Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 46 (11.11.1844)
- Date
- 1844-11-11
- Page
- Seite 659 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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659 rüttelt, und das Reich alarmirt und weiß Gott welch' hohe Phrasen von Regeneration, Volksthum, Reform, Umbildung :c. in Scbrist und Wort weiter nichts als stereotyp zu machen sucht?-Es sind treffliche Plaidoyers von den ersten Männern der Tafel auch jetzt zu Gunsten der Judensache geführt worden; in der That oft ausgezeichnet; ungarische Männer voll Herz, Gemüth und Geist haben sich in Reden ergossen, die auch bei der Landtagsjugcnd eines stärkern Eindruckes hätten gewärtig sein dürfen, als sie angetroffen haben; ein Redner hat selbst sich mißbilligend darüber geäußert, daß so wenig Sympathie für die gute Sache bei einer Klasse des Auditoriums vorherrschend ist, die am ersten für sie erglühen sollte. Und wirklich es muß diese Erscheinung in den Augen eines jeden Vernünftigen weniger niederschlagend für die Juden als für die Ungarn selbst sein. — Und Schmach auch über einen ungarischen Schriftsteller, der das heilige Wort „Emanzipation" auf einem Ungar. Nationaltheater zu parodiren sich herausnahm. — Wir Juden dieses Landes, wir werden den Boden auf dem wir geboren, dessen gesegnete Früchte wir genießen, und wo schon unsere Väter und Urväter menschlich geduldet und gelitten haben, fortan heiß und inbrünstig lieben, obgleich man nicht duldet, daß er der Heerd unserer Heimath heiße; für die Ungarn wird immer unser Herz in Liebe schlagen, weil sie unsere Landsleute sind, obgleich sie dieses Land nur für sich vindiziren und uns nicht emanzipirt haben; aber mit wehmüthigen Gefühlen rufen wir ihnen zu: Brüder! das ist nicht der Weg zum Ruhme! — So eben erhalte ich No. 37 der „Allg. Zeit, des Judenthums;" und was erblicke ich da! eine lange apologetische Diatribe von dem evangel. Prediger Herrn Dr. Szekücs in Sachen seines seit Jahren bewährten Freundes und Kooperateurs M. Bloch. Ich lese den Artikel zwei bis dreimal durch, und kann mir immer nicht erklären was der Herr Dr. mir diesem Schreiben hat bezwecken wollen; die eigentliche Sache hat er doch nicht um ein Haar weiter gebracht; aus dem ganz einfachen Grunde, weil besagter Herr „Apologete" nur sein selbsteignes Glaubensbekenntniß von der Unfehlbarkeit und dem hohen Werthe seines Schützlings niedergelegt aber immer nichts bewiesen hat. Es könnten manche Leute sagen: Wir belassen das weiche Gemüth des Lobred-! ners in seinen zarten Illusionen, aber irre lassen wir uns in unseren heiligsten Gefühlen nicht führen; und sagt der Herr Dr. Sz., Nein! so sagen wir mit fester Stimme fortan: Ja! und umgekehrt. — Ich denke, so wird's bleiben. — Wiederlegen? — Nein! — Das wäre ohnehin von Ueberfluß. Der ganze Aufsatz wiederlegt sich selbst. Man muß nur an das Konträre denken, und man hat die Wahrheit; man muß den Artikel als eine feine Ironie betrachten, und man hat, — den abstrusen Styl abgerechnet, ein wahres Meisterstück vor sich. — Versuch's Jeder, er wird's so finden. — Warum sollten wir uns in Details einlassen, wo sie ohnedies auch dem Beschränktesten nicht entgehen. Nur so viel müssen wir bemerken, man darf sich von dem Verfasser nicht abschrecken lassen; sagt derselbe: Weiß, muß man nicht feige glauben nur: Grün behaupten zu dürfen, nein, geradezu: Schwarz, dann hat man das Rechte. Das Ganze scheint nur wie eine feine Manipulation, um zu blenden. Wir Juden aber schauen in solchen Dingen durch Dunst und Nebel klar und durchdringlich. Glaubt der Herr Apologete des Herrn Dr. und Professors M. B. wirklich ganz und gar vergessen machen zu können, was Alles bei uns sich zugetragen hat? So abscheuliche Umtriebe, offenkundig in ihrer Schande, wären so leicht zu verwischen und zu verkleistern? — Oder erschienen ihm diese nie als was sie sind? das denken wir von Herrn l)r. Sz. nicht; ebensowenig als wir glauben mögen, daß er seinen seit Jahren bewährten Freund für so niedrigdenkend hielt mehr Werth auf chimärischen Mammon als auf ein ehrwürdiges Amt zu setzen. „Ich trete hier aus ein Gebiet wo Verdächtigung in Folge unseliger Verhältnisse schwer zu vermeiden ist" so drücken Sie sich selbst aus Herr Dr.! und Sie sprechen hier wie ein Buch; freilich erschrecken Sie vor Ihren eigenen Worten, denen Sie schnell durch eine folgende gar nicht hierher gehörige Phrase ein fremdes Mäntelchen umhängen wollen. — Es ist gewiß, man hat auf unfern Edelmuth gebaut, man hat darauf gerechnet, daß wir nicht ein Feld betreten werden, wo das Prinzip aufhört und man um Persönlichkeiten (und um welche!) sich zu tummeln beginnt. Und das war kein Jrrthum. — Wir stehen unserer Gesinnung und unserer Empfindung nach auf einem viel zu noblen Standpunkte, als daß wir uns mit einem förmlichen Sündenregister in der Hand in ei-