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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-11 · Heft 46 (11.11.1844) · p. Seite 651

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 46 (11.11.1844)
Date
1844-11-11
Page
Seite 651 (sequence 3)
Language
German
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651 wies, der die feindselige, bald gehässige, bald verächtliche Stimmung zwischen Franzosen und Deutschen auch auf das Gebiet des Judenthums übertragen wollte. Es ergriff uns, wir sagen es offen, dies sehr tief, es erschien uns als ein großes Unglück, von großer Gefahr für das Judenthum. Sie kennen ja das Gleichniß von dem Bündel Pfeile. Sie wissen, welche viele Uebelstände aus der Spaltung der portugiesischen und deutschen Juden hervorgegangen sind. Israel hat viel gelitten unter solchem Zwiespalt: Juda und Ephrajim, Pharisäer und Sadducäer, Rabbaniten und Karäer, Talmudisten und Chassidim ff. Wir konnten es nicht ganz ohne Warnung hingehen lassen. Was sollen solche Reibungen? Wohin führen sie? Uns zu schwächen, unsre Kräfte zu zersplittern, uns lächerlich und verächtlich zu machen in unsren und Andrer Augen. Am wenigsten aber geziemen sie den französischen Juden den deutschen gegenüber, jenen, die die bürgerliche Freiheit als ein Geschenk der Vorsehung erhalten haben, uns gegenüber, die um jedes Stück Recht kämpfen müssen im Schweiße des Angesichts; jenen, die die bürgerliche Freiheit zwar als Bürger ehrenvoll bewährt haben, aber als Juden nicht im geringsten, da sie bis jetzt als bürgerlich freie Juden fast nichts produzirt haben, und erst seit Kurzem beginnen als solche ein Interesse zu zeigen, uns deutschen Juden gegenüber, die alle Phasen des Judenthums mit so vielem Ernste, mit so vieler Ausdauer durcharbeiten. Sie kennen wahrscheinlich die kleinliche Eifersüchtelei, welche Herr Cahen, Redakteur der Aich. isr. de Fr. seit lange gegen uns persönlich zeigt, und in der er uns die Originalkorrespondenzen, die wir von Zeit zu Zeit aus Frankreich erhalten, mißgönnt. Jndeß kann.dies, rein Persönliches kein Gewicht haben. Nun kam uns das Augustheft der Arch. isr. vor, worin, außer einem neuen ähnlichen unnützen Hieb Ln die Luft, ein Artikel „ein Wort an Herrn Geiger" sieht, der strotzt voll Feindseligkeit, nicht gegen Geiger, sondern gegen die deutschen Juden. Und warum? Weil Geiger in einem belobenden Satze über die Aich, nicht die Arbeiten Ben-Levi's, Gerson Levy's ff. sondern nur Munk'S und DerenburgS erwähnt, und über Franck's Kabbala gegnerisch sich geäußert hatte. (Als wenn die deutsche Unparteilichkeit nicht Ln dem ausführlichen Referat über dieses Werk in dieser Zeitung sich gezeigt hatte.) Da heißF eS: „Die Artikel der (genannten französischen) Herren haben wirklich das Unrecht, nicht plump (iourds) zu sein, eine wesentliche Eigenschaft der deutschen Art." „Alles Wissen und alle Kritik haben sich nicht auf die andre Seite des Rheins geflüchtet." „Wir würden selbst keine Mühe haben zu zeigen, daß in Deutschland die lächerlichsten Chimären zu oft die Stelle der Wahrheit und des Menschenverstandes (du hon sens) einnehmen." „Für uns Franzosen, beraubt der übernatürlichen Einsichten der Kritik jenseits des Rheins, ist jeder von Beweisen entblößte Ausspruch ohne Werth," und der ganze folgende Satz. Man erinnere sich der Aufnahme, welche die Arbeiten Salvador's, Anspach's, Franck's in Deutschland erhalten haben, man erinnere sich, wie in Deutschland die Verdienste Crcmieur' gefeiert worden sind, um das ganze Elend, die ganze Erbärmlichkeit, die ganze Feindseligkeit dieser Phrasen gegen die deutschen Juden zu fühlen, und sich zu der Frage veranlaßt zu sehen, wo haben deutsche Juden Aehnliches schon gegen die französischen gesagt? In demselben Hefte finden Sie einen unrichtigen, halben Bericht über die Verhandlungen in Braunschweig, und anstatt eines genauen, vollständigen Berichts, eines sorgfältigen Referats und einer gründlichen Kritik, die Uebersetzung eines höhnischen Artikels aus dem Frankfurter Journal mit einem erbärmlichen Witze (S. 514). Nach Durchlesung alles dessen nahm ich auch Ihr Juliheft zur Hand, und fand da denselben halben Bericht, welcher z. B. die sämmtlichen wesentlichen liturgischen Fragen, die dort zur Sprache kamen, übergeht, und der Versammlung vorwirft, „nichts gethan zu haben" (eine erste, so wenig unterstützte Versammlung!) Unter diesen Eindrücken, mein Herr, schrieb ich die Worte, die Ihnen unangenehm aufsielen , die Sie in Ihrem Sendschreiben von sich zurückweisen, und die ich deshalb oben zitirte. Mit Ausnahme dessen, daß auch Sie sich dabei beruhigt haben, das oben zitirte halbe Referat über die erste Rabbinerversammlung zu geben, das Mangelhafte nicht nachzuholen, ein getreues, wenn auch kritisches Bild der Versammlung Ihren Lesern zu zeichnek, sondern sich mit einigen wegwerfenden Worten zu begnügen, außer diesem habe ich allerdings Ihnen Nichts vorzuwerfen, und thut es mir leid, Sie mit den Archives des Herrn Cahen generalisirt zu haben. Ich freue mich, daß ich Sie und Ihr Journal hiermit von jenem allgemeinen Unheil mit Recht und Fug ausschließen kann. Uebrigens bin ich im Besitz erst von vier Heften (Juni —September) Ihrer Monatsschrift, habe aber schon mehre Male Gelegenheit gehabt, die Gesinnungsfestigkeit lobend zu erwähnen, die sich in Ihrem

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