Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 45 (4.11.1844)
- Date
- 1844-11-04
- Page
- Seite 646 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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646 nähme an der Entwickelung und Förderung derselben, das Vergnügen, sich einmal Ln einem großen Kreise von Kommilitonen zu sehen, soll Geiger, Stern und Steinschneider nach Dresden Ln die Philologenversammlung gebracht haben, sondern — doch immer die Sucht sich geltend zu machen, die sonst keine Gelegenheit der Befriedigung hat! Ist diese Vertheidigung nicht eine Anklage? Da sieht man denn, was man davon hat, sich Ln den Schooß derartiger Versammlungen zu begeben — wenn man nicht die Thoren verlacht, und der Zeit die Ausgleichung auch dieser Unduldsamkeit überlaßt. Leipzig, im Oktober. sBibelexegese.j So eben ist ausgegeben worden die 18te .Lieferung des Bandes H. des Philippsorr'schen Bibelwerkes. Dieselbe enthält den Schluß der Könige und den Anfang des Ieschajah. Somit sind ganz vollendet: die fünf Bücher Moscheh, Joschua, die Richter, zwei Bücher Schemuel und zwei Bücher Könige. Am Ieschajah wird weiter gedruckt. Im Kommentar zu diesem Propheten wird die neue, der bisherigen Kritik entgegengesetzte Auffassung des Ganzen auffallen. Wkcrgdebuvg, 18. Oktober. sHebräische Zeitschrift. ] Der durch seinen Elijah hatisbi und andere hebräische Poesieen rühmlich bekannte M. E. Stern in Wien sucht der neuhebräischen Sprache, die jetzt so sehr vernachtäffigt wird, zur Hülfe zu kommen durch Herausgabe von Heften: eine Sammlung hebräischer Aussätze von ihm und anderen Gelehrten. Er scheidet bei seinem Zwecke alle literarhistorischen Untersuchungen aus, und Nimmt nur poetische und exegetische Arbeiten auf. Das vorliegende Heft enthält solche, unter denen mehre ganz treffliche Gedichte sind, z. B. gleich das Einleitungsgedicht des Herausgebers “Tnarra btf. In schöner Prosa ist der Aussatz Reggio's über die Ehe. Hingegen sind die exegetischen Versuche, die milgetheilt werden, meist ohne bedeutenden Werth, und glauben wir nicht, daß solche herausgeriffene Stücke vielen Anklang finden. Ein wunderschönes Lied vom Gabirol wird mitgetheilt ‘-nia ■pr; nrc« mit der Überschrift: mtes .tr: tT‘2 Pd Zu beachten ist auch eine Anzahl alter Grabschristen vom altern Gottesacker in Wien. Der Herausgeber fordert die Rabbinen und Vorsteher der Gemeinden auf, auf den resp. Gottesäckern die älteren, dem Verwittern nahen Grabschriften abschreiben zu lassen, um so der Gemeinde die Grundlagen ihrer Geschichte zu erhalten, was namentlich bei alten Gemeinden auch für die allgemeine Geschichte der Israeliten von Wichtigkeit ist. — Wir wünschen dem Unternehmen den besten Fortgang. Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung.) Das moldauische Volk stehet mit den Juden in immerwahrendem Verkehr. Der, durch seine enorme Verschwendung immer geldbedürftige Bojar macht auch gar nicht selten dem reichen jüdischen Bankier den Hof; daher auch einige reiche Juden in der Moldau einflußreich sind. Bei all dem herrscht jedoch noch eine große Portion von Haß und Aberglauben, die sowol Pöbel als Geistliche und selbst auch Bojaren theiten, und der oft, unter begünstigenden Umständen, für Ehre und Menschenleben der dortigen armen Juden gefährlich werden kann *). *). Wir wollen hier einen Fall anführen, der in seiner Art außerordentlich, und wegen der schrecklichen Folgen, die er hätte herbeiführen können, in allen jenen Gegenden bekannt, und daher auch leicht zu beweisen ist. Einige bornirte Chassidim in einem kleinen Städtchen unweit Jassy kamen am Simchath-Tora, nachdem ihre Köpfe vom Weine glüheten und sie ihrer Tanze und sonstigen unschuldigen Betisen müde waren, auf den unsinnigen Einfall, ein moldauisch-christliches Leichenbegängniß zu parodiren. Einer der Chassidim machte, durch den Ueberwurft eines großen Schnupftuches den Geistlichen, ein anderer sigurirte als diese oder jene Person und der schlechte Spaß ging so eine kurze Zeit vor sich. Unglücklicherweise bemerkten es aber einige moldauische Bauern in der Ferne, sie zeigten es gleich dem Ortsgeistlichen an, der unverzüglich an die höchste geistliche Behörde einen, Feuer und Verheerung speienden Bericht abstattete und über diese Gotteslästerung und diesen unerhörten Frevel Zeter schrie. Das Vergehen wurde natürlich durch Hunderte von falschen und gedungenen Zeu-