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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-28 · Heft 44 (28.10.1844) · p. Seite 628

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 44 (28.10.1844)
Date
1844-10-28
Page
Seite 628 (sequence 8)
Language
German
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628 gen zu können. Ohne Zweifel wird mancher hochherzige Glaubensgenosse auf die Vermehrung dieses Vereinfondes bedacht sein — und ihn als ein Heiligthum betrachten, welches würdig ist, daß jeder Gutgesinnte dazu sein Scherflein beitrage. Ich habe hier nur die Hauptmotive zur Begründung des genannten Vereines niederlegen wollen, was ich noch ferner über die Art und Weise ihn in's Leben einzuführen gedacht, werde ich spater nachtragen. Indem ich nur noch erwähnen will, daß, wiewol hier ein Verein für jüdische Aerzte gestiftet werde, man doch keineswegs Kollegen anderer Konfessionen den Beitritt versagen soll — bin ich noch so frei, hiermit Männer von Sachkenntniß aufzufordern, über diese Angelegenheit ihre Ansichten gütigst zu veröffentlichen — und hoffe ich daß der Herr Redakteur dieser Blätter, ihre Spalten diesem hochwichtigen Unternehmen öffnen wird. Möge meine Stimme nicht zu unbedeutend sein, und die Heiligkeit der Absicht nicht verkannt werden! — Moritz Feitel. Körmend, 8. Oktober. (Privatmitth.) Am 22sten vorigen Monats, am sogenannten ■'T?: 72- Abend, starb nach einer mehrwöchentlichen Krankheit unser Rabbiner Herr Götz Bodansky in einem Alter von 69 Jahren, im 37sten Jahre seines hiesigen Rabbineramtes. Derselbe, ein Schüler des großen ri'2, war noch einer der bereits wenigen ungarischen Rabbinen, welcher den Namen tp-in ’pai verdiente. Ein Mann, mehr weichlichen Charakters überhaupt, sah er seiner Todesstunde mit äußerster Furcht und Bangigkeit entgegen —' und zeigte in den letzten Szenen wenig eines Seelenhirten würdige Fassung und Weihe. Am 24sten Vormittags ging das Leichenbegängniß mit Würde und Anstand vor sich. Vier aus der Nachbarschaft herbeigeholten Rabbinen hielten 2^222; an seinem Grabe. — Das erste Unternehmen, durch welches die Anhänger des Verblichenen sein Andenken feierten , war — daß sich achtzig der hiesigen unbedeutendsten Mitglieder, ohne Vorwissen der Gemeindevorsteher in's Gemeindehaus begaben, daselbst einstimmig einen Sohn des Verstorbenen zum Rabbiner erwählten. — Da derselbe aber ein -nm, ohne im Besitze einer n-wn zu sein — oder irgend ein sonstiges Wissen zu haben ist, protestirten fünfzehn der ansehnlichsten hiesigen Familien, mit den würdigen Vorstehern: Herr Preßburger, Wiener, Karl Kauders an der Spitze, dagegen. Aber bald kamen auch Briefe von auswärtigen Rabbinen der schwarzen Farbe, welche der Wahl ihren Beifall gaben — und gegenwärtig erwarten die wenigen Gutgesinnten von der Komitatsbehörde Schutz und Rettung. — Wahrscheinlich wird die Ueberzahl des Haufens, welchen ein verrückter Mensch M. K. anführt — und die lauten Stimmen der hierbei eine große Rolle spielenden abergläubischen Weiber — den Sieg davon tragen — und den Wenigen, welche mit Bangigkeit ihr geistiges Schicksal wieder auf viele Dezennien dem frühern Loose Preis gegeben sehen, bleibt nichts übrig, als so es ihre Kräfte erlauben, nächst dem jungen Rabbiner einen Religionslehrer und Prediger anzustellen, damit die Jugend nicht auch ferner ohne Religionsunterricht erzogen werde und viele der Erwachsenen im Anhören zeitgemäßer Erbauungsrcden auch darüber belehrt würden, daß Jude sein und dem Aberglauben nachhängen zwei einander widersprechende Begriffe sind!— .sp’n p Körmend, 10. Oktober. (Privatmitth.) Drei bescheidene Fragen an Seine Ehrwürden dem Herrn Herrn i>r. Joseph v. Szekacy, evangel. Prediger zu Pesth und Redakteur der protestantischen Kirchenzeitung. — I. Wo ist von der „Begeisterung" zu lesen, mit welcher die Juden Ungarns den frühern Moritz Bloch „gepriesen und erhoben?" — II. Welches ist die glänzende Bahn, welche alle Ansprüche jugendlicher Wünsche befriedigt — und einem armen ungarischen jüdischen Gelehrten offen stehet? III. Heißt das eine „alle Welt verachtende Ausschließlichkeit" wenn man es nicht glauben will, daß ein Doctor philosophiae einer, die reinsten metaphysischen- Wahrheiten enthaltenden Religion den Rücken wendet, ohne es mit der Philosophie oder mit dem Bekenntnisse nicht aufrichtig zu meinen? — Mosel.

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