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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 676

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 676 (sequence 12)
Language
German
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676 tcn werden könnte. Es ist daher sehr begreiflich, daß fie gegen Neuerungen die sie nicht begreift, mehr oder weniger mißtrauisch ist, und vorzüglich durch .die materiellen Wohlthaten, die sie dem jetzigen Vorstande verdankt, gewonnen wird. Der arme Mann schickt gerne sein Kind in die Kleinkinderbewahranstalt, oder in die verbesserte mir, YiaVn, wo für dessen geistige und körperliche Bedürfnisse gesorgt wird; meistens würde er es aber lieber in ein rnn schicken, wenn es dort Speise und Kleidung erhielte. Zum Lobe dieses Theils der jüdischen Bevölkerung muß aber gesagt werden, daß er zwar rauh, unwissend und verwahrlost, aber weder bösartig noch so fanatisch und unduldsam ist, wie in manchen anderen Gegenden Polens. Dagegen hat der größte Theil der jüdischen Aristokratie (deren Basis Geld und rabbinische Abstammung, was auch meistens vereint sich findet, da in Polen meistens nur die Reichen den Rabbinerstuhl besteigen können) dem Lichte und folglich auch den Bestrebungen des Vorstandes Feindschaft geschworen. Wie könnten auch diese Herren, die gewohnt waren, die Gemeinden durch ihren Einfluß zu beherrschen, auf die ihnen nicht Ebenbürtigen mit dem Stolze polnischer Magnaten hinabzusehen, die sogenannten Deutschen d. h. die Gebildeten als außerhalb der Gemeinde Stehende zu betrachten, sich dazu bequemen von diesen sich Gesetze diktiren zu lassen, und das Aufkommen einer andern Macht, einer andern Gesinnung und Gesittung zu dulden, wobei sie nur verlieren können? Wie werden sie mit ihren größtentheils unwissenden, für die Welt unbrauchbaren Kindern so glänzende Geldpartieen machen können, wenn der 21m seinen hohen Werth verliert, und ihre Sprößlinge den Unterricbteten und Gebildeten im Volke werden weichen müssen? Es ist allerdings denkbar, daß orthodoxe Juden redlicher Weise und aus Uebcrzeugung den eingeführten Neuerungen sich widersetzen, was auch bei Einzelnen der Fall sein mag; aber den Häuptern dieser Partei allhier, läßt sich schon darum Redlichkeit nicht zutrauen, weil sie gegen Alles und Jedes was, vom Vorstande ausgehet, Opposition machen. So haben sie z. B. für Beibehaltung der bekanntlich auf die ärmere Klasse lastenden Lichtsteuer, für deren Aufhebung sich der Vorstand verwendet Unterschriften gesammelt und petitionirt. Diese Thatsache wird hoffentlich zur Charakterisirung der Gegner hinreichen, und uns entheben die Bestrebungen und Hoffnungen der Einzelnen an den Tag zu legen. Zu den Waffen die diese Leute gebrauchen, gehört natürlich auch die Verdächtigung eines jeden Schrittes den der Vorstand thut, so wie einer jeden Aeußerung die dem Munde oder der Feder des von demselben berufenen Predigers entschlüpft. Indem sie auf diese Weise das Unschuldigste durch Verdrehung und Uebertreibung als der Religion Gefahr bringend darstellen, suchen sie durch Furcht und Entsetzen die Masse aufzuregen und der hohen Regierung gegen die neuen Einrichtungen Mißtrauen einzuflößen. Zum Glücke hat das Wort der Lüge keinen Bestand (Spr. 12,19) und sind es höchstens einige Einfaltspinsel im Volke die sich einige Zeit verblenden lassen. (Schluß folgt.) Frankreich. Paris, im Oktober. Im Novemberheft der Arch. isr. de Fr. steht folgende Phrase: „Es ist eine bekannte Wahrheit, daß die Israeliten, überall eine Minorität bildend, auch überall, selbst in Beziehung auf den Kultus, den Volkscharakter zeigen. Philosophen in Deutschland, zu Reformen geneigt in Frankreich, sind sie stabil in England." Sollte man nicht glauben, daß der Tempel zu Hamburg in Frankreich steht, daß die Tempel in Wien, Töplitz, Prag, daß die Synagogen in Dresden, Braun schweig, die Würlemberger und Mecklemburgischen Synagogen ff. ff. ff. in Frankreich stehen? — Daß die Predigt in der Muttersprache, die Konfirmationen ff., die jetzt in jeder deutschen Dorfgemeinde zu finden, von Frankreich herübergckommen?- —. Mit der französischen Uebersetzung des Talmuds ist es Nichts — es fehlt an Geld zu diesem Unternehmen. —. Das General-Konseil des Niederrheins hat 1500 Fr. zur Beförderung des Elementarunterrichts unter den Israeliten dieses Departements votirt. Das General-Konseil der Mosel, hat 50V Fr., wie jährlich, zu diesem Zweck bestimmt. —. In Algier sind in diesem Jahre 50,000 Fr. gesammelt zur Erbauung eines großen Tempels, und die Regierung giebt das Grundstück gratis dazu. Eine Baukommiffion ist ernannt worden.

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