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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-11-04 · Heft 45 (4.11.1844) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 45 (4.11.1844)
Date
1844-11-04
Page
Seite 647 (sequence 11)
Language
German
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647 Daß der Moldauer eine Mordthat, an einem Juden verübt, für weniger oder beinah gar nicht' sündenhast halt, beweisen von jeher die grausamen Mordthaten, begangen an jüdischen Wirthshauspachtern (Rindarier) auf dem Felde, an jüdischen geldbeladenen Wechslern (Chalfunim) auf den Vorstädten der Hauptstadt, selbst in Bojarenhöfen (wohin man sie bescheidet, vorgeblich ein großes Geldwechselgeschäft abzumachen, von wo sie aber nie wieder kommen) und an armen, hilflosen Wittwen ermordet des Nachts mitten in einer frequen- Lirten Gasse (wie vor wenigen Jahren erst ein schauderhafter Fall der Art sich zutrug). Ja früher glaubte ein Straßenräuber (deren Banden ehemals die moldauischen Straßen erfüllten, jetzt zwar durch die gegenwärtige Regierung bei weitem seltener geworden, dennoch aber nicht ganz ausgerottet sind,) daß er einen Judenmord vor dem Gerichte gar nicht zu verantworten braucht, und es ist ein Verdienst des jetzigen dort regierenden toleranten Fürsten, der überhaupt den trauririgen Zustand der dortigen Juden aus allen Kräften zu verbessern strebt*), durch geeignete Mittel diesen schrecklichen Wahn, die Frucht eines frühem schaudervollen gen noch hundertmal vergrößert, dabei die Mcht-Zurechnungsfahigkeit jener betrunkenen frevelhaften Komiker verheimlicht; kurz und gut, man brachte es dazu, daß die höchste Instanz folgendes fürchterliche, in unseren Zeiten kaum glaubliche Dekret erließ. Die schuldigen Akteurs sollen nämlich zuerst als Mordbrenner in allen Straßenecken der Hauptstadt öffentlich gezüchtiget und nachher — gehängt werden. Ihre Weiber und Kinder sollen ebenfalls eine öffentliche Züchtigung erdulden; ihr Gut und Vermögen soll für den Staat konfiszirt, ihre Hauser eingeaschert, und nie mehr auf diesen Stellen wieder je ein Haus erbaut werden! — Was kostete es nicht der gesummten Judenschaft der Moldau, um diesen tödtlichen Schlag von sich abzuwehren! (denn die unheilsschwangern Folgen eines solchen öffentlichen Verfahren gegen- Juden von der Regierung herab, bei der dortigen Geistesbildung und Gemüthsstimmung des christlichen Pöbelhaufens — für sämmtliche Juden der Moldau, läßt sich leicht einsehen). Durch unendliche Mühen, höchst einflußreiche kostbare Verwendungen gelang es dieses fürchterliche Dekret um ein Bedeutendes zu mildern und wenigstens die schweren allgemeinen Folgen desselben abzuwenden. —- Korresp. *) Interessant ist es, daß der Fürst vorzüglich von jüdischen Handwerkern sich bedienen läßt. Sein Hofschuhmacher ist ein polnischer Jude in seiner perfekten polnisch-jüdischen Tracht u. dgl. Korresp. ' Barbarismus, jenem mordsüchtkgen Pöbelhaufen genommen zu haben. — Ich bereisete fast die ganze Moldau, meinen Weg nach der Watlachei und dem Osten immer fortsetzend, und will daher noch zum Schlüsse die Act und Weise des Reisens in der Moldau und besonders dem Gemüthszustand, den man dabei empfindet, vor die Augen führen. — Das Land bietet eine stete Abwechselung von Berg und Thal dar. Der Boden ist von Matur fruchtbar, gesegnet, aber durch die Faulheit seiner Bewohner größtentheils unbebauet und verödet. Es war mir wirklich weh um's Herz, ich, der ich gewohnt war auf meinen Reisen in Deutschland blühende Gefilde mit ihren Goldsaaten immer um mich zu sehen, nun hier zum ersten Mal große, unabsehbare Felder, ja den ganzen Horizont und die ganze Welt um mich her öde und verlassen zu finden. Die einzigen sichtbaren Wesen, die diese Einöde belebten, waren unzählige Störche mit ihren langen unheimlichen Schnäbeln, die sich auf jenen weiten Feldern herumkrieben. Selbst Viehheerden wurden sehr selten'bemerkt, wenn aber, so war es jenes majestätische Hornvieh, womit die gütige Natur selbst jene Länder unverdienterweise beschenkt hat. Ordentliche Chausseen giebt es in der Moldau größtentheils nicht (an einigen Punkten jedoch hat man feit kurzem angefangen breite, gebahnte Wege anzulegen). Bei gutem. Wetter ist der Weg noch erträglich, bei schlechtem Wetter hingegen ist der Boden wirklich grundlos. — (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Ln demselben werden Annoncen aller Art gegen lV»Ngr. (IgGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Anzeige. Daß ich an der Uebersetzung des bei Mo nasch u. Sohn in Krotoschin erscheinenden nix'on rnirn vom dritten Bogen des fünften Heftes ab keinen Theil mehr habe, zeige ich dem geehrten Publikum hiermit an. R I. Fürstenthal.

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