
- German
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685 so häufig für's Christeuthum allein in Anspruch genommene Hoffnung betrifft, so sagt schon Le Wette .von streng exegetischem Standpunkte zu Psalm 17, 15: „Offenbar ist von dem Anschauen Gottes in der ewigen Seligkeit die Rede, wie Kimchi und die alten Ausleger bemerken/' und zum zweiten Versgliede: „Ließ kann schlech- „terdings weder von dem figürlichen Anblicke des gnädigen Antlitzes Jehova's, noch von dem Erscheinen ttn „Tempel verstanden werden, sättigen läßt sich nur von „einem wirklichen Schauen denken. Noch mehr spricht für die alte Erklärung; es ist gezwungen, wenn „man es vom täglichen Erwachen aus dem Schlafe, oder „voyr Erwachen aus dem Unglück versteht; es ist das „Erwachen zu einem andern Leben gemeint." (De Wette Komm. u. d. Ps. S. 205 ff.) Ewald bemerkt zu Ps. 16 wie folgt: „Schwerlich „kann die wabre, sich ihrer selbst bewußte Ergebung in „den Willen Gottes vollendeter, die stille, sanfte Zufriedenheit und innere Heiterkeit ungeachtet aller Lebensgefahren und des bösen Beispiels von Außen herrlicher, ,.die echte Hoffnung klarer und erhebender sein, als wir „sie hier sehen» La ist von vorn an keine Empörung, „keine Furcht mehr und kern schwerer Kampf: der heitere „Glanz eines höhern Friedens und die herzliche Innigkeit „vollendeter Lebenserfahrung ist über alles gezogen; und .will man erfahren, ans welchem Grunde die Anhäng- „lichkeit des wahren Frommen jener Zeiten au Gott ruhe, „so erwäge man diesen Psalm, und sehe, wie der Lichter .sich bewußt wird seines Vertrauens auf Gott, weil er „nur in Gott, Ln seinen Offenbarungen und im Andenken an ihm eine unversiegbare O>uclle von Klarheit, .Freudigkeit, Hoffnung und Ermahnung findet; denn „wenn die Religion Jehova's sich vor allen übrigen durch „Klarheit und Wahrheit auszeichnet, wenn Jehova Ln „ihr wie sonst nirgends in seiner Geistigkeit erkannt „und empfunden wird, so muß, wer sich ihr ganz ergiebt, „durch sie stets auf's Neue erregt, sich selbst immer klarer, „den geistigen Gütern immer zugewandter werden. So „sehen wir hier den Dichter schon auf dieser hohen „Stufe, wo er allein in Gott und seinem Be- ..sjtz sein höchstes Gut und seine.wahre Wonne und „Hoffnung fühlt, Ln diesem Gute eben so ruhig das böse .„Beispiel der dem Götzendienst ZueLLcnden überwindend, „als Ln dieser Hoffnung unter allen Leiden nicht ermattend und sich betrübend in göttlicher Freude empfindend .fast wenn sein Geist immer sei bei Gott, wie er doch „suhlt, daß er sei, auch Gott ihm kein wahres Leiden „senden, sondern ihn unter allen Gefahren, auch mit- „ten im Tode, erhalten und retten werde." (Ewald 61. S. 138). Was nun ins Besondere die Sittenlehre betrifft, so sagt Herr Stöter (a. a. O.) hierüber: „Wollen wir denjenigen Moralisten beiflimmen, welche „den bekannten Ausspruch Jesu, „Tu sollst Gott lieben „— als Dich selbst" (Matth. 22, 37.) als den höchsten „Grundsatz seiner Pflichtenlehre betrachten: so liegt es „vor Augen, daß er selbst diesen wörtlich aus dem Glau- „benvbuche seiner Väter entnahm (3 B. Mos. 10, 18.), „und als von diesem Grundsätze ausgestoffen den sittlichen „Geist der mosaischen und prophetischen Schriften betrach- „tete (Matth. 22, 38.). Erscheint uns etwa das Gebot „der Feiudesliebe, als der glänzendste Lichtpunkt seiner „Gebote, so finden wir, daß, so oft auch das A. T. aus „politischem Interesse den Haß gegen heidnische Völker „gut heißt, ja selbst blutige Rache verstattet (5 B. Mos. „25), 10.) auch den hebräischen Weisen die Idee, Böses „mit Gutem zu vergelten durchaus nicht unbekannt ge- „blieben war (Sprüchw. 25), 21. 22. 2 B. Mos. 23, „4. 5.) Oder sehen wir es als eineu eigenthümlichen „Vorzug der Sittenlehre Jesu an, daß sie die Tugend „des Erbarmens und der Wohlthätigkeit so oft und so „dringend empfiehlt, so erinnert uns das A. T. daß schon „das älteste jüdische Gesetz häufig uud dringend warnt, „das Recht der Schutzlosen, der Wittwen und Waisen „zu beugen (2 B. Mos. 22, 20— 23.), daß es die „Nachlese auf Erudtefeldern, Wein- und Oelbergen den „Elgenthümcrn verbietet und zu einer Gerechtsame für „diejenigen erhebt, welche sich keines Eigenrbums erfreuen, „daß es nicht verstattet, armen Schuldnern unentbehrliche Utensilien als Unterpfand zu entziehen." (Röhr, Y1L 27.). lieber das. gegenseitige Verhältniß des Judenthums und Chrisienthurns sind ohne Zweifel folgende Worte des Herrn M. Gottlob Eusebius Fischer, Pfarrers und Superintendenten zu Sangerhausen, sehr beachtenswerth. „Es ist" sagt dieser christliche Gottesgclehrtc, „es ist nicht „nur behauptet, sondern auch von den gläubigsten Lehrern „des Ehristeutbums cingestanden worden, daß Jesus und „seine Schüler keine neuen Religionslehren mitgetheilt „haben, und mittheilen wollten, sondern nur die Hilfe „cmbctcu, welche inan vom Messias erwartet hatte, uud „in Jesu finden sollte. Die Stifter des EhristenthumS „bestätigten die jüdische Gotteslehre in allen ihren Thei- „len; und wenn sie auch nach Erscheinung des Messias