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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 670

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 670 (sequence 6)
Language
German
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670 der kolossale llnsiim verkommt, so dürfte das schwerlich der richtige Weg sei». Oder wollte man eine solche Schlnßart belieben, so warb doch die natürlichste, daß jeder protestantische König die Katholiken aus seinem Staate verbannnen müßte, mindestens doch aus seiner Rahe, denn nicht nur die Jesuiten, haben Königs-mord, Meineid rc. gegen Ketzer, natürlich in majorem l)ei gloriam, erlaubt, auch der Stadthalter Christi hat die pariser Bluthochzett gepriesen, also den Brnch der Verträge gegen Protestanten gut geheißen. Welches ist aber die Quelle aller dieser feindseligen Behauptungen? Der alte Eisen men gor Ln dem seiner Zeit viel berufenen, neu entdeckten Judenthum, das bis auf den heutige» Tag alle Judenfeinde ausbeuten. Schade, daß er, so wie die meisten berühmten Orientalisten, vom Talmud nicht viel verstand, die Stellen aus dkm Zusammenhänge riß, und alles auf Christen bezog, was eben so gut Heiden und Mahomedaner treffen konnte*) Giebts denn wol einen bessern Beweis daß das bodenloseste Gewäsch über die Juden bis auf 1844 Gehör findet, als die Fabel von dem Schlachten der Christenkinder zum Osterrittus? Die Verfolgungen deshalb haben nicht statt gefunden Ln Marokko oder China, nein unter Christen Ln Europa, in Deutschland, Ln Preußen. Vergeblich haben die Juden sich vertherdigt, vergeblich edle gelehrte Christen (besonders der ehrwürdige Hofprediger I)r. Veith in Wien) diese Grämt von ihren ehemaligen Glaubensbrüdern zu wälzen versucht. **) Man glaubt, was man gerade will. Ein Beweis *) Daß Eisenmenger nicht so kompetent ist, als gewöhnlich 'dargestellt wurde, ist jetzt ziemlich anerkannt. Cfr. Wieseler, Studien und Kritiken 1838 Heft 4, p. 1076. Im Streite über Eisenmenger's Autorität wurde auf den großen Orientalisten Tychsen provozirt, aber wie wenig kompetent er Ln talmudschen Dingen ist, zeigt Jost V. p. 13 der Vorrede. **) Daß die Juden das Blnt der Christeirklnder bedürfen, ist ein alter Vorwurf; würde er ihnen nicht von den Christen gemacht, wäre es eher zu ertragen. Haben nicht die ersten Bekenner des Erlösers dasselbe von sich hören müssen? 6kl-. Reanders Kirchrngeschichte l. p. 157. ed. 11. U eberhau Pt haben die Juden viel Aehnliches mit den ersten Christen in ihren Schicksalen. Bei den Herden hieß eS: Deus von pluit, duc ad Chiislianos. ,,Alles öffentliche Unglück wurde den Juden zugeschneben" Annalen p. 16. Das Gründlichste über die Blutsrage bei Gelegenheit des damaszener Trauerspiels ist Leipziger Allg. Zeitung 1840 Rr. 148 und besonders 152 von Dr. Zun;. Creiuieux erweiset zwar noch, daß die Mordthaten, deren die Juden in Syrien beschuldigt werden, Lügen, und die konntt dtt Inden schon frei sprechen, den, vielleicht, weil er zu einfach ist, meines Wissens noch Niemand geführt har. Allo Religionen haben im Laufe der Zeit immer mchr Rituelles angenommen, wenn sie auch ursprünglich ettkfach warm; einfache Grundsätze werde» ins Breiteste ausgeführt, nicht umgekehrt. Den Jnbrn war schon im Pentateuch Blut überhaupt untersagt, der Talmud hat dieses gesteigert, wie sollten also die Juden Blut der Christenkinder gebrauchen dürfen, da ihnen ohnehin ein Christ mindestens ein lbnreiner sein würde. Denn daß der Talmud, den Christenhaß Lehret, wollen ja alle Judenfeinde beweisen. Sollte es auch vielleicht ein Opfer sein, so dürfte es ebenfalls nur ans Reinen genommen werden. Aus den übrigen Gründen gegen die Judenemanzipation, so fern sie der Kritik werth find, wollen wir nur noch einige hervorheben, von denen der erste merkwürdig genug den Brrf. von Historikern gemacht worden ist. Die Juden sind ein fremder Volksstamm, also haben sie kein Recht an den Ländern, in welchen sie als in ihrem Baterlande wohnen. Woher nun jeder stammt, läßt sich jetzt schwerlich noch herausfinden, doch haben wir in Preußen z. B. entschieden fremde Elemente genug unter uns, Geständnisse nur durch Tortur entrissen sind. Voss. Zei^ tung 1840, 14. April; aber dennoch haben sich in Prag und Gesecke in Westphaten Judenverfolgungen gezeigt, die um so beklagenswerther sind, als nach den öffentlichen Blättern auch Obrigkeit und Gebildete (!) Theil nahmen, überhaupt dies nur Demonstrationen gegen die Judenemanzipatiou sein sollen, wie denn in Prag petitionirt wird „dieJuden in ihremittelalterlichen Rechte zurückzuw eisen, Voss. Zeitung 1844, 3. Juli. In Tarnow (Gallizien) wurde absichtlich, um Juden verfolgen zu können, ein Kind versteckt. (Magazin für Litteratur des Auslandes 1844, No. 50). Mir ist es höchst wahrscheinlich, daß die Judenverfolgung in Westfalen jetzt nur künstlich erregt sei, und ich schreibe dies dem in 7 Auflagen von H. L. in Hengstenbergs evang. Kirchenzeitung 1843 Nvbr. p. 760 ungemein erhobenen Buche zu: ,,Darf ein Jude Mitglied einer Obrigkeit sein, die über christliche Unterthanen gefetzt ist? Ein freundliches schlichtes Wort zu dem deutschen Bürger und Landmann gesprochen von Trauwund Wahrlieb." H. L. legt ein großes Gewicht auf „Siebente Auflage^; solche Beweise sind jetzt nicht mehr stichhaltig. — Wer übrigens über Mord der Christenkinder durch Juden mehr lesen will, lese Bavaria sancta; München 1627 11. p. 315, S. Hoffinein n, Judenthum, Zelle 1699, p. 115. S. Frettag Diseitatio de ludaeo christianonini infanticida. Leipzig 1771.

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