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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-11 · Heft 46 (11.11.1844) · p. Seite 652

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 46 (11.11.1844)
Date
1844-11-11
Page
Seite 652 (sequence 4)
Language
German
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652 Journal kund thut. In diesem Geiste fasse ich denn Ihre Hand, und wollen wir immerfort es uns angelegen sein lassen, uns gegenseitig Ln unsren gemeinsamen Bestrebungen zu unterstützen! Dennoch gestatten Sie mir, aus Ihrem Sendschreiben noch Zwiefaches heranzuziehen. Sie berufen sich gewissermaßen auf meine Kritik der ersten Rabbinerversammlung (No. 28). Gleiches hat bereits der Redakteur der Yoice of Jacob gethan. Würde, mein Herr, eine gründliche Kritik dieser Versammlung vorgenommen, die den Gegenstand nach allen Seiten hin beleuchtet, würde dann das Resultat mit meinen Ansichten, meinen Wünschen ff. übereinstimmen, so könnte mich dies nur erfreuen, es wäre mir ein Wink mehr, daß ich nicht irre gegangen. Wenn aber um eine kurze, wegwerfende Bemerkung, ein kurzes absprechendes Urtheil zu begründen, auf meine Kritik hingewiesen wird — dann, ich sage es offen, schmerzt es mich tief: denn es bringt, außer dem allgemeinen Nachtheil, auch mich in die schiefeste Stellung. Ich habe dahin gestrebt, Ln Betreff dieser Versammlung, sorgfältig zu unterscheiden zwischen der Eigenschaft als Mitglied dieser Versammlung und der als Referent und Kritiker. Als Mitglied dieser Versammlung erkläre ich: daß ich das Gefühl der Hochachtung, das Gefühl der Liebe, das Gefühl der Befriedigung für das ganze Institut mit davon getragen habe; denn ich sah hier vereinigt große Talente, Wissen, gestnnungsvolle Ueberzeugung und Eifer für Religion und Humanität. Wieder anders mußte mein Urtheil sich bilden als Referent und Kritiker: hier konnte die vorherrschende Einseitigkeit der Richtung mir nicht entgehen, und ganz vom objektiven Standpunkte heraus konnte ich mit den Resultaten eben deshalb nicht einverstanden sein. Ich mußte dies aussprechen, so schwer es mir an und für sich ward, denn ich sah voraus, daß man es vielfach als Waffe gegen das Institut gebrauchen würde. Aber eben darum müssen Sie einsehen, wie weh es mir thut, wenn nicht gründliche, objektive Kritik, sondern nur kurzwege Aussprache sich damit waffnet. Mein Resultat ist nur: Erhaltung und Erweiterung des Rabbinerversammlungsi n st i t u t s. Das letzte Wort gelte einem Ausdrucke in Ihrem Schreiben, den ich nicht ganz zu unterdrücken vermag. Sie sagen: „Ich glaube, daß, wenn man Israelit ist und Ihr Land bewohnt sich sage nicht Ihr Vaterland,) man mcht so viel Patriotismus zeigen, und einen israelitischen Franzosen angreifen muß ohne Veranlassung." Abgesehen, daß ich nicht im Geringsten den Franzosen, sondern gerade allein den Israeliten im Auge hatte, sage ich: Sie irren sich, Sie irren sehr, ich protestire! Ich bewohne kein Land, ich bewohne ein Vaterland, ich habe eines, ich habe ein herrliches, deutsches Vaterland! Meinen Sie, daß der Unterdrückte kein Vaterland hat, weil er unterdrückt ist'? Das ist mein Stolz, daß ich ein Vaterland habe, trotz dem man mir es absprechen will! Ich, der Jude, vertheidige meinen Glauben gegen die Schmähenden, ich, der Deutsche, vertheidige mein Vaterland gegen die es mir verweigern wollen! Wie? haben die Franzosen vor 1789 kein Vaterland gehabt? haben die Irländer noch heute kein Vaterland? Rur der aus Afrika geschleppte Neger hat kein Vaterland! Und wissen Sie nicht, daß einem das am tbeuersten ist, was man mit den schwersten Kämpfen erficht? Wir deutschen Juden haben ein theures Vaterland, an das wir uns festgesogen haben mit allen Saugadern unsres Geistes. Ob zurückgesetzt oder nicht, ob benachtheiligt oder nicht, ob bedrückt oder nicht — der tapfere Streiter laßt seinen Schild auch im Tode nicht — und das ist sein — Sieg! Mein wackrer Kollege, ich bezeuge Ihnen meine Hochachtung. vr. Ludwig Philippfon, Rabbiner. Zeitungsnachrichten. Großbritannien. London, 20. Oktober. Der Ersheriff von London, D. Salomons, dessen Wahl wegen seiner Weigerung, den Lesteid zu schwören, vom Hof der Aldermen annullirt worden, hat so eben ein Schreiben an die Wähler von Portsoken erlassen, worin es unter Anderm heißt: „Hatte ich mich dazu verstanden, einen Schleichweg einzuschlagen, den man mir andeutete, und hatte ich durch gemeine und unwürdige Schliche mich zu dem bekannt, was mein Gewissen verwarf (nämlich indem er sich als Separatist erklärt und demgemäß eine Erklärung unterzeichnet hätte) so würde ich jetzt Euer Alderman sein. — Eine Lehre wird daher aus meiner Niederlage hervorgehen. Sie mag beweisen die Thorheit und Verwerflichkeit eines Eides, wie jener ist, auf welchem

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