Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1844)
- Date
- 1844-11-18
- Page
- Seite 675 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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675 tern faseln, die wie durch einen Zauberspruch gebannt worden, und die herrliche Stille, die nach der Beruhigung der Elemente eingetreten, nicht genug zu rühmen wissen; wenn sie mit Pathos erzählen, wie die im Geiste des Vorstandes entsprungenen Ideen des Fortschrittes sich Bahn gebrochen, die Finsterniß erleuchtet. und die Masse durchdrungen, die den zeitgemäßen Neuerungen ein freudiges Hosiana! anstimmt. Wenn nun der Leser die Frage: Wie so? Womit? und Wodurch? unterdrückt, wird er doch nicht umhin können auszurufen: nnn ö:'2 -ns nVn bk, Wird ein Volk auf einmal geboren oder wiedcrgeboren? Entweder war die hiesige Gemeinde in intellektueller und religiöser Bildung schon so weit vorgerückt, daß die neueren Einrichtungen aus diesem Zustande sich naturgemäß entwickelten, dann sind die Ideen des Fortschrittes nicht aus dem Geiste des Vorstandes allein entsprungen, und er hat zwar Rühmliches und Verdienstliches geleistet, aber nicht Wunder gewirkt, nicht Steine belebt, oder Finsterniß in Licht verwandelt. Auch wäre in diesem Falle rin so entsetzlicher Riesenkampf undenkbar, da die österreichische Regierung bekanntlich den religiösen Fortschritt, so weit er sich als solcher kund giebt, begünstigt, und eine obskure Minorität unter solchen Umständen kaum gefährlich werden kann. Ist aber die Gemeinde auf diese Verbesserungen nicht vorbereitet gewesen, haben die Vorsteher nicht als Vollstrecker des Volkswillens sich benommen, sondern gleichsam auf höhere Eingebung eine Regeneration derselben, eine Hebung und Belebung der erstarrten Masse, durch zeitgemäße gottesdienstliche, so wie Schul - und Erziehungsanstalten versucht, so ist nach den Erfahrungen aller Orten und aller Zeiten nicht zu begreifen, wie derselbe so schnell sein Ziel erreicht, der Menge die Augen geöffnet und für seine Bestrebungen gewonnen und begeistert hat. In der Thal ist die letztere Annahme die richtige. Es hat vor drei Jahren der exaltirteste Kopf nicht die Hoffnung fassen können, selbst nach einem Dezennium in der Synagoge einen deutschen Prediger und Chorgesang zu hören, da die Gebildeten und Vorwärtsstrebenden weit entfernt pa arni pn am auszumachen, weder an Zahl noch an Mittel mit den Stabilen sich auch nur zu messen vermögen. Der frühere Vorstand, der schon einsichtsvolle und helldenkende Männer in seiner Mitte zählte hat sich nicht getraut die äußerst verwahrloste min *nnbri anzutastcn und der Idee einer Schule näher zu bringen, indem der bloße Vorschlag eine Klaffenabtheilung einzuführen einen panischen Schrecken verbreitet hat. Das große Verdienst des deutschen Vorstandes bestehet darin rznoä äe salute non desperaverunt, daß sie den Muth gehabt, die Veredlung des verwahrlosten Volkes in Angriff zu nehmen, das in einem halben Jahrhunderte Versäumte — so weit wenigstens war man gegen Deutschland zurück — in Sturmschritten einzuholen, und mit so geringen Mitteln — denn auch hierin kann unsere immense Gemeinde mit keiner nur einigermaßen ansehnlichen in Deutschland sich messen — so Viel und so Vielerlei zu beginnen und auf Erfolg zu hoffen. Es war dieß ein großartiger heroischer Gedanke, ein unermeßliches Vertrauen auf den obwol umdüsterten doch kerngesunden Sinn und die innere Lebenskraft des Volkes, die allein schon, selbst wenn unerwartete Hindernisse es zu keinem Resultate hätten kommen lassen, wenigstens mit so viel' Recht eine glänzende Dankadresse verdient hätten, wie jener römische Konsul nach der Niederlage bei Kana, weil er die Republik nicht aufgegeben. In der That stehen aber schon jetzt unvergeßliche Monumente des löblichen Strebens unserer Vorsteher da, die auch bekannt genug sind um einer nochmaligen Aufzählung zu bedürfen, da sie sich bei ihren Unternehmungen des Schutzes der Behörden zu erfreuen hatten, und namentlich von dem energischen für die Hebung der Gemeinde unermüdlich thätigen Kreishauptmanne Herrn Hofrath Ritter von Millbacher auf's kräftigste angeregt und unterstützt worden sind. Diese Anstalten sind allenfalls eine Manifestation der Gesinnungen und Bestrebungen des helldenkendcn und wohlgesinnten Häufleins, das in jeder Beziehung durch den Vorstand repräsentirl wird, obwol sie auch nicht wenig gefördert werden von den besseren jüdisch-polnisch gekleideten und gesitteten Familien. Die Masse, besonders die ärmere Klasse, ist natürlich nicht im Stande Wesen und Ziel der neueren Bestrebungen zu beurtheilen, und wäre für bessere Belehrung vielleicht erst dann empfänglich, wenn dieselbe in ihrem Jargon und in der ihrem Geschmacke zusagenden talmudisch-witzigen und frappanten Einkleidung gebo-