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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-18 · Heft 47 (18.11.1844) · p. Seite 667

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 47 (18.11.1844)
Date
1844-11-18
Page
Seite 667 (sequence 3)
Language
German
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dem Juden so sehr verachtet; auf das Reich Gottes will I fie nicht recht paffen! Darum Lst's denn auch dahin gekommen, daß die Gemeinen nicht wehr den geringsten Anthril nehmen an dem Wachsen des Ehristenthums nach dieser Seite hin. Und mit Recht. Das ist ja die Noch der Kirche, daß fie so Viele ihr durch Geburt angehörige todte Glieder hat, Ln die sie vergebens Leben zu bringen sucht; warum nun sich nach Elementen drängen, die man st willig draußen lassen müßte? Unsere älteren preußischen Gesetze waren besser, die Aufnahme mehr Sache der Kirche, nicht einzelner Geistlichen. Könnten sonst Fälle Vorkommen, daß Proselyten gar keinen Unterricht empfangen, daß sie nie, seit sie Christen sind, das Abendmahl genomuren haben, daß sie nicht einmal das Vater unser können? Daß Geistliche, namentlich in Berlin, Vorkommen, bei denen das Taufen (besonders begüterttr Juden!) ohne rechten Unterricht Gewerbe ist, steht fest, und hat das Christenthum selbst den Juden stinkend'Amächt, wie denn Bertin's Israeliten für diese Art zu taufen den Ausdruck „fix bleichen" wol kennen. Wenn ein Geistlicher armen Proselyten von den zehn durch des Königs Gnade verliehenen Dukaten gleich einige für den Unterricht abzieht, wird der Profetyt schwerlich einen guten Begriff von dem Christenthume und dessen Verkündigern erhalten. Das Bisherige sollte aber nur den Satz einführen, daß eine Bekehrung im christlichen Sinne nur mit vollständiger Emanzipation anfangen könne. Hier wird sich freilich der stärkste Widerspruch finden und die Sache muß daher nach verschiedenen Seiten beleuchtet werden. — Das Christenthum ist die Religion der Liebe und auch der Freiheit, der Sklave — und der Jude unter uns steht um kein Haar besser — kann sie nicht verstehn. Ich habe wol bedacht, daß in alter und neuerer Zeit viele Sklaven Christen gewesen sind, und Salz des Christenthnms, aber sie konnten Christen sein, nur durften Christen keine Sklaven dulden. Der Erlöser und seine Apoflel verordneten nicht die Abschaffung der Sklagor der Große hielt zwar nur die durch Lehre, Leben, Liebe, Wohlwollen rc. hervorgebrachte Bekehrung für recht; freiwillig sollten die Juden kommen, um Gottes Wort zu hören, nicht übermäßige Strenge fürchten. Gregor. Al. Lib. H. ep. 35. ep. 47; dennoch schlägt er II. 30 und V. 8 vor, sie durch Abgabenerlaß u. s. w. anzuziehn, damit, wenn auch sie nicht gläubig sind, ihre Kinder doch gewonnen werden. verei, weil baS Christenthum selbst sie rrochwendig abschaffen mußte, wenn es das rechte sein wollte. Man schämt sich jetzt allenthalben der ReligionSbedrückung, und Dragonaden würden einen Klageruf der Menschheit bewirken. Aber dennoch: nur wer einen Taufschein als Paß vorzeigt, kann in den Staatsdienst ausgenommen werden. Der Taufichein aber ist ein Dragonersäbrt, welcher Biele zum Taufschein gebracht hat. Das ist ihre Schuld, sagt man; hätten sie Charakter, so würden sie dem Staatsdienst entsagen, hätten sie Ehre, so würden sie nicht heucheln. Staat und Kirche weiß, daß man Heuchler aufnimmt; wen trifft mehr der Tadel? Doch den, bei welchem größere Intelligenz sein sollte! Dies führt aber gleich auf den Haupteinwand: „der christliche Staat kann keine jüdische Beamten dulden*). Es ist jetzt Brauch, sich mancher Prädikate zu bedienen, die zu ihrem Subjekte nicht recht passen wollen; es giebt bewaffneten Frieden, rc. so scheints, mir wenigstens, mit dem „christlichen Staate" zu sein. Es hat Staaten gegeben ohne das Christenthum und giebt solche; und wenn auch sämmtliche Einwohner eines Landes Christen, ja noch mehr, Christen einerlei Bekenntnisses wären, *) Diese Ansicht, aud) in Hengstenberg's evangelischer Kirchenzeituug zu finden, kann nicht befremden, da dieses Blatt gerne einige Jahrhunderte zurück möchte. Es ist traurig, daß Auswüchse des Christenthums gerade von den Christlichen die Namen haben, Jesuiten von Jesus, evangelische Kirchenzeitung von Evangelium! 1843 Nr. 61 findet sich gelegentlich die Rezension von Marcard: liebet die Möglichkeit der Judenemanzipation im christlich-germanischen Staate, eine köstliche H. L. Unterzeichnete Diatribe gegen die Juden. Und worauf läuft dabei Alles hinausi Der Extrakt ist und bleibt „die Juden könnten zuletzt Alles nehmen, geputzte Lieutnants, Landräthe rc. werden." Wahrscheinlich ist H. L. ein Historiker, der seine Farbe schon vielfach gewechselt hat, dem selbst Luther nicht lutherisch genug ist. Schmach, daß Jemand ein Buch, wie das des Marcard noch empfehlen kann! Von den historischen Kenntnissen des Verfassers möge nur die eine Stelle Zeuguiß geben: „Die Juden haben nie Stahl, Eisen und Blut gekannt", freilich Tacitus, Josephus rc. sind nicht für Jedermann geschrieben, und daß bei der Belagerung Prags sich die Juden im dreißigjährigen Krieg wacker zeigten, wäre auch wol außer Jos. Mit 227 zu lesen. Wir haben christliche Staaten, wo Juden Staatsdiener sind, Staat und Kirche bestehen noch. In London ist schon ein Jude Scheriff gewesen, und das Christenthum mit allen seinen Segnungen ist noch dort.

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