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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 668

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 668 (sequence 4)
Language
German
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668 so hätte der Staat darum jenes Prädikat noch nicht verdient. Der Staat an sich hat mit dem Christenthnme nichts zu thun, und ich wüßte z. B. nicht, wie Jemand die Politik der christlichen und allerchrifllichsten Staaten mit demselben in Beziehung bringen wollte. Der Beamte leistet seinen Eid, befolget die Staatsgesetze billiger Weise auch, wo sie mit seinen persönlichen Ansichten auch nicht übereinsiimmen; seine Religion kömmt nicht ins Spiet. Wäre denn, um das Landrecht anzuwenden, um Finanzoperationen' zu erwägen, oder Subatterndienste zu leisten, wirklich das Christ sein so absolut nothwendig? Ginge man von dem Gedanken aus, das Christenthum sei die absolute Religion, darum seien nur seine Bekenner absolut sittlich, darum nur sie fähig den Staat zu leiten, denn der Staat könne nur durch christliche Prinzipien regiert werden; so hätte das nur einen scheinbaren, aber auch nur einen solchen Sinn. Der Staat stelle seine Grundsätze auf, und wer Staatsdiener werden will, muß sich nach ihnen richten; will er's nicht, so bleibt er draußen, wie das ja vorkömmt, nur lasse man die Religion aus dem Spiele! Sind denn nun die getauften Juden durch den Akt bessert Schwerlich: denn die Taufe ist den meisten ein Gräuel; und die eigentlich schlechter geworden sind und ihre Religion um des Aeußeren willen verlassen haben, sind nun fähig dem Staate zur Erlangung seiner Zwecke behilflich zu sein? Das scheint eine arge Inkonsequenz, und wir finden mehrere Arten. Juden dürfen Aerzte werden, warum nicht Apotheker? Ob unser Staat den kanonischen, durch Eisenmengersche Zitate wohlgestützten Grund hat, daß sie dann leicht ein Christenleben nehmen könnten, weiß ich nicht; doch können die jüdischen Aerzte, da sie gerade viel Praxis haben, wol Mehreren lege artis den Tod geben. Aber sind denn nun die gebornen und dadurch zum Staatsdienst befähigten Christen wirklich Christen, und als solche Helfer des christlichen Staates? Allgemeine Urtheile haben ihr Gefährliches^) *) Gegen Juden sind sie allgemeine. Wo ein Jude einen Fehler begeht, der sehr oft von Christen begangen wird, heißt's gleich „die Juden sind Betrüger". Annalen der Juden in der Mark. Vorrede: Man muß von Personen keine Schlüsse auf das Ganze machen. Vergleiche G. Rießer jüdische Briefe; Berlin 1840, bes. x. 133, wo er Delitzsch, einen orthodoxen Lutheraner, anführt, den man eines Wortes wegen gleich mit allen Konsequenzen zum Juden machte! Doch das lutherische „Juristen schlechte Christen" die allgemeinen Klagen über Unkirchlichkeit der Beamten u. s. w. spricht dagegen. Za es giebt Tausende und gerade in den Staatsdienern aller Klassen, welche in Strauß und Feuerbach die letzte Ruhe der Heiligen finden, die das biblische Christenthum als ein veraltetes ansehen und das auch offen bekennen; — hilft Nichts, der Jude wird verbrannt — sie sind anstellungsunfähig*). Doch der Jude muß noch Aergeres beklagen. Man wirst ihm den Schachergeist vor; vortrefflich! Der Staatsdienst ist ihm verschlossen — „er kann ja Handwerker werden." Ja es giebt Vereine unter den Juden, welche die Industrie befördern, und sie haben schon Großes gethan**). Der jüdische Lehrbursche kommt durch Plackereien zum Gesellenstande, er bekömmt keine Arbeit als Geselle — er ist Jude —; .— als Meister hat er Noch — er ist Jude —; nun Roth bricht Eisen, er schachert wieder. Das scheint doch ein zu gewagter Schluß; wir wollen ihn stützen. Das Ausland weiset den jüdischen Wanderburschen zurück, aber sein Vaterland z. B. Preußen doch nicht? Die in den neu erworbenen Provinzen ansässigen Juden, allen Pflichten der Christen unterworfen, haben kein Staatsbürgerrecht, können also in vielen Theilen ihres eigenen Vaterlandes nicht leben und sind nun in *) Merkwürdig, daß gerade die Rationalisten, besonders Feinde der Judenemanzipation sind. F. Lebreckr (Magazin der Literatur des Auslandes 1844, Ro. 15, p. 179), sagt in einer Nota treffend: „der Prediger Röhr in seiner Geographie Palästina's macht es den Juden sogar zum Vorwurf, daß zur Zeit der großen Wallfahrten sich Obst- und Brodverkäufer in der Nähe der Versammlungsorte aufhielten. „Ohne Handel und Wandel kann dieses Volk nicht sein!" ruft er aus. Als wären bei den Wallfahrten zu Mekka nicht muhamedanische, und bei der Wallfahrt in Loretto nicht christliche Viktualienhändler da! Cfr. Paulus, die jüdische Nationalabsonderung; Heidelberg 1831. c*) Man vergleiche die öffentlichen Berichte der Gesellschaft in Berlin und Frankfurt a. M. zur Verbreitung der Industrie unter den Juden. Die Christen sollten wohl bedenken, was Luther Opp. T. 6, f. 500 sagt, man solle die Juden nicht zum Wucher treiben, da man ehrliche Hantirung verbiete^. Daß Juden sich in allen Branchen auszeichnen, lehrt Figaro 1836, No 189. Vossische Zeitung 1840 vom 31. März sagt: Ein jüdischer Metallarbeiter har Nägel gemacht, die bisher nur in England gemacht werden konnten. Jost IX. 98: ein PortugiesePareixa hat zuerst glücklich Taubstumme unterrichtet Die Christen nennen Abbe de l’Epe'e.

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