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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-11 · Heft 46 (11.11.1844) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 46 (11.11.1844)
Date
1844-11-11
Page
Seite 662 (sequence 14)
Language
German
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662 gelegene kleine isolirte Städtchen ein, und verbreiteten da Tod und Verderben, indem sie mordeten, raubten und das Geraubte (Sachen wie Menschen, besonders weiblichen Geschlechts) mit sich schleppten **). — Jene gefährlichen dichten Wälder sind jetzt zwar meistentheils gelichtet und die Regierung wendet ihrerseits Alles an, um das Raubgesindel gänzlich zu vertilgen, was ihr auch schon zum großen Theil gelungen ist, leider aber noch nicht ganz. Es ist zwar jetzt unter den moldauischen Straßenraubern keine Sitte mehr unbarmherzig zu morden; sie begnügen sich vielmehr damit, Alles, was sie finden bis aus's Hemd wegzurauben und dabei wahrscheinlich als souvenir (i'amoiir mit ihren Flintenkolben, Knitteln und Jatigans recht tüchtig durchzudlauen, mitunter auch wenn Jemand zu entfliehen sucht, ihm eine Kugel nachzuschicken, jedoch ist und bleibt diese leichtere moderne Srraßenraubprozedur in der Moldau, bei alle dem eine höchst unangenehme Sache, wie mir Einige aus Erfahrung versichert hatten. Ueberhaupt kann es einem Kaufmann gar nicht lieb sein, sein schwer erworbenes Kapitälchen, seinen nervus rerum, auf einmal, so mir nichts dir nichts, gegen Eintauschung von ein paar hundert Schlagen einem unbekannten Straßenräuber einzuhändigen. Die meisten reichen, mit Geld beladenen Kaufleute nehmen daher zu ihrer Sicherheit Begleitung mit, oder reisen mit Post. Die Begleiter sind bewaffnete und berittene rothröckige Albaneftr (Arnauten, ein Ueberrest früherer Zeiten), die man von der jassyer Polizeibehörde gegen eine nicht geringe Bezahlung erhalt. Diese Arnauten erhalten nun den Auftrag, den Reisenden bis zur Landesgrenze ungekränkt und wohlbe- Empörendste dabei ist, man weiß, das jene blutigen Räuber von einem nachbarlichen Bojarn (Edelmann!) gedungen waren, um zu tödten und für seine Rechnung zu rauben. Der unglückliche Vater der drei hingemordeten Kinder prozessier noch jetzt mit dem edlen Bojarn, leider aber— vergebens. Der Bojar bot ihm indeß einmal Geld als Entschädigung an (der Elende!), der gebeugte Vater erwiederte aber: ec kenne keinen Königsschatz, der ihm seine drei Söhne mit ihren Frauen und Kindern bezahlen könnte. — Korresp. So erst vor sehr wenigen Jahren in Sulitz, einem kleinen Städtchen zwischen Boroschany und Jassy auf der besuchtesten Landstraße. Da brachen die Räuber an einem Samstag bei Hellem Tage ein, und richteten unter Juden und Christen ein gräßliches Blutbad an. Korresp. halten zu überbringen., und dieses durch eine Retourrezepisse zu bescheinigen. Diese Arnauten selbst machen sich aber daraus gar kein Gewissen auf ihrem Retoucritte manches Abentheuer zu bestehen, wobei sie jedenfalls nicht verlieren, der unglückliche Reisende aber, der dabei getroffen wird, — Alles. — Auch mit Extrapost ist das Reisen in Moldau sicherer, weil sie erstens einigermaßen mehr Respekt einslößt und zweitens pfeilschnell dahintrabr. Diese Extrapost ist in ihrer Erscheinung höchst eigenthümlich. Man denke sich einen Leiterwagen der Landteute in deutschen Dörfern in Miniatur dargcstellr, so daß kaum ein Reisender darin zu sitzen vermag (NB. wenn er lang ist, so muß ec seine Füße hinter sich haben). An einen solchen Extrapostwagen (!) sind nun vier abgemergelte kleine pserdeartige Wesen gespannt; auf einem derselben ein ziemlich prosaisch gekleideter Postillion, mit einer vier Ellen langen Ohren zerreißend knallenden Peitsche in Händen (die ihm statt der Trompete in Deutschland dient). Nun heißt es: vorwärts! der moldauische Postillion kennt nur ein Ziel, es ist: vorwärts fliehen. Wie durch das traurige Schicksal der Frau von Lot eingeschüchtert, wagt er es nicht hinter sich zu sehen. Der Extrapostwagen oder vielmehr die Extrapostkarre kann umgeworfen, eine Achse und zwei Räder derselben abgebrochen, der Passagier im Herausstürzen längst auf dem Felde irgendwo geblieben sein, gleichviel! der Postillion trabt immer vorwärts und überzeugt sich vom traurigen Ereigniß erst dann, wenn er das nächste Posthaus oder besser die nächste Postschaluppe erreicht hat. Das Land -ist äußerst dünn bevölkert. Man durchreiset oft Stationen von zehn bis zwölf Meilen ohne das kleinste Städtchen oder auch nur Dörfchen gefunden zu haben. Unter solchen Umständen wird man auch wol einsehen, daß es dort mit den Landwirthshäusern nicht am besten bestellt ist, und in der That, man findet nirgends solche elende. Alles entbehrende Kretschmis als in der Moldau. Die relativ besten sind noch die, worin Juden wohnen, die sich auch der meisten Frequenz erfreuen. — Im Allgemeinen kann man sagen, daß hier auf dem Wege Alles mangelt und wer sich nicht zu Hause proviantirt der kann auf der Reise verhungern. — Ist aber in den moldauischen bewohnten Wüsteneien an aller soliden Nahrung drückender Mangel, so ist dafür Ueberfluß an Getränken, und zwar nicht nur an säuern Landwein und mit Schwefelsäure verfälschten Branntweine (in den Kretschmis), sondern auch an jenem ein-

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