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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-28 · Heft 44 (28.10.1844) · p. Seite 633

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 44 (28.10.1844)
Date
1844-10-28
Page
Seite 633 (sequence 13)
Language
German
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633 Wohlstand und gutes Leben betrifft, -sichet er den Polen höhnisch über die Achsel an, da er wirklich meistens wohlhabender, solider und besonders eine sorgenfreiere und materiell-genußreichere Lebensweise führt; was aber geistige Bildung iäem talmudische Gelehrsamkeit betrifft, so fühlt der Moldauer, daß der Pole (und Galizier) über ihm steht; ebenso ist der Pole gegenüber dem Moldauer ein Mejüches, denn jener hat gewöhnlich mehr oder weniger Rabbunim in seiner Familie aufzuweisen, der Moldauer hingegen hat keinen Jüchus, höchstens kann er ein Behakudesch?) sein, insofern sein Vater vor ein paar Jahrzehnt als Pächter (Rendar) in einem Feldwirthshause von Räubern überfallen und mit seiner ganzen Familie, wie es noch jetzt in der Moldau gar nicht selten ist, grausam ermordet würde. — Die Ehebündniffe (Schidüchim), die zwischen galizier und Moldauer Juden geschlossen werden, tragen auch an sich deutlich den Charakter dieses Verhältnisses. Der Moldauer kauft sich (für schweres Geld) in Jüchus ein, und der Galizier verkauft ihn. Diejenigen Moldauer Familien also, die entweder mit Galizien in eine Verschwägerung zu treten beabsichtigen, oder die sich überhaupt adeln wollen, nehmen die polnisch-jüdische Tracht an, wahrend wieder andererseits manche auf ihre moldauische Herkunft und ihre weiten Hosen stolzen Frontaschis dieses mit schielen Blicken anschen. Doch wie traurig! anstatt jenen günstigen Moment der allgemeinen Trachtumwechselung zu benutzen, um mit Allem vorwärts zu schreiten und mit Allen um sich her gemeinschaftlich sich zu europaisiren, beging man noch den verderblichen Rückschritt, eine Landestracht (wie doch die walachisch-jüdische war) ab- und dafür jene markirte Separattracht (ich meine die polnisch-jüdische) anzulegen! — Wie es mit der Bildung der Juden in der Moldau aussi'ehet, wird man sich leicht denken können. Ich meinerseits kann versichern, daß ich in der Residenz Jassy, die doch gewiß über 25,000 Seelen jüdischer Nation beherbergt, nicht einmal jene Spuren einer keimenden Bildung gefunden, wie ich, oft zu meinem Vergnügen, *) Derjenige, dessen Vater durch Rauberhand ermordet wurde, führt den, Beinamen Behakudoisch (Ben-Hokudoisch, Sohn des Heiligen), der ihn auch beim Aufruf zur Tora, bei eigenhändigen Unterschriften u. d. gl. immer zur Seite steht Korresp. so oft kn gar kleinen Städtchen in Galizien beobachtet habe. In der ganzen Moldau fand ich kein Exemplar, weder dieser noch irgend einer andern israelitischen Zeitung; Beweises genug, wie sehr man sich dort um höheres jüdisches Interesse bekümmert,' oder es auch nur dem Namen nach kennt. Dafür kennt man aber dort den Chassidismus um so besser. Denn die meisten Juden der Moldau gehören dem Chassidismus an, aber auch da nur dem chasft'dischen Nachtrab, nicht seiner eigentlichen Kernlegion. Denn von den wenigen wirklich erhabenen Ideen, die sich im Chassidismus aufbewahrt finden (S. hierüber den oben zitirten Artikel der Chassidismus in Polen rc. in dies. Ztg.), haben diese keinen Begriff. Nur die roheste Vorstellung einer rebbischen Allmacht und der damit verbundenen Schrecken vor seinem Zorne einerseits, so wie andrerseits das Bestreben, ihn durch Geschenke zu versehnen, um sich von ihm Leben, Gesundheit uud gute Nahrung zu erflehen; diese prosaischen Ideen sind's, die dort — in der Moldau — den chassidischen Troß beseelen. Besonders sind es die moldauischen Weiber, die jährlich nach Galizien zu diesem oder jenem Rebbi mit schwerem Beutet dahineilen, um mit leichtem Herzen zurückzukommen. Ja, auch das allein kann schon als hinreichender Beweis für jene chassidische Geistlosigkeit gelten, daß, obschon im ganzen Lande Chassi'dim sind, und obschon sie da ihr Wesen oder Unwesen freier treiben können, als in Galizien unter der österreichischen Regierung, man dennoch in der Moldau keinen einzigen Zadik aufweisen kann, der in chassidischen Sphären auch nur die mindeste Beachtung fände. Es bestätiget sich demnach auch hier der alte psychologische Lehrsatz, daß selbst die irrthümlichsten Ideen einer positiven psychischen Basis und einer gewissen geistigen Höhe und gemüthlichen Tiefe bedürfen, um als (wenn auch nur für gewisse Kreise geltende) Prinzipien im Reiche der Menschheit sich kund zu geben. — In Jassy giebts eine eigene Klasse jüdischer Einwohner, die man sonst schwerlich finden dürste; ihr Name ist Burlakis. Es sind meistens jüdische Burschen, Eindringlinge aus dem nahen Rußland, die mit leeren Händen nach Jassy ziehen, um sich da — ohne selbst zu wissen wie- — ihr täglich Brod zu verdienen. Ihr Quartier ist der jassier Schülhof, d. h. ein ganz eigenes Revier, worin sich die dortige Synagoge, das Bad, die Wohnung des Rabbiners, und noch mehrere andere Gemeindegebäude nebst mehreren Burlakenherbergen (Chan's) vorfinden. Der Anblick des jassyer Schulhofs

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