Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-11 · Heft 46 (11.11.1844) · p. Seite 653

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 46 (11.11.1844)
Date
1844-11-11
Page
Seite 653 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3225335-3225382--06443-3315260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

653 der Hof der Aldermen bestand, da es klar ist, daß ein solcher Eid kein Hinderniß mehr ist für die Zulassung der Schlechten und Gewissenlosen, wahrend er nur den gewissenhaften Mann ausschließt." In Bezug auf diese Frage sagt der 6lvbv: Die nächste Parlamentsseffion wird nicht vorüber gehen, ohne daß die Frage der Unfähigkeit der Juden zu solchen Aemtern auch ihre Lösung findet. Sir Robert Jnglis wird dagegen protestiren, aber der andere Sir Robert, dessen Meinung von mehr Gewicht ist, kann nicht anders als die Forderung der Juden berücksichtigen. Bleiben die Juden sich selber treu, so werden sie den Sieg leichtlich davon tragen. London, 25. Oktober. Gestern gab Herr Salomons seinen Wählern und Freunden ein Diner in der London-Tavern, woran dreihundert Gäste Thcil nahmen. — Der Globe und die whiggistischen Blätter greisen in harten Worten den Beschluß des Gemeinderaths an und hoffen, daß der höchste Gerichtshof die Frage zu Gunsten des Juden entscheiden werde. Bei der vorgestrigen Wahl zu Portsoken hat Herr Salomons eine Protestation eingereicht, des Sinns, daß er sich noch immer als Alderman betrachten müsse, bis die Gerichtshöfe sich über die Legalität seiner Wahl und Zulassung ausgesprochen hätten. —. Die vel). äußern sich folgendermaßen über die Weigerung der Aldermen der City von London, Herrn Salomons zuzulassen, der es als Jude ablehnte die vielerwähnte gesetzliche Erklärung abzugeben: „Solche Anomalien bilden in unsrer Zeit einen Flecken für die Gesetzgebung eines freien Landes. Es ist der Ruhm Frankreichs, aus seinen Institutionen seit langer Zeit her alle diese Spuren von Intoleranz und Unterdrückung vertilgt zu haben. Unsere politischen Körperschaften, unsre Zivilämter, stehen jeder Religion, jedem Stande offen. Frankreich mag sich leicht trösten, daß es nicht wie England größere Freiheiten, welche bis zu Ausschweifungen gehen, besitzt, wenn es bedenkt, daß es im Besitz der geheiligtesten aller Freiheiten ist, der des Gewissens." Auf ähnliche Weise sprechen sich auch andere französische Blätter aus. Was aber Alle übersehen, ist der Umstand: daß wir hier abermals sehen, wie beschränkende Judengesetze nicht bloß die | Juden, sondern auch die Christen beschränken, jene hier, nicht gewählt zu werden, wenn auch ihre Mitbürger sie für geschickt erachten, sie zu vertreten, diese, die Christen, den zu wählen, in welchem sie ihre Interessen am angemessensten vertreten sehen. Bei den vielen Dienstleistungen, welche Salomons bereits geleistet hat, ist dies von keinem unbedeutenden Belang. (Siehe Pkivatmitth. aus London in vor. Nr.) Amerika. Jamaika, Montego Bay, 2. September. (V. of Jac.) Auch hier hat sich jetzt eine Gemeinde gebildet, indem die Individuen des portugiesischen und deutschen Minhags sich vereinigt haben. Sie hat den Namen „Vereinigte Brüder des jüdischen Glaubens" angenommen, und will sich hinsichtlich des Minhags nach dem Geistlichen richten, den sie erwerben wird. Deshalb ist eine Kommission erwählt worden, welche ein Gebäude zum Gottesdienste und einen Geistlichen anschaffen soll, und bereits sind hierzu 400 L. St. jährlicher Beiträge gezeichnet. — Die hohe Stellung, welche die Juden hier und in den benachbarten Bezirken einnehmen, wird schon dadurch bezeichnet, daß im Bezirke St. James eine Magistratsperson unsres Glaubens, nämlich Barnctt Isaaks, Esqu., einige Vorsteher und Offiziere sind; im nächsten Bezirk von Trelawny sind zwei jüdische Magistratspersonen, nämlich Saml. Magnus und P. Abraham, Esqu.; so daß es keinen Bezirk der Insel giebt, wo sich die Juden nicht schon als würdige Bürger erwiesen haben. Letzten Montag fand sich bei Herrn Georg L. Philipps, Esqu. eine Deputation sehr achtbarer Einwohner ein, um ihn zu bestimmen, sich um die Deputirtenstelle im Kolonial-Parliamente zu bewerben, und die Wahl desselben ist nicht zweifelhaft. Algier. In den Zeitungen macht jetzt folgende Fabel die Runde: Die Juden standen in Algerien bisher unter einem Mitglied ihrer Nation, den man Judenkönig nannte und der unter Anderm das Recht hatte, bei einem jüdischen Feste die Vorlesung gewisser Gebete an den Meistbietenden zu versteigern

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.