Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1844)
- Date
- 1844-11-18
- Page
- Seite 673 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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673 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Mannheim, Mitte September. (Privatmitth. Verspätet.). Unsre Kammern sind vertagt, und somit auch die Verhandlungen über die Angelegenheiten der Israeliten, resp. die bei dem Landtage eingekommenen Petitionen. Es sind diese zweierlei Art, theils betreffen sie die bürgerliche Gleichstellung, theils die Reformation der jüdisch-kirchlichen Behörden. Man weiß, daß der Abg. Fauth Berichterstatter über jene Petitionen sein wird, und somit weiß man auch, daß der Kommiffionsantrag wenigstens in Betreff der Petitionen der erstem Art die Tagesordnung beantragen wird.— Vielen Anklang fand hier ein Rundschreiben, das der tüchtige und thätige Bezirksrabbiner Fürst in unsrer Nachbarstadt Heidelberg, in Betreff der Verbesserung des Gottesdienstes am an sämmtliche Gemeinden seines Bezirkes diesen Sommer erließ. Es wird darin für Anstand und Würde des Gottesdienstes gesorgt; die anstößigen Stellen in den ni^p wurden entfernt, und die Neligionslehrer veranlaßt, einen Bortrag in deutscher Sprache zwischen den mrp und ü-o-pa: zu halten. Die Bereitwilligkeit, womit diese Verbesserung bei allen Landgemeinden ausgenommen ward, zeugt für die rühmliche! Thätigkeit des Herrn Fürst, wodurch es ihm gelang auch den Sinn der Landleute für die- Reformen der Neuzeit heranzubilden. Der israel. Oberrath beschäftigt sich gegenwärtig mit Vorlage eines Gesetzesentwurfes an großh. Ministerium des Innern in Betreff der Organisation derjenigen Schulen, welche nicht zur Zahl der öffentlichen gehören; gewißlich ein sehr verdienstliches Werk. — Es haben sich Zweifel erhoben, ob das-den Landständen vorgelegte Gesetz über Beffrung des Lehrergehalts auch auf israelit. Lehrer Anwendung habe, und diese haben bereits' eine Petition an die zweite Kammer abgehen lassend Wir sind in der Lage zu berichten, daß die hiesige Kreisregierung in einem konkreten Falle sich zur bejahenden Ansicht bekannte. — Oesterreich. Prag, Ende Oktober. (Privatmitth.) Am ri*,aw ij»» hat Herr Dr. Sachs zum letzten Male die hiesige Kanzel betreten, und in einem, dem feierlichen Momente ganz entsprechenden Vortrage, von uns Abschied genommen. Der sonst durch und durck poetische Redner, hat es diesmal für angemessen gefunden, alle Blumen der Rhetorik, alle Ornamente der Eloquenz verschmähend, in einer schlichten und schmucklosen Rede, einen Rückblick auf die Zeit seines Weilens unter uns zu werfen, und über sein Wollen und sein Streben, sein Wirken und sein Handeln während der acht verflossenen Jahre, seiner Gemeinde nun Rechenschaft abzulegen. Wo ist die Brust die von diesen einfachen Worten nicht um so tiefer ergriffen worden wäre, die nicht um so inniger den Schmerz der Trennung gefühlt hätte? Auch dem Scheidenden war diese Stunde eine wehmüthige, und so sehr er während des Vortrages, der Rührung seines offenbar bewegten Gemüthes widerstand, am Schluffe überwältigten ihn die stürmenden Gefühle, so daß ihm die Stimme versagte und er schluchzend von der Kanzel abtrat. Hält der Redner es nun für seine Pflicht, über seine Bestrebungen und Leistungen Rede zu stehn, so sind wir es um so mehr schuldig, die unzähligen hohen Verdienste, die er sich um uns erworben, hier vor aller Welt anzuerkennen. 0r. Sachs Einfluß auf unsere Kommune war unberechenbar. Sein Abgang ist für Prag ein Schlag, der nicht nur den Tempel, an dem er Nerv und Seele war, sondern die ganze prager Gemeinde hart trifft. Er hat nicht nur durch seine Predigt, er hat vorzüglich durch sein Beispiel gewirkt. Seine Persönlichkeit allein ist schon von dem wohlthätigsten Einflüsse, für die Gemeinde, an deren Spitze er steht. Sein Geist und seine Energie, seine Offenheit und Konsequenz, sein edles Herz und reiches Gemüth, vor allem aber sein hoher sittlicher makelloser Charakter, erzwangen ihm die Achtung selbst derer, die divergirender religiöser Ansichten sind. Seitdem er das Predigeramt hier übernommen, ist ein neuer Geist in die Gemeinde gekommen; die früher zerfahrenen Atome hatten einen Mittelpunkt gefunden um den sie sich sammeln konnten; die Achtung für Religion nach innen und die Selbstachtung nach außen, hat seitdem ungemein zugenommen. Denn er hat uns belehrt und erbauet, privat und öffentlich, durch Wort und That, durch Lehre und Beispiel. Er hat auch den lebendigsten, wärmsten 47*