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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-11 · Heft 46 (11.11.1844) · p. Seite 658

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 46 (11.11.1844)
Date
1844-11-11
Page
Seite 658 (sequence 10)
Language
German
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658 men nach sich der böhmische Schriftsteller N. mit dem jüdischen Gelehrten Dr. Md. H. zur Herausgabe einer neuen böhmischen Bibelübersetzung verbunden haben soll. — So schreitet immer weiter der Geist der Vereinigung. Daß er hie und da immer mächtiger und bedeutender wird, ist sicher und gewiß, wohin er aber führen wird und welche neue Phase er für die slavischen Juden vorbereitet, wer kann dieß ermessen!? Mögen diese aber nur bedenken, daß Israel nicht erlöst, und die Juden noch nicht emanzipirt sind, wenn auch der oder jener Jsraelite, Hauptmann oder Professor, Polizeikommissär oder Obergrenzaufseher geworden. Darin eben besteht die nicht genug erkannte Größe der jüdischen Emanzipationsfrage, und darin einst die den Völkern Ehrfurcht gebietende vollständige Lösung des historischen Problems im Judenthume, daß der Jude seine Sache von der der Völker nicht trennen darf und kann, und daß das Judenthum so erhaben ist, daß es alles rein Menschliche und Göttliche zu welcher Zeit und an welchem Ort es auch sich offenbaret, in sich aufzunchmen im Stande ist und daß doch sein Kern und seine Bedeutung dieselben bleiben. Das muß auch der Trost sein jedes Juden, daß deshalb die Sympathien eines jeden unbefangenen Edlen auf seiner Seite sind und sein müssen und daß nur äußere Umstände und die materielle Gewalt ihn wie immer ausschließen oder gar knechten. — Darum Schmach und Spott dem Juden, der da mit noch mehr Loyalität prunken will, als der beste seiner Mitbürger. Pesilh, im Oktober. (Privakmitth.) Endlich haben wir's erlebt; die Judensache ist — durchgefallen. Zum ersten Male in Ungarn. Anfangs leicht und rasch mit Einhelligkeit angenommen, später schwerfällig und gezwungen durchgesetzt, und nun mit bedeutender Stimmenmehrheit verworfen. — Nun, das sind schöne Progressen. Die Journale geben sich alle Mühe den Schaden zu verbergen, und indem sie viel von verschiedenen Vergünstigungen sprechen, die (Niemand schaden und) man uns will angedeihen lassen, gehen sie nur so en jiassaut über die wunde Stelle hinweg und wünschten nur daß man nichts merke. Wozu kann aber dieses nützen? es wäre wirklich besser daß man sich verständigte. Unsere Publizisten dürsten wol einen ausführlichen leitenden Artikel dem Gegenstände widmen, und über eine so wenig erhebende Erscheinung in der ungarischen Kammer ein unparteiisches Licht zu werfen suchen. — Wahrlich, die Feinde des Ungarthums werden schneller bei der Hand sein, aus diesem Stoffe frisches Futter für ihren verhungerten Witz zu sammeln, und man kann versichert sein, so mancher gut genährte Verfaffer der kleinen Artikelchen in den deutschen Blättern hat schon seine Abschnitzel aus diesem Blocke gedrechselt; aber der lässige Ungar faulenzt und schweigt und läßt es in seiner augenblicklichen Indolenz bei Allem bewenden. Unsere Zeitungsschreiber erfassen nie den Gegenstand wenn er gerade in der Schwebe und im Schwange ist; es beansprucht dies eine Beweglichkeit, deren sie durchaus nicht fähig zu sein scheinen. Was kann aber die Entrüstung fruchten, die immer hinterdrein kömmt? — Aber nur sehr zeitgemäß wäre es, daß man sich einmal die Mühe nehme, gewissen Elementen bei uns auf die Spur zu kommen, die bedrohlicher und zunächst verderblicher auf unsere inneren und äußeren Verhältnisse einfließen, als der Panslavismus und sonstige Schreckbilder, die den Meisten unausgesetzt und ausschließlich vor Augen schweben. — Umringt von Feinden und scheelsichtigen Widersachern, was haben wir Andres, was uns in den Lenden stützt, und unsre ermattete Kraft die man von allen Seiten abzuzapfen sich bemüht immer auf's Frische belebt und neu erweckt, als eben diese jugendliche springkräftige Energie, die unvermischt mit den verknöcherten Vorurlheilen eines alternden Volkes,, unfern Blick auf die ewig grünende Bahn der Natur verweist? — Was vermöchte sonst die Zunge der Spötter zu lähmen, als eben solche Manifestazia, durch welche wir den Willen bezeugen, in unsrer — wie man schreit — rohen Manier, unberückt von künstlich und erkünstelt gewobenen Systemen in unseren Bezirken der Menschen gelten zu lassen, vor Allem bevor wir beginnen diplomatisch zu sein der Humanität die Ehre zu geben? — Dann wären wir originell und in dieser Originalität bestünde unser eigentliche nationale Sinn und Charakter. — Und freilich müßte man da die Juden emanzipiren. — Oder setzt man nur hier seinen Ruhm und seine Ehre drein so gut wie jedes deutsche Ländchen Eisenbahn und Dampfschifffahrt zu besitzen, und weiter nichts? — und das wäre der Stachel womit man das Volk klein und groß aus-

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