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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-28 · Heft 44 (28.10.1844) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 44 (28.10.1844)
Date
1844-10-28
Page
Seite 627 (sequence 7)
Language
German
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627 bereichern — durch ihr Wissen zur Bereicherung derselben beitragen. — Der Herr Graf wird es selbst einsehen, daß der Tropfen Gelehrtendinte der ungarischen Suppe nicht schaden wird. — Magyary. Papa, im September. (Eingesandt.) (An die israelitischen Herren Aerzte und Wundärzte der österreichischen Staaten.) Keines der alten und bewahrten Sprichwörter, hat für die jetzige Zeit so ein wahres Wort zu sein, aufgehört, wie das „v»t Galenus opes.“ Wer auf die heutige Stellung der Aerzte der österreichischen Staaten sein Augenmerk richtet, wird es bald gewahr, wie theils durch die überhandnehmende Zahl der Aerzte, — theils durch die in der medizinischen Wissenschaft herrschenden, einander das nöthige Zutrauen raubenden Parteiungen, — wie auch durch die seit der Cholera verminderte Zahl stehender Krankheitscharaktere, — die Aerzte aus den angeführten Ursachen, theils weniger beschäftigt, theils in ihrem Ansehen geschwächt und endlich an Einkünften größtentheils so herabgekommen sind, daß von der ärztlichen Praxis allein nur wenige das Glück haben, nebst einem dem ärztlichen Stande gemäß zu führenden Hause, auch ein entsprechendes Sümmchen für die etwa zu hinterlaffende, unversorgte Gattin und Familie zurücklegen zu können.— Betrachtet man noch die Verhältnisse jüdischer Aerzte insbesondere, unter welchen leider die sogenannten sixen Anstellungen zu den äußersten Seltenheiten gehören, so wird es um so weniger auffallen, wie selbe, gezwungen rein von dem täglichen Ergebnisse ihrer Praxis zu leben — bei den bezeichneten Umständen, auf die Hoffnung sich einiges Vermögen bei Seite legen zu können, gänzlich verzichten müssen. — Der von jeher in Ehren gestandene ärztliche Beruf ist bei seinen jüdischen Jüngern dadurch zu einem heiligen Amte geworden — da dieselben für ein vieljähriges Studium, für die vielen ärztlichen Sorgen und zu bestehenden Ankämpsungen von menschlichen Körper- und Seelenschwächen mannigfacher Art — nichts als ein mühsam zu erringendes Brod haben, und indem sie als die Priester des höchsten Lebensgutes: der Gesundheit — im Hause des Herrn wachen und sorgen — auf einen Antheil an die übrigen irdischen Besitzungen keinen Anspruch machen dürfen! — Ist die Lage der heutigen jüdischen Aerzte daher keine besonders beneidenswerthe, so verleihet doch die Heiligkeit des Berufes — die öfters doch hie und da werdende Anerkennung — und das Ansehen, durch welches jeder thätige Arzt im Kreise seines Wirkens hervorragt, Trost und Ersatz. — Höchst bedauernswerrh ist aber die Lage der Wittwen mittelloser Aerzte. — Eine Frau, die an des Mannes Seite, an einer dem höher» Stande gemäß nöthigen Hausführung gewohnt ist, — welcher jeder Besucher die Hände küßt und sie seine Gnädige titulirt, kann nach des Mannes Ableben an das Aermliche ihrer Lage sich so schwer gewöhnen — und bei wirklicher Noth die verweichlichten Hände unmöglich zu Brod bringender Arbeit gebrauchen. — Hufeland prognostizirt, in seiner Makrobiotik, einem jeden Arzt, der bereits die ersten neun praktischen Jahre zurückgelegt, ein hohes Alter — ein bei den genannten Umstanden höchst glückliche Fügung der gütigen Vorsehung, daß in der Regel, außer bei Epidemien, die meisten Aerzte weniger Wittwen und unerzogne Waisen zurücklassen. — Lasset uns aber für diejenigen Frauen sorgen, welche, als eine Ausnahme von der hufelandschen Regel, Männer beweinen, mit denen sie Ansehen, Nahrung und die Erzieher ihrer Kinder verlieren. Dieses wollte ich hiermit den österreichischen Aerzten und Wundärzten meines Glaubens an'S Herz legen — und sie, in diesem vielverbreiteten Organe jüdischer Angelegenheiten auffordern, zur Gründung eines Vereines für Wittwen und unmündige Waisen jüdischer Aerzte und Wundärzte der österreichischer Staaten. — Ich kenne keinen Wohlthätigkeitsverein, welcher nebst der hochwichtigen Tendenz des Beantragten, auch in der leichten Art seiner Begründung ihm gleich käme. — Giebt jeder Arzt und Wundarzt der österreichischen Monarchie, zum Beispiel, als ersten Beitrag 6 Thlr. — und sodann jährlich 2 Thlr. — so ist bei der nicht unbedeutenden Zahl ärztlicher Individuen jüdischen Glaubens in unserem Staate, Stammkapital und Einkommen genug, um vierzig Wittwen mit dem nöthigsten Lebensbedarfe versor-

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