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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-25 · Heft 48 (25.11.1844) · p. Seite 682

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 48 (25.11.1844)
Date
1844-11-25
Page
Seite 682 (sequence 2)
Language
German
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682 Vorstehende Bemerkung würde ich auch dann nicht unterdrückt haben, wenn Ihre Apologie des mehr erwähnten Apostaten über alle und jede Einwendung erhaben gewesen wäre; in diesem Falle hätte ich mich auch einzig und allein auf diese Bemerkung beschränkt, und alles klebrige auf sich beruhen lassen. Allein ich muß freimüthig bekennen, daß Sie in Ihrer Rechtfertigung des Herrn Bloch viel zu wenig auf die Thatsachen eingegangen sind; daß Sie das Verfahren Ihres Freundes unmittelbar nach seiner Taufe nicht in den Kreis Ihrer Beleuchtung gezogen haben; und daß mithin Ihre Apologie in manchen Stücken einer Ergänzung, in manchen einer Berichtigung bedarf. Gestatten Sie mir nun, hochwürdiger Herr, daß ich für diese Ergänzungen und Berichtigungen Ihre Aufmerksamkeit auf einige Augenblicke in Anspruch nehme. Ich will der amtlichen Erklärung ans Notzingen vollen Glauben schenken. Herr Bloch hat sich also ohne allen Einfluß der Missionäre in den Schooß der lutherisch-evangelischen Kirche aufuchmen lassen. Verhält sich dies aber wirklich also, so erscheint die Handlungsweise Ihres Freundes — gelinde gesagt — um so auffallender, und es dürfte dem besten Freunde des Herrn Bloch schwer fallen, die ersten Schritte, welche dieser angeblich Lm Dienste seiner neuen Religion that, auf eine, auch nur einigermaßen befriedigende Weise zu rechtfertigen. Wäre nämlich Herr Bloch auf Veranlassung der Missionäre Ehrifl geworden, so hätten wir uns über seinen Bekehrungseifer und seine Proselytenmachern eben so wenig gewundert, als wir uns über das Treiben des gewesenen Wollscnsals und nunmehrigen Scelensensals S. wundern. Da aber Herr Bloch, wie Sie uns belehren, nicht auf Veranlassung der Missionäre getauft wurde, da er sich also diesen Herren zu keinem Schritte verbunden hat, so fragen wir billig: wie ist aus Herrn Bloch, dem rationalistischen Juden so schnell ein pietiftischer Lutheraner geworden? Wie ans einem „Mendelssohn" wie ihn manche christliche Verehrer nannten, so plötzlich ein zudringlicher Lavater? Was hat Herrn Bloch bewogen, die pefther Jsraclitengemeinde, welche Ihn, wie er selbst gesteht, mit Wohlthaten überhäufte, in einer, im gereiztesten Tone abgefaßten, Epistel zur Apostasie aufzufordern? Womit kann er die Schmähungen rechtfertigen, die er sich in jener Epistel gegen das Judenthum ertaubte? Welche edle Absicht soll seine Drohung entschuldigen, daß er wegen des nicht zu Stande gekommenen Lehrerseminars an seinen früheren Glaubensgenossen zum Denunzianten werden wolle? Ich könnte diese Fragen noch mit vielen anderen, schwer zu beantwortenden, vermehren; aber ich will wir statt dessen nur die, gewiß nicht unbillige Bitte erlauben: Haben Sie die Gewogenheit, von dem Aktuar der pesther Israelitengemeinde, Herrn Nathan Braun, den Brief zu verlangen, welchen Herr Professor v-. Moritz Bloch nach seiner Taufe von Tübingen aus an den Vorstand der Israelitengemeinde geschrieben hat, und urtheilen Sie selbst! Ja, Sie würden mich und viele Andere sehr verbinden, wenn Sie/ da Sie nun einmal Ihre gewichtige Stimme in dieser Angelegenheit erhoben, die Güte haben wollten, Ihr Urtheil über Inhalt und Form jenes Briefes öffentlich abzugeben. Ich bekenne Ihnen offenherzig, daß ich, falls Sie nicht die freundliche Gewogenheit haben, mich eines Bessern zu belehren, nach wie vor geneigt sein möchte, Herrn Bloch wegen jenes Briefes, nicht nur vom Standpunkte der allgemein menschlichen, sondern auch der allerchristlichsien Moral entweder eines verwerflichen Fanatismus oder mindestens einer verwerflichen Unbesonnenheit zu zeihen. Dem Apostel Paulus hat es gewiß nicht an Bekehrungseifer gefehlt; aber seine Epistel nach Galalien, Korinth, Rom, Ephesus, Kolloffä und Phillipi sind nur an Gemeinden gerichtet, in welche er unmittelbar oder mittelbar das Christenthum eingeführt hatte. Daß Paulus eine Juden gerne in de durch eine Epistel aufgefordert hätte, das Christenthum anzunehmen, berichtet die Geschichte nicht. Auch Petrus hat bloß an Christengemeinden didaktische Briefe gerichtet. Vorausgesetzt also, Herr Bloch halte sich für den Apostel der Beschneidung des neunzehnten Jahrhunderts, so hatte er doch höchstens nur das Recht der neuen judenchristlichen Gemeinde S.'s zu Pesth seine christliche Weisheit leuchten zu lassen. Was gingen ihn um Himmels willen die pesther Juden an? Konnte er auch nur einen Augenblick wähnen, die „Verstockten" und „Verblendeten" werden in Folge einer so nichtssagenden Epistel ihre Ueberzeugungen ändern, und sich über Hals und Kopf in der lutherischen Kirche zur Taufe melden? Dann ist er ein Thor! Oder wollte er seinen ehemaligen Wohlthätern eine Neckerei., eine Kränkung bereiten? Dann ist er ein Bösewicht! Sie scheu, hochwürdiger Herr, daß es nicht der Uebertritt des Herrn Bloch an und für sich ist, was viele Israeliten in Pesth mit Indignation gegen den neuen Christen erfüllte. Den Uebertritt an sich hätten dir Einen getadelt, die Anderen bedauert, Manche vielleicht durch diesen oder jenen Umstand entschuldigt; was aber Alle

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