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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-25 · Heft 48 (25.11.1844) · p. Seite 683

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 48 (25.11.1844)
Date
1844-11-25
Page
Seite 683 (sequence 3)
Language
German
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683 mit gerechtem Unwillen erfüllte, das war die Undankbarkeit, die Zudringlichkeit, die pietisiische Arroganz, die unverschämte Proselytenmacherei, mit der Ihr Freund einer Gemeinte entgegentrat, welcher er Erkenntlichkeit und Achtung schuldig war. Beachtenswerth ist hierbei noch der Umstand, daß der anmaßende Epistolograph sich auf seine Heldenthat so viel zu Gute that, und nicht säumte an seine vertraute Freundin und Glaubensschwester, die Gattin des Barbiers W., die als Handlangerin der Missionäre bekannt ist, eine Abschrift seiner Epistel einzusenden, um ihr zu zeigen, welche Rache er an dem Judenvolke nehme. Manche jüdischen Freunde des Herrn Bloch waren wirklich in Verlegenheit, womit sie das Verwerfliche eines solchen Benehmens, das aller Menschenachtung und aller Schicklichkeit Hohn sprach, nur einigermaßen mildem sollten. Sie suchten also, von mancherlei Umständen in ihrer Meinung bestärkt, die Hauptschuld auf die Missionäre zu schieben, „durch deren Unterstützung Herr Bloch seine Schulden bezahlt hatte." Nach dem, was wir jetzt wissen, hält selbst diese schwache Entschuldigung nicht Stich; wir sind also begierig auf die Gründe, mit welchen Herr Bloch jenen Brief rechtfertig gen werde. Aus dem Gesagten wird es Ihnen einleuchten, ehrwürdiger Herr, warum das Gerücht von der Nichtanstel- Lung Bloch's am pesther Gymnasium, — ein Gerücht, das ich selbst im Monat Juli zu Pesth von einem Evangelischen horte, — bei den Juden so vielen Glauben gefunden hat. Sie sagen freilich: „Wäre eine Vakanz auf unserer Schule, so zweifle ich nicht, daß unsere Gemeinde die Gelegenheit benutzt haben würde, um einen Mann von so bewahrtem Namen, wie Herr vr. Bloch, zu berufen, ohne im Mindesten zu besorgen, daß die religiöse Denkart der jüdischen Schüler unter seiner Leitung im Geringsten mehr gefährdet wäre, als unter jedem andern Christen." Ich muß mir aber dagegen die Bemerkung erlauben, daß es „jedem andern" christlichen Professor in Ungarn noch nie eurfiel, eine Judcngemeinde durch ein Sendschreiben zur Apostasie einzuladen, und daß sich allen bisher gemachten Erfahrungen zu Folge von den Professoren aller christlichen Konfessionen voraussetzen läßt, sie werden sich aller Proselytenmacheret enthalten. Von Bloch hingegen ließe sich dies am wenigsten voraussetzen, da er ja seinen Eifer, Proselyten zu machen, gar nicht verhehlte. Ich bin nunmehr bei dem allgemeinen Theile Ihrer geschätzten Apologie angelangt, wo Sre sich zuvörderst darüber beklagen, „daß Sie, so oft ein Uebertritt ge> schieht, Saiten anschtagen hören, die einer gegenseitigen ruhigen Würdigung nicht [?] weniger als förderlich sein können." Aber, wer ist's denn eigentlich, der die meiste Schuld trägt, daß — was allerdings nicht;u läugnen ist — jene Saiten angeschlagen werden? Offenbar hat der Charakter der übertretenden Juden die meiste Schuld zu tragen. Oder sollen wir — um ein Beispiel aus der neuern Zeit zu wählen — wirklich und in allem Ernste annehmen, daß Herr S. W.r die Evangelien, die Epistel, die Kirchengeschichte und die symbolischen Bücher ge. wiffenhaft durchforscht habe, und endlich zu dem Resultate gelangt sei, daß nur der Kalvinism die wahre Religion enthalte? Drängt cs sich nicht auf, daß dieser Herr, wie früher ll.n bei seinem Eintritte in die katholische Kirche, das Christenthum nur als Mittel benutzte, um zu Güterbesttz und zum Adel zu gelangen? Urtheilcn nicht die meisten Christen über „diese und andere ge^ taufte Juden" eben so? Als W.r's Uebertritt bekannt wurde, äußerte Ihr Freund, Herr Bloch, gegen einen der ersten Staatsmänner unseres Vaterlandes, — von dem ich es selbst gehört habe, — daß er diesen Hebertritt höchlich mißbillige, und daß er denselben als „alvas gyavasa«*-“*) bezeichnen müsse. Und gewiß! Herr Bloch hatte nicht Unrecht; denn so lange sich der Jude durch den Eintrittt in's Christenthum so viele Güter „dieser Welt," ja die Grundbedingung aller dieser Güter, nämlich das bürgerliche Dasein, erkauft, so lange wird sich kein Unbefangener von der Ueberzeugung trennen, daß es in der Regel unlautere Nebenabsichten sind, welche die Glaubensheere der verschiedenen christlichen Kirchen mit gelausten Juden vermehren. Auch beweisen ja viele, sehr viele getaufte Juden, daß es ihnen mit dem christlichen Bekenntnisse kein rechter Ernst sei, durch ihre Theiluahmlosigkeit für christlich-religiöse Institutionen. Ja manche erlauben sich sogar über ihre neue Religion elende Witze, die nicht nur jeden gebildeten Christen, sondern auch jeden gebildeten Juden mit Unwillen, ja mit Abscheu gegen die schnöden Witzlinge erfüllen müssen. Mit all' dem will ich jedoch nicht behaupten, daß es nicht einzelne getaufte Juden gebe, die ihrer neuen Religion mit ganzem Herzen zugerhan sind. Auch will ich nicht richten und nicht entscheiden, ob Herr Bloch zu den aufrichtigen Bekennern des lutherisch-evangelischen Glaubens gehöre, oder nicht *) Gemeine Feigheit.

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