Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1844)
- Date
- 1844-10-28
- Page
- Seite 626 (sequence 6)
- Language
- German
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626 Antwort lautete: man wolle nichts ändern, also bei seinem — Nichts stehen bleiben. Oesterreich. Arad, 2. Oktober.' (Privatmitth.) Die ungarischen Blätter wetteifern-in belobenden, höchst anerkennenden Nekrologen unsers verst. Oberrabbinen Chor in s. A. — Am 24. September wurde ein feierlicher Trauergottesdienst seinetwegen abgehalten. — Man ist hier allgemein auf die provisorische Besetzung des Rabbinats gespannt. — Der hiesige Jugendvcrein hat seine zweite Jahresrechnung abgelegt. 505 fl. sind an Unterstützungen verabreicht, und doch bereits in zwei Jahren 3000 fl. erspart, eine schöne Summe, da der Verein nur 104 Mitglieder zahlt. Aus Ungarn, 10. Oktober. (Privatmitth.) fDie Rabbinerwahlen in Ungarn.j Da die Zunahme wissenschaftlicher Rabbinen in Ungarn, wirklich der einzige Hebel geistiger Erhöhung der Israeliten dieses Landes ausmacht; so sollten die ungarischen Rabbinerwahlcn zunächst der Aufmerksamkeit der Freunde des bessern Judenthumes empfohlen sein — und noch dringlicher als die unverbesserlichen Stabilitätsgeister, die gewöhnlichen Vorgänge und Umtriebe bei Rabbinenwahlen mit den Waffen der Wahrheit bekämpft werden.-Verliert eine Gemeinde, nach jahrzehndenlang erlittenen geistigen Knechtungen, inneren Unruhen und äußeren Schändungen, endlich ihr geistliches Haupt, dessen Dasein als eine Scheidewanv zwischen Israel und dem Leben, das Licht ihm absperrte und jede zuströmende Wärme; — so läßt man öfters den Beffergesinnten kaum Zeit sich der ihnen gewordenen geistigen Freiheit zu freuen; — kaum Zsit, die Wege zu bedenken, welche man nun einzuschlagen habe; — und setzt, so der verstorbene Mann der Nacht ein in seinem Gesinnungen großgezogenes Söhnlein zurückließ, dasselbe auf den Stuhl des Vaters. — Der junge Zwergengeist nimmt in dem väterlichen Riesenharnisch graugewvrdener Orthodoxie eine erbärmliche Gestalt an — und die Gemeinde besitzt statt einem wenigstens durch Konsequenz und Beharrlichkeit Achtung erzwingenden Rabbiner, einen durch kindisch-lächerliche Manieren und Bachurimkeckheit unerträglichen Rabbi. — Ist die Gemeinde so glücklich, daß ihr verstorbener Rabbine keinen Sohn zurückläßt, auch da werden größtentheils die Rabbinenwahlen nicht mit heiligem Ernst und frommer Eintracht betrieben; — da sind es gewöhnlich Trotz, Haß und Rache welche die Karten mischen — und blinder Zufall, welcher den Ausschlag giebt. — Jahrelange, unter dem Krater gewisser Rücksichten glimmende Feindseligkeiten mancher jüdischer Häuser, werden noch bei einer Rabbinerwahl — und die sonst so unbedeutend an Ansehen und Einfluß stehenden arme rmn , sind da so reich an Ehikanen und — Stimmen. — Möge über die bezeichnete Richtung bei Rabbinenwahlen eine geübtere Feder als die Meinige ausführlich schreiben — und zugleich den Weg dieser Verkehrtheiten kräftig zu entgegnen uns bezeichnen. Ich will nur noch einen Uebelstand nennen, welcher leider selbst in den besseren Gemeinden zu Mißgriffen verleitet. Man will nämlich, aus gewissen verfehlten Rücksichten, überall einen Inländer, welcher der ungarischen Sprache mächtig ist, zum Rabbi. Ungarn hat aber noch wenige eingeborne Talmudisten von realer Bildung — und die äußerst spärlichen Ausnahmen sind noch fremd in der ungarischen Sprache. — Als in Deutschland das Bestreben zur wissenschaftlichen Erhöhung der jüdischen Theologie erwachte — und viele echt talmudische Jünger sich den Wissenschaften in die Arme warfen — wurden die meisten, sich nach Bildung sehnenden ungarischen Aerzte oder — Kaufleute. — Ich, der ich die Jntressen meines ungarischen Vaterlandes nicht geringer achte, als die meines Glaubens, bin so frei mich mit wenigen Worten dahin auszusprechen, daß die Israeliten Ungarns, nur dann auf die Stufe der geistig erhöhten Deutschländer gelangen können, wenn selbe bei erledigten Rabbinatsstellen, deutschländer Rabbiner, mit der Verpflichtung die ungarische Sprache zu erlernen, berufen werden. Diese werden gut gedeiheliche Pflanzstätten für künftige vaterländische Theologen anlegen — um so nothwendiger, da leider das Seminarprojekt durch die Umtriebe der elenden inneren Feinde Israels vereitelt wurde — und unser Vaterland wird, wie England dieses Jahr ein Beispiel gab, nichts dagegen einzuwenden haben, wenn ausländische Gelehrten hereinkommen, hier, indem sie sich mit Erlernung der ungarischen Sprache