Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1844)
- Date
- 1844-10-28
- Page
- Seite 625 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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625 ersuche ich Sie auch nachfolgende Erklärung in Ihr geschätztes Blatt aufnehmen zu wollen: Ich habe bei der Beförderung der Protokolle zum Drucke nur die Vermittelung zwischen den Herren Redaktoren und dem Herrn Verleger übernommen, und meinem Bedünken nach dieses Geschäft gewissenhaft ausgeführt, indem ich mir Anvertrautes nach Sinn und Buchstaben zu wahren suchte. Mir stand das Recht der Korrektur nicht zu, ich konnte es also auch auf einen Andern nicht übertragen, ohne meinen Auftrag gröblich zu verletzen; und jenes Recht nahm Herr Dr. Herzfeld gerade in Anspruch. Hätte Herr vr. Herzfeld mir das Versprechen geben können und wollen, keinen Buchstaben an dem zum Drucke fertigen Manuskripte zu ändern, so würde ich im begründeten Vertrauen auf dieses Versprechen ihm die zugesandten Papiere gern zur Einsicht überantwortet haben. Aber nicht Einsicht, sondern Durchsicht und resp. Veränderung der Protokolle ward bezweckt — und dazu durfte und wollte ich keine Gelegenheit geben. Zugestehen will ich auch, daß eine solche Ueberantwortung der geschlossenen Protokolle zur Korrektur an einen Einzelnen und, als solchen, Unberufenen auch dann gegen mein Gewissen gewesen wäre, wenn der Herr Zusender mir solches ausdrücklich erlaubt haben würde, da beglaubigte Protokolle entweder gar nicht dem Publikum vorgelegt werden dürfen, oder, wenn dies geschehen soll, gerade so, wie sie in ursprünglicher Auffassung niedergeschrieben wurden. Zwei Fragen sind mir beim Durchlesen der besprochenen Erklärung aufgestoßen, die erste: welchen Zweck hat-Herr vr. Herzseld durch sie verfolgt? die zweite: was berechtigte gerade diesen Herrn, der doch laut der Protokolle der ersten Rabbinerversammlung Seite 92 nicht zu der Redaktionskommission gehörte, zur beabsichtigten Vornahme einer Korrektur oder wollte er diese Berechtigung jedem der Herren die in den Protokollen als redend aufgeführt werden, zuschreiben? Mit Hochachtung und Ergebenheit vr. j»r. Aron heim. Braunschweig den 12. Oktober 1S44. Heidelberg, im September. (Privatmitth.) Einer der ersten Kriminalisten Deutschlands, Herr Vr. von Zagemann, eröffncte vor mehren Jahren seine Laufbahn als praktischer Beamter beim großhcrzogl. Oberamte dahier, wo er vier bis fünf Jahre Untersuchungsrichter war. Von hier ward er zum Ministerialrathe in's großherzogl. Justizministerium befördert. Derselbe ordnete neulich die Ergebnisse seiner, hiesigen Praxis in einem Werke „Handbuch der Untersuchungskunde." Es ist interessant, wie sich derselbe in Beziehung auf den Judeneid äußert, namentlich über die Zuziehung des jüdischen Geistlichen. Im ersten Theile dieses Werkes heißt es S. 536: „Die ziemlich herrschende Besorgniß, daß Juden vor christlichen Richtern leicht die Unwahrheit reden, erkannte der Verfasser in seiner Praxis lediglich als Vorurtheil... Es muß namentlich ein Rabbiner zu dem Akte zugezogen werden, weil dieser den Ritus besser kennt, ’ als irgend ein Andrer, weil er ferner als Staatsdiencr verpflichtet ist, und als solcher das Vertrauen genießt, daß er alles Mögliche zum Zwecke der Gerechtigkeit beitragen werde; und endlich weil er mit seinen Glaubensgenossen in der nächsten Verbindung steht, so daß sie ihm schon aus Achtung gewahren werden, was sie sonst kaum im Zwange thaten.... Vers, traf noch keinen Juden an, der einen Gerichtseid mit Gleichgültigkeit abgelegt hätte, welches zum Theil auch daher kommen mag, daß die Rabbiner besonders eindringliche Ermahnungen vorauszuschicken pflegen." Der Herr von Jagemann hatte hier mit dem Bezirksrabb. Fürst zu thun, und nennt dessen Anreden musterhaft (Eh. 11. S. 777.) Lübeck, im Oktober. Die Weserzeitung bemerkt, daß die Herren zu Lübeck neuerdings tolerantere Ansichten angenominen, indem sie dem Sohne des Rabbinen.zu Moisling, einem meist von Juden bewohnten Dorfe bei Lübeck, gestattet haben, sich um die Sraatsstipendien zu bewerben. Frankfurt am Main, im Oktober. (Privatmitth.) Der Reformvcrein hat eine Versammlung gehalten, bei der die Frage gestellt worden: ob er an seiner Erklärung etwas ändern wolle? Die