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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 671 (sequence 7)
Language
German
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671 die geduldet werden, namentlich die Mitglieder der französischen Kolonie, welche sich ihrem neuen Vaterlande als dankbare Kinder gezeigt haben. .Eie verlieren zwar allmählig ihre Eigertthümlichkerten immer mehr und sind bis auf die Erinnerung an ihren Ursprung mit uns ein Volk. Versuche mau das nur mit den Inden. Doch darin liegt eben das Schwierige. Jene sind Christen, diese aber Juden und nicht als Fremde, sondern als Juden können wir sie nicht dulden, also ein schöner Zirkel. Doch besser ist vielleicht die Bemerkung welche aus einer »Ledern Sphäre zu kommen scheint. „Man emanzipire die Juden, und sie werden, wie den Handel, allmälig Alles an sich reißen." Wo Christen sich so das testimonium pauperlatis ausstellen, da ist weiter kein Wort nöthig. Könnte man nicht gut alexandrinisch den Knoten zerhauen und nur die allgemeine Mißstimmung gegen die Juden als Grund gegen Emanzipation anführen? Adel und Volk, Juristen und Historiker, Theologen und Mediziner, ja selbst Soldaten (die Schrift von Marcard soll einen Militair zum Verfasser haben) stehn in einer Frortt, ja Fichte — „Beiträge zur Berichtigung der Urtheile über die französische Revolution, I». 186 sagt: „das Judenthum sei ein Staat, auf den Haß des ganzen menschlichen Geschlecht gegründet und aufgebaut"; das klingt sehr gefährlich, ist aber wol nicht so ängstlich zu nehmen. Es ist wahr, vox populi, vox Dei, aber das ist eben das Schwierige, wo diese vox zu finden, die Menge ist wol schwerlich das Entscheidende; zwar Mancher hat, wie Streckfuß in seiner Schrift Aon 1834, darauf ein Gewicht gelegt; doch hat er ehrenhaft, seit er die Juden Ln Berlin näher kennen lernte, seine harten Urtheile zurückgenommen. Möchten doch Alle, welche Lie Juden für ihre schriftstellerische Thätigkeit zum Objekte nehmen, ihren Stoff kennen und kennen wollen! — Was ist nicht schon alles vox populi gewesen? Doch in allen Stände » 'zeigen sich, und zwar Gunter den tüchtigsten Leuten, Verfechter der Juden, denen sich in Preußen in neuester Zeit der rheinische Landtag sehr trefflich zur Seite gestellt hat*). *) In neuerer Zeit ist besonders, in mancher deutschen nnd fremden Kammer. Treffliches über die Judenemanzipation gesprochen worden. In Ungarn besonders, wo freilich der protestantische Kern weiß, was Druck ist, wird gänzliche Emanzipation beantragt, Voss. Z. 1840 9. und 13. April. In der hannoverschen Ständeversammlung wird bei Gelegenheit einer Petition zur Verbesserung der Lage Soll also nur ehrlich anerkannt werden, daß man im höchsten Sinne des Wortes Recht üben will, so ist eine der Juden gesagt: die öffentliche Stimme des Volkes gegen die Juden könne nicht in Betracht kommen. Der Syndikus Dr. Lüntzel: Wo den Israeliten größere Rechte, ja Gleichstellung gegeben, sei kein Nachtheil bemerkt worden. Spenersche Zeitung 1833, 22. Januar. Eben so ist im englischen Parlemeute viel Schönes über Juden gesagt (Preuß. Staatszeitung 1836 Monat August), obgleich in England die Gewährung voller Bürgerrechte damit abgelehnt ist, daß man damit der Gottheit vorgreifen würde, die wolle, daß die Juden ein heimathloseS Volk sein sollte. A. Z. 1834 No. 184. Man vergl. damit kau!, ad Rom. Ul, 29. X,1—5. 13 elc. XI. Mit Freuden verweise ich auf die Schrift von Bernhard König, dem ich im Geiste die Hand drücke!: „Die neueste Zeit in der evangelischen Kirche des preußischen Staats" wo von p. 49— 52 die Judenfrage behandelt wird. Man müßte eigentlich die ganze Stelle abschreiben, ich will nur einige Satze zitirrn: „Mir bleibt unerklärbar, wie Leute, die nur allzugern im Alten Testamente das Vor> bild des Neuen finden, mit solchem bitter» Hasse das Judenthum verfolgen können," (vergl. dazu Hengstenbergs Kirchenzeitung). Es ruht keine größere Schande auf der Christenheit, als ihr durch alle Jahrhunderte hindurch bewiesenes empörendes Verhalten gegen die Juden. Es bestehen Briefe, von deutschen Fürsten an deutsche Reichsstädte geschrieben, wo jene diese freundnachbarlichst ersuchen, alle Juden zu ersäufen oder zu verbrennen. Wir stoßen die Juden aus unseren geselligen Kreisen und wundern uns, daß sie nicht vollständig unsere Sprache und unsere Sitten annehmen. Wir verspotten sie in unseren Schriften, und selbst achtbare Autoren und die tüchtigsten Redakteure trägen kein Bedenken, den Judenjüugling und das Judenfräulein lächerlich zu machen und die gemeinsten Anekdoten immer wieder aufzufrischen. Ein Fürst könnte sich nicht höher ehren als wenn er spräche: „Ihr seid völlig frei." — Verhandlung der würtembergischen Kammer Boss. Zeit. 4636 11. Mai. Desto beklagenswerther, wenn sich Stimmen sonst geachteter Männer für das mittelalterliche Verfahren gegen die Juden erheben. De Wette: Theodor, oder die Weihe des Zweiflers II, 125 u. 348 sagt unter anderen harten Worten: „Der Staat soll der Vermehrung der Juden, so weit es ohne Druck thunlich ist, steuern." Die Kreissynode zu Minden hat sogar gegen Judenemanzipation eine Petition an das Ministerium der geistlichen rc. Angelegenheiten gerichtet. Berl. Allg. Kirchenzeitung 1843 Ro. 100. Wie das Gegenstand einer christlichen Synode sein kann Md mit der heiligen Schrift übereinstimmt, will mir nicht recht einleuchten.

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