Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1844)
- Date
- 1844-10-28
- Page
- Seite 630 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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630 Literarische Nachrichten. Magdeburg, 3. Oktober. sBeschneidung.) Die Beschneidung. Historisch und medizinisch beleuchtet von vr. M. G. Salomo» (Sohn des Tempelpredigcrs in Hamburg). Braunschweig, 1844. Die Schriften über die Beschneidung häufen sich jetzt auf eine ungemeine Weise, ohne daß die Sache dadurch bis jetzt einen Schritt weiter gekommen ist. (So eben erhalten wir abermals eine von einem vr. Friedrich). Erklärlich ist dies, weil die Beschneidung ein Spezialgegenstand ist, der leicht zu übersehen ist. Dennoch fehlt eS den Schriftstellern selbst immer noch an gehöriger, eigener Erfahrung, weil sie selbst selten Beschneider sind. Desto weitläufiger fallen die historischen Untersuchungen aus, deren Werth für die Praxis noch dahingestellt sein muß. Denn was sollen die Weitläufigkeiten über die Mädchenbeschneidung in Afrika und die sogenannte 'Hottentottenschürze? Die praktischen Blicke sind dagegen noch sehr unsicher. Die vorliegende Schrift ist sehr fleißig gearbeitet, und enthält manche originelle, den bisherigen widersprechende Ansichten. Das erste Kapitel handelt von der Beschneidung, deren Ursprung und Auffassung bei verschiedenen Völkerschaften. Die Fragen über den Ursprung und den Zweck der Beschneidung bleiben auch hier unentschieden; die verschiedene Auffassungsweise ist bei Bergson sorgfältiger dargestellt. Das zweite Kapitel bespricht die Beschneidung bei den Israeliten. Der Vers, bringt sehr bedeutende Gründe für Beibehaltung der gegenwärtigen Art des Einreißens bei der Periah, und gegen die Anwendung von Instrumenten, wie Terquem und Bergson wollten. Ueber den Verband sagt er: Nachdem sich die achtbarsten Aerzte und Chirurgen gegen dies besondere Verfahren, die Wunde mit Pulver zu bestreuen, ausgesprochen, wird in der Gemeinde zu Hamburg, die sich dem neuey israel. Tempel zuzählt, der Verband folgendermaßen geleitet: Einige mit Wasser befeuchtete Charpiefäden oder ein zarter Leinwandstreifen wird um die Wundfläche und die Krone der Eichel gewunden, das Ganze mit Heftpflaster umwickelt und einige Kompressen darauf gelegt; — und da diese Art und Weise so einfach und rationell stets mit' dem besten Erfolge gekrönt wurde, so haben selbst orthodoxe Beschneider dieselbe hie und da schon eingesührt. In vielen anderen Gemeinden Deutschlands wird nur nach der letztem Methode verfahren." Zm dritten Kapitel stellt der Verf. die Gesetze und Bestimmungen bei der Beschneidung dar. Als neu fiel es uns auf, daß der verstorbene Rabb. Moses Sofer in Preßburg, und der Rabb. in Wien die Mezizah aufgehoben und den Schwamm an dessen Stelle gebrauchen. Höchst wichtig ist es, was der Verf. gegen die Mezizah zusammenstellt. Angemessen ist das „Reglement, enthaltend die Pflichten der Beschneidec gegen sich selbst und gegen die zu Operirenden. — Das vierte Kapitel „wie ist die Beschneidung in unserer Zeit anzusehen?" steht in ihr nur noch ein Vereinigungszeichen, das bei der Emanzipation schwinden würde. Das ganze Kapitel sieht das Judenthum von sehr oberflächlicher Seite an, spricht vom jüdischen „Volk und seinen ewig währenden Gesetzen," und läßt dennoch wieder eines dieser Gesetze fallen. — Das fünfte Kapitel „einige Bedenken bei dieser Operation" leugnet, daß der Blutverlust den Knaben nachtheilig sei, daß die Operation eine Verstümmelung sek, da sie viele diätetisch gute Folgen habe, so daß nur die auf die Operation mögliche Blutung ein bedenkliches Moment sei. Im sechsten Kapitel lobt der Verf. die praktische Geschicklichkeit der Mohlim sehr, glaubt, daß sie durch theoretische Kenntnisse nur ungewiß werden würden,. und schlägt vor, daß jedesmal ein Arzt oder Wundarzt zugegen fei. — Unsere Leser sehen hieraus, daß die Schrift einen recht tüchtigen Beitrag zur Literatur dieses Gegenstandes giebt. Korrespondenz. Wanderung durch Krakau, Galizien, - Bukowina, Moldau und Wallachei. (Fortsetzung aus No. 37.) Ich verließ Tschernowitz und somit das kaiserlich österreichische Gebiet und setzte meine Reise über die nahe Grenze nach dem ehemaligen Dacia romanica oder den heutigen Fürstenthümern Moldau und Walachei fort. — Zuerst nun von der Moldau! — Die Moldau. Die Moldau ist ein, in der ersten Entwickelungsperiode aus einem frühem hundertjährigen Barbarismus