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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-04 · Heft 45 (4.11.1844) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 45 (4.11.1844)
Date
1844-11-04
Page
Seite 645 (sequence 9)
Language
German
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645 Grund höchst lächerlich, da die schottischen Missionäre doch aus keiner andern Ursache ihre Schulen eröffnen, als — um die Judenkinder zu bekehren. Literarische Nachrichten. Dresden, im Oktober. (Privatmitth.) Bei der diesmaligen Versammlung der deutschen Philologen, bei der die Orientalisten eine besondere Abtheilung bildeten, waren der Oberrabb. Frankel, der Rabb. Geiger, Dr. Stern aus Berlin und Kandidat Steinschneider zugegen. Geiger hielt einen Vortrag über den Charakter der hebräischen Sprache, wie er in den Lireraturwerken nach dem Abschlüsse der biblischen Schriften hervortrat, und wie diese zum Verstandniß vieler Stellen der heiligen Schrift unentbehrlich sind. Frankel sprach über das Alter der Septuaginta; Stern über das Bild und den Laut des chinesischen Zahlworts; Steinschneider über die fremden Elemente im Talmud und die Aufnahme fremder Sprach- und Sittenelemente von Seiten der Juden. — Der Israelit hat in Betreff seiner Theilnahme an der Entwickelung der allgemeinen Wissenschaft zwei Vorwürfe zu befürchten. Hält er sich in Zurückgezogenheit, in bescheidner Zurückhaltung, so wird ihm Jsolirung, Ausschließung vorgeworfen. Bezeugt er öffentlich seine Theilnahme, tritt hinaus in den allgemeinen Kreis und bethätigt seine Mitwirkung, so schreit man über seine Zudringlichkeit. So hat er jedenfalls ein hämisches Aufpassen zu gewärtigen. — Es war uns daher nicht unerwartet, aber es machte doch einen besondern Eindruck, als ein Korrespondent der Augsburger Allg. Zeit, besondere Bemerkungen über die Theilnahme jüdischer Gelehrten an dieser Versammlung für nöthig hielt. Er sagt (No. 293): „Bei dem Orientalistenvereine hat sich auch, wie man erwarten konnte, eine Anzahl gelehrter Juden eingefunden, welche, wie es der wahre Geist unsrer Zeit erheischt, als vollkommen ebenbürtige Genossen ausgenommen und behandelt wurden*). Man schien es außerhalb des Vereines **) hie und da für auffallend *) Diese Bemerkung macht unsrer Zeit eben keine Ehre, denn sie müßte längst nicht mehr einmal gemacht werden dürfen! *°) Welche Beschönigung! und selbst ungeeignet zu halten*), daß von dieser Seite her solch ein Zudrang stattfand, und die meisten Vorträge angekündigt wurden **). Wir haben es naturgemäß und ganz in der Ordnung gefunden. Die Werke der jüdischen Gelehrten werden höchst selten in unseren Literatuczeitungen angezeigt und beurtheilt; der Jude wird in unserm Vaterlande — nur ein einziges Beispiel steht als rühmliche Ausnahme da — nicht zum Mitgliede gelehrter Gesellschaften und Akademieen ernannt; der Jude wird nicht als Lehrer an Gymnasien und Universitäten angestellt; der Jude, welcher wie der Christ seine Steuer zahlt, da und dort selbst noch mehr, der Jude, welcher, wie der Christ, das Vaterland mit Gut und Blut vertheidigt, ist nicht bloß von allen Staatsamtern ausgeschlossen, sondern er muß sogar noch froh sein, wenn man ihm die bürgerlichen Wohlthaten und Rechte nicht beschränkt, mit welchen die jüngst vergangnen menschlichen Zeiten ihn beglückten. Deshalb sucht der Jude jede Gelegenheit, deshalb muß der Jude jede Gelegenheit suchen, wo er hervortreten und sich Geltung erobern könne. Daß dies Bestreben hie und da wie vorlaut und Unbescheidenheit erscheint, ist nicht seine, ist eure Schuld. Warum hemmt ihr so lang den natürlichen Lauf des Stromes, zurückgehalten bis das Wasser sich hoch über die Schleusen emporthürmt und rechts und "links die lieblichen Fluren überschwemmt? ***) Die Glücklichen, welche sich aller Ehren,und Besoldungen, aller Stipendien, Pfründen und Pensionen erfreuen, spotten in Wahrheit ihrer selbst, wenn sie über das Vordrängen der Juden,' über ihre Ruhm- und Habsucht Klage führen." Wir finden in Wahrheit diese Vertheidigung sehr unpassend, ja im Grunde hämisch! Die Theilnahme dreier oder vier Juden an einer Versammlung von einigen hundert Philologen, drei oder vier Vorträge von Juden vertheidigen wollen, und gar damit vertheidigen wollen, weil sie sonst keine Gelegenheit haben, sich Geltung zu erobern (!) — erscheint uns sehr ungeschickt. Also nicht die Lust der Wissenschaft, die Theil- •) Da habt Ihr den Pferdefuß! **) Es ist ja bekannt, wie ungern man von einem Juden was Gutes hört! ***) Welche lächerliche, unpassende Häufung der Worte! 45»

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