Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1844)
- Date
- 1844-11-18
- Page
- Seite 674 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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674 Antheil genommen an das, was das Wohl der Gemeinde betraf, das Gute mit immer regem Eifer gefördert und aufgemuntert, mit derselben Rastlosigkeit, mit demselben Feuer sich dem Schlechten und Gemeinen entgegengestemmt, wo es sich geltend zu machen erfrechte. Da besonders war es seine unwiderstehliche Satyre, der alles niederschmetternde Donnerkeil seines Spottes und seiner Ironie, mit dem er die hohlköpsigc Arroganz, so wie die sich bemäntelnde Böswilligkeit, dem allgemeinen Gelächter preisgebend, unschädlich machte. Ohne die Gebrechen der Alten zu schonen, die er im Gegentheil in seinen Predigten auf's Schärfste rügte und bloßstellte, trat er eben so fest und entschlossen gegen die Uebergriffe der Neueren auf, gegen jene Hypcrreformen, die aus Leichtsinn und Nachgiebigkeit entstanden sind, und bei denen der Geist des Judenthums, der allerdings einer Erweckung und Belebung bedarf leer ausgeht, und die Menge nur noch tiefer in den Sumpf deS Materialismus geführt wird, in dem sie ohnehin nur zu sehr versunken ist. Und dennoch beugen die Orthodoxen sowol als Radikalen sich seinem Biedergeiste, der Allen durch seinen sittlichen Ernst und seine strenge Moralität imponirt. Noch müssen wir bei dieser Gelegenheit jener von Gemeinheit strotzenden Schmähartikel gedenken, die in neuerer Zeit gegen Herrn S. in jüdischen Journalen °) plötzlich zum Borschein gekommen. Seitdem es kund geworden, daß er den Ruf nach Berlin erhalten, wird er fast Woche für Woche auf die niedrigste und schmutzigste Weise angefallen. Wenn es Herr S. mit Recht unter seiner Würde hält, solchen pöbelhaften Angriffen gegenüber ein Wort zu verlieren und sich mit dem Schicksale des Mondes zufrieden stellt, und wenn auch wir, seine Verehrer uns schämten, solchen elenden Verleumdungen bisher etwas anderes als Stillschweigen entgegen zu setzen, so können wir doch nicht umhin, eben jetzt wo auch kein Schein von' Parteinahme mehr vorhanden ist, ein für alle Mal, für dieses schändliche Treiben, unsere tiefste Verachtung an den Tag zu legen und unsere Indignation über solche schamlose Bübereien einmal öffentlich kund, zu thun. Diese -Erklärung *) In der Allg. Zeit, des Judenthums nirgends. Rcdakt. einmal von uns zu geben, sind wir uns selber schuldig, damit man nicht glauben möge, es wäre Kälte oder Gleichgiltigkeit gegen den Angegriffenen gewesen, die uns zu keiner Replik kommen ließ. Schon darum möge cs uns gestattet gewesen sein, die innigen Gefühle der Liebe und Verehrung, der Achtung und Anhänglichkeit, den Dank und die Erkenntlichkeit, die Anerkennung seiner Verdienste und Vorzüge, die die ganze Gemeinde ohne Unterschied der religiösen Farbe für ihn gehegt, hier im Angesichte der Ocffentlichkeit ausgesprochen zu haben. Ein glänzender Beweis davon ist, daß sogar ein Häuptling der Retograden, einer der Fanatischsten gegen alle außerjüdische Kultur und Wissenschaft, dem der Tempel ein Dorn im Auge und deutsche Predigten ein Greuel sind, daß sogar dieser unbeugsame Zelot sich gedrungen fand, Herrn Dr. Sachs zu besuchen, um ihn zum Hierbleiben und zur Ablehnung der berliner Stelle zu bewegen. Auch den Stimmführern des Tempelvereins muß man es zum Ruhme nachsagen, daß sie Alles aufboten, um ihren Prediger hier zu behalten. Aber selbst die glänzendsten Anerbietungen konnten ihn von seinem Entschlüsse, dem größer» Wirkungskreise, nach dem er sich von je gesehnt und der sich ihm in Berlin nun eröffnet, entgegen zu gehn, nicht abhalten. Möge er dort dieselbe Anerkennung, dieselbe Werthschätzung, dieselbe Zuneigung aller Parteien finden, wie sie ihm hier zu Theil geworden. Uns wird sein Andenken unverlöschlich sein, möge auch er zuweilen der hiesigen Gemeinde sich erinnern, die ihm den innigsten Dank für das ihr Geleistete zollt und ihm mit thränendcn Augen ein Lebewohl nachruft. ffous pro inultis. Lemberg, 30. Oktober. (Privatmitth.) Es ist einmal Zeit, daß Sie einen einfachen, aber möglichst vollständigen und gründlichen Bericht über die hiesigen Verhältnisse erhalten, durch den die einseitigen und wortreichen Aufschneidereien ohne viel Polemik auf ihren wahren Werth zurückgeführt werden sollen. Zx; diesem Behufe sei es mir erlaubt mit Ihrem Berichterstatter in No. 39 66.26. August 1844 mit Ruhe und Besonnenheit anzuknüpfcn. Er wie so viele Andere glauben unserem allerdings ausgezeichnetem Vorstande ein ungeheueres Kompliment zu machen, wenn sie von Stürmen und Ungewit-