Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 47 (18.11.1844)
- Date
- 1844-11-18
- Page
- Seite 666 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225335-3225383--06457-3315275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
666 machen wollen, ist nicht leicht zu entscheiden; aber es erbc%m sich «-bMch ' v»ele StumneL, welch« ödes. «LtMkkterimmer noch nicht recht «Mrachsn kLsnen. Ein Gefühl ist freilich auf beiden Seiten: dem Volke ist nicht seine rechte Stellung gegeben; es gebühre weder unserem Jahrhunderte, noch Staaten, unter sich Tausende zu haben, denen noch das natürliche Recht versagt ist; der Kampf dreht sich mehr um die Mittel. Emanzipation und Bekehrung stird die Losungen, durch welche man Rettung hofft. Die Fülle der Streitschriften, bis zur Unzahl angewachsen, zeigt, daß an eine Einheit lange noch nicht zu denken. Das Uebel liegt bei den meisten dieser Autoren in der Unbekanntschaft mit dem Gegenstände. Nur wer blind gewesen, und wieder sehend geworden ist, kann eine klare Anschauung von beiden Zuständen haben. Es giebt eine große Partei in der evangelischen Kirche, gefördert durch den Staat, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, so viel Juden als möglich zu bekehren, .die Bekehrten zu Missionären an^uwenden, und so eine allmälige Verschmelzung des Christen - und Judenthumes herbei zu führen. Diese ganze Art der Wirksamkeit, ist mild gesagt, eine nutzlose; denn durch Unterricht allein oder vornämlich ist wvt nie ein Volk von seiner Religion bekehrt worden. (S. Jost Geschichte der Juden Vill. 312; Reinwalo's Repert. 1830 Maiheft brjrrgt aus London die Aeußerung „es ist noch kein Jude bekehrt worden"). Miffiomsprediger, mit talmudischeu Kenntnissen ausgerüstet, reisen-umher, um Christen zu machen, aber die Juden stehen entweder unter oder über dem Talmud, und diese Missionare haben nicht die Höhe der Erkenntniß, um den gebildeten Juden das Chrisienthum anschaulich zu machen. Die Taktik dieser Leute besteht darin, den zu Bekehrenden die Erfüllung, ja die buchstäbliche Erfüllung des A. Test, im Neuen zu beweisen, womit denn ganz natürlich auch eine bestimmte, sehr orthodoxe Dogmatik verbunden ist. Es ist aber schlimm, den Juden als eine ausgemachte Sache anzubieten, was doch großenteils auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Theologie noch sehr fraglich ist, und manche der Kraftstcllen mcssianischcr Beweise sind jetzt unnützes Rüstzeug; denn wer legt wol heute noch auf die Stelle der Stellen Jes. VH, 14. ein Gewicht? S. Gesenius ad Ij. 1. Ist nun ein Jude auf diese Weise bekehrt worden, und schreitet fort in der Erkenntniß, es wird ihm aber nur ein Titel dieses seines Steüenglaubens genommen, dann fällt ihm auch, dem Verfasser sind Beispiele bekannt, das ganz CHWenchum- Mit f*nt itinett UMßaMdrt disee BWelMungSarchhängt ein anderer nur zu inylg zusammen. Diese Msffinnäre wollen doch Beweise ihrer Wirksamkeit beibringen, und wenden nun manche Summe an, Seelen für das Reich Gottes zu werben. Sie werfen Geld und Bücher fort, wie das besonders auf den Messen zu sehen ist. Doch wozu sind überhaupt diese Missionäre nöthig? Sie sind schädlich. Weg mit diesen Missionären, weg mit dem berliner Judengottesdienste, der mit Recht die Israeliten erbitterte! Sind die sechzig Geistlichen der Residenz so unfähig, daß erst die Engländer Apostel senden müssen? Die Juden, welche sich an die Missionäre wenden, sind im Ganzen und Großen eben kein Gewinn, weil Geld u. dgl. Aehnliches sie lockt. Die Sitte, Proselyten besonders zu unterstützen, ist alt, schön und nöthig*), da sie oft von der älter» Ge^ meinschaft ausgestoßen, verlassen sind; aber es müßte mehr Prüfung der Geister angewendet werden. Der in Gott .ruhende, hochselige König Friedrich Wilhelm III. hat jedem Israeliten, der seine Pathenschaft ersuchte, zehn Dukaten geschickt; es sind Viele um dieser zehn Dukaten willen übergetreten. Das mag hart klingen, aberexempla 8unt in promtu; auch bie Geschichte liefert uns Beispiele von Jndustrieritteru, die sich häufig raufen ließen **). Mau ist auch in der Beförderung und Anstellung der Proselyten besonders human gewesen; aber wäre nur mehr auf die Beweggründe zum Uebertritte gesehen worden! Denn wer die Sache genau kennt, wird leicht zugeben, daß unter hundert Proselyten 95 irdische Gründe haben. Wenn nun die Säulen in dem Werke der Judenmiffion dies nicht in Abrede stellen, welche Entschuldigung haben sie für ihr Wort?" „Sind jene auch noch keine Christen durch die Taufe, so ist's doch die dritte oder vierte Generation." Also elende Prozentrechnung***), die man ja an *) Cfr. Die Mittel, wie auch die Hindernisse bei der heutigen Judenbekehrung weggeräumt werden, hiermit aus eigener Erfahrung kürzlich vorgestellt von I. I. Besser, Judaco Conv^rso etc. Leipzig 1728. p. 19. *•) Cfr. schon Sokrates h. e. VH. 17. — 1681 fand sich zu Frankfurt a. O. ein Jude Mauritius, der sich zum dritten Male wollte taufen lassen. Cfr. Annalen der Juden in der Mark Brandenburg p. 112. ***) Diese Rechnungsart ist ebenfalls nicht neu. Gre