Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1844)
- Date
- 1844-11-11
- Page
- Seite 663 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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663 fachen allbetebenden Fluidum, an — Wasser. Denn längs des ganzen Weges, in den entlegensten und gefährlichsten Orten, ja hier am meisten — findet man unzählige Feldbrunnen, die zwar an Bau und Form nicht sehr einladend sind, dafür aber gar oft durch einen klaren Labetrunk erquicken. Diese Brunnen, so wohlrhatig sie auch sind, ermangeln dennoch nicht auf das Gemürh des Reisenden, der die Ursache ihres Daseins weiß, einen ziemlichen, ja angstvollen Eindruck hervorzubringen. Denn überall wo ein Brunnen ist, da soll vor Zeiten ein Menschenmord begangen worden sein. Es gehet nämlich die Sage, daß in den Vorzeiten ein Räuber so bald er alt wurde und seine Mordthaten zu bereuen begann, sein Gewissen dadurch zu beschwichtigen pflegte, daß er an allen Orten, wo er einen Mord verübte, mit eignen Händen einen Brunnen grub, um so gewissermaßen das Unheil, das er Einem zugefügt, durch eine Wohlthat, die er Vielen verschaffte, aufzuwiegen. Die objektive Wahrheit dieser Sage lasse ich dahingestellt sein, den Eindruck aber, den ein halbes Dutzend solcher nahe neben einander gelegenen FeLdbrünnchen, gerade in jenen gefährlichen und schreckenvollen Oertern, auf einen europäischen Reisenden, der zuerst die Moldau bereiset, macht, wird man sich vielleicht denken können, beschreiben laßt er sich gewiß nicht. — Mein letzter Aufenthaltsort in der Moldau war der Freihafen Galatz, am linken Donauufer-, der jetzt in Dampfschiffahrtsannon^en und Berichten, überhaupt in der ganzen merkantitischen Welt so sehr zirkulirende Namen dieser.Stadt ließ mich Vieles erwarten, ich wurde aber in meiner Erwartung total getauscht. Galatz ist eines der häßlichsten Nester, die ich selbst in der Moldau gefunden. Außer der Hafenstraße (Skeli), die noch einigermaßen erträglich ist, ist alles Uebrige das. Summum alles Häßlichen. Der christliche Theil der Bevölkerung von Galatz bestehet aus Moldauern, vielen Griechen, Bulgaren und einigen Italienern. Die jüdische Gemeinde., in der neben einigen reichen Kaufteuten und Bankiers, viele Arme vorhanden sind, ist sehr zahlreich (man schätzt sie auf 6—7000 Seelen). Schon mehrmals hat ihnen der Fanatismus und die Mordsucht der dortigen Griechen mit Vernichtung gedrohet, und es wäre erst vor ein paar Jahren,wirklich zu einem fürchterlichen Blutbade unter diesen unglücklichen Wehrlosen gekommen, wenn nicht die gerechte Regierung frühzeitig genug militärisch eingeschritten wäre, um den zuckenden Mordstaht einzuhallcn. Zwei Opfer sind dennoch jener barbarischen I Mord- und Raubsucht gefallen. Die Mörder entflohen zum Theil, zum Theil wurden sie unbestraft gelassen. Die Ursache jener blutigen Judenverfolgungen ist eigentlich Geschaftsneid, der sich aber, wie gewöhnlich unter dem Deckmantel des religiösen Fanatismus hüllt, um aus derselben seine bluttriefenden Hände, Tod und Verderben verbreitend, hervorzustecken. — Ich verließ bald Galatz und somit die Moldau, im Ganzen mit sehr wenigen erfreulichen Erinnerungen und betrat die Wallach ei. (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. In demselben werden Annoncen aller Art gegen lV,.Ngr. (i gGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Veclagshandlung. Erschienen ist: pbrhn mraa Volkskaleuder für Israeliten auf das Jahr 5605 (1845) herausgegeben von K. Klein. Vierter Jahrgang. 8. Mit dem Bildnisse des Prof. Valentin. Preis 12y2 Sgr. Breslau, Oktober 1844. I. Nrban Kern» Anzeige. Au der bei der hiesigen jüdischen Gemeinde zw Ostern kommenden Jahrs zu errichtenden öffentlichen Schule können noch zwei Lehrer placict werden, von denen der eine außer dem für eine Realschule erforderlichen wissenschaftlichen Unterricht auch den in der Religion und der hebräischen Sprache, der andere auch den im Schreiben, Rechnen und in neueren Sprachen zu ertheilen im Stande ist. Qualifrzirte Individuen, die hierauf reflekticen, werden ersucht sich baldigst, unter vortofteier Einsendung ihrer Zeugnisse, bei dem Unterzeichneten zu melden. Fürstenberg in Mecklenburg, November 1844. Der Vorstand der öffentlichen Schule der jüdischen Gemeinde zu Fürstenberg. Dr. Gütz.