Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 669

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 669 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225383--06460-3315278
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

669 sehr enge Grenzen eingekeilt. Ein jüdischer Gesell aus der Provinz Sachsen stand in Berlin bei derHandwerkskompagnie; man machte ihm von Seiten der Polizei Schwierigkeiten, seinem Könige Ln derHauptstadt seines Vaterlandes dienen zu dürfen! Jetzt ist eine größere Milde eingetreten, aber nicht prinzipiell. Giebt es etwas Schneidenders, als in seinem Vatertande als rechtschaffener Jude nicht Rechte zu haben, welche dem ausländischen, christlichen Bagabonden (venia sit verbo!) nicht verkümmert werden? Wenn ein Naturrecht da ist, so müßte der Jude, welcher alle Lasten der Christen zu tragen hat, auch al'le Rechte haben; oder tragen die Juden in den ehemals preußischen und 1815 wieder erworbenen Provinzen Schuld, daß Preußen 1806 einen so tiefen Fall that, daß die stärksten Festungen von altchristlichen und altadeligen Generalen feig verrathen und übergeben worden? Was der Jude ist, ist er durch christlichen Druck geworden; der Handelsgeist war ihm ursprünglich nicht eigen, sondern Landbau und Handwerk, und selbst Rabbiner hatten ihre Profession. Nachdem sie mehr als ein Jahrtausend nur schachern konnten, ists kein Wunder, daß sie das thaten. Giebt es denn jetzt, wo sie sich auf mancherlei Zweige legen, irgend ein Fach, in dem sich nicht auch Juden ausgezeichnet hätten? Desto schmerzlicher muß Jeder berührt werden, wenn er z. B. Spenersche Zeitung 1837 No. 12 aus München liest: „der jüdischen Jugend ist in Baiern Thür und Thor verschlossen, und kurz darauf „Aussichtslosigkeit daheim, sichere Zukunft in derFremde, nicht Druck und Verfolgung der einen oder andern Art führe» den baierschen Israeliten zum Wanderstab.'!" Das ist die baiersche Logik, von der auch unsere Glaubensbrüder dort viel leiden müssen. — Doch es werden noch bessere Gründe gegen die Emanzipation in die Schranken geführt: der Jude hat keine Vaterlandsliebe, er ist ein Feind der Christen und des Christenthums, ihm ist nach seinem Talmud Alles (auch Schlachten der Kinder!!) gegen Christen erlaubt. So viel Sätze, so viel Falsches, oft genug abgewiesen, aber sehr gerne von denen festgehalten, welche um jeden Preis die Juden gerne noch mit den gelben Bändchen und der alten Geleitsfrau sehen möchten. Hätten die Juden keine Vaterlandsliebe, es wäre kein Wunder, denn sie haben kein Vaterland, ihr Kindesverhältniß ist ihnen genommen* *); aber haben sie ") Trefflich sagt Jost IV. 11.: Man fürchtet in den nicht, seit ihnen in Deutschland, ein wenig das Licht der Aufklärung leuchtete, auch gezeigt, daß sie über Alles ihr Vaterland lieben? Die Jahre 1813 — 1815 haben auch viel jüdisches Blut gekostet, große Opfer dieses Volkes empfangen, und es leben noch Manche, denen der Freiheitskampf Orden gebracht hat. Wie viele Freiwillige sind von berliner Juden equipirt worden! Die verheißene Gleichstellung hatte das jüdische Volk begeistert; was ist geschehen? Für den jüdischen Invaliden ist kein Jnvalidenhaus und keine Staatsversorgung; — sein Blut war doch auch gut. Sollen alle Juden als gute Russen die Hand küssen, welche ihnen die Knute giebt? Nein der Jude kann den Christen nicht lieben. Das Kind wird groß unter dem Hepp Hepp, Schachermachei, und wie die Legion edler Wörter, ja ganzer Poesieen heißt*);.überall muß er den Hohn, leider nicht bloß des christlichen Pöbels, erdulden. In der eben zitirten Rezension bei Hengstenberg wird trefflich und höchst poetisch ein armer alter Jude geschildert, eine Ruine früherer Zeit. Man muß den Schmerz eines fühlenden Judenherzens kennen (und es giebt solche), um die Tiefe des Wehes zu empfinden, wenn der Janhagel ihn, der kümmerlich sein Brot erwirbt, auf jede Weise verfolgt, einen Juden, der lieber sein Leben ließe als ein Titelchen vom Gesetze! Hätte unsere christliche Masse solche Liebe zu ihrem Glauben, es stünde besser. Bei alledem eine Feindschaft gegen das Christenthum haben die Juden nicht, sie ist ihnen nur nachgesagt von ihren ärgsten Feinden, den Proselyten**). Wollte man das Christenthum nach den apostollschen Vätern, oder gar nach den Scholastikern beurtheilen, in denen neben den Trifflichsten doch auch, wie im Talmud, Juden treulose Unterthaneu, aber man gab ihnen keine Ursache, ihre Regierung zu lieben." Die Berliner allgemeine Kirchenzeitung schreibt aus Paris 1839, No. 68: „Die Julifeierlichkeiten waren herzlich matt, am glänzendsten feierten das Fest die Juden." *) Judenjagdlied, Phönix 1835, No. 154. *c) „Getaufte Juden immer Feinde der Juden" Annalen p. 138, daß die Juden auch gegen Christen mildthätig sind, wird Niemand leugnen; es ist auch natürlich in dem Drucke, den sie erduldet haben, begründet. Die Juden beschenkten die salzburger Emigranten reichlich und antworteten auf Befragen nach dem Grunde, dies seien Fremdlinge, wie sie selbst. Buchholz, Geschichte der Mark Brandenburg. V. p. 156.: Die Juden in Berlin tragen sehr viel für christliche Armenanstalten bei, aber der Jude ist vom Genüsse ausgeschlossen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.