Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 44 (28.10.1844)
- Date
- 1844-10-28
- Page
- Seite 623 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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623 Herr David Salomons, der für Portsoken gewählte Alderman, wurde aufgerufen und sollte ebenfalls zur Eidesleistung zugelassen werden.' Es erhob sich dabei eine Debatte, ob er nicht in die Geldstrafe von 500 Pfund St. verfallen sei, weil er nicht, wie gesetzlich vorgeschrieben sei, in der nächsten Sitzung nach der Wahl zum Alderman erschienen sei. Es wurde indeß davon Umgang genommen, indem der Lord-Mayor dies als ein Mißverständniß erklärte, da diese Sitzung eine außerordentliche sei. Bei der nächsten ordentlichen Sitzung am 15ten d. M. wird sich zeigen, ob Herr Salomons die Erklärung unterschreiben wird, deren Weigerung seine Nichtzulassung als Alderman für Algate zur Folge hätte. London, 20. September. l’Univ. israel. enthält eine Korrespondenz aus London, die viel Vernünftiges giebt, was, obgleich die Wahl wol jetzt schon geschehen ist, doch noch werth ist, beachtet zu werden. Wir (die Red. der Allg. Zeit, des Judenth.) haben von Beginn an über diese Wahl gänzlich geschwiegen, und selbst uns zugekommene Bemerkungen darüber nicht ausgenommen. Die Grundsätze, von denen in London bei der Wahl von vorn herein ausgegangcn ward, schienen uns so verkehrt und inhaltlos, die Art und Weise der Wahl so unangemessen, daß wir lieber zu schweigen, und, so weit das öffentliche Wort einen Einfluß übt, diesen lieber nicht zu versuchen, uns entschlossen. Um so weniger konnte es uns einfallen, diesen oder jenen der bekannt gewordenen Bewerber herauszustreichen; das überließen wir denen, die gern rnit Personalien zu thun haben. Wir verfuhren ungern so, denn die Stelle ist unleugbar die wichtigste Rabbinatsstelle, die es giebt, und ein genialer, praktischer Mann könnte auf derselben Mächtiges wirken, ja, er hat die Regeneration Jsrael's vielfach in seiner.Hand. In der mächtigsten Stadt der Welt, im Schooße der mächtigsten Nation, einer Nation, nach der der Unterdrückte niemals seine Hand vergebens ausstreckt, und wo Juden nicht ohne Einfluß sind, wo zugleich die Geldmittel in so großem Maaße vorhanden sind. Allein wir sahen die Stelle eine Beute kleinlicher Jntriguen, wir sahen Männer die Hand danach ausstrecken, die in der jüngsten Zeit nach allen Seiten ihre Arme ausstreckten, bald nach Mähren, bald nach England, bald nach dem Rheine. Wir sahen, daß man nach der Größe der Tesillin, nicht nach der Größe der bisherigen Wirksamkeit frug. Wir sahen, daß die großen Finanzmächte ihre kalten, eisigen Finger in das Herzblut auch dieser geistlichen Stelle Jsrael's senkten. Was sollte uns da der Windmühlenkampf?-Wir schwiegen. — Doch wir kommen zum Art. des l’Univ. isr. Es heißt darin: „Außer Herrn Auerbach, bieten die Kandidaten — Adler, Hirsch und Hirschfeld — unter ihren Titeln auch Briefe an Herrn Baron von Rothschild dar. Dies beweist, daß auch in London die Börse eine Art Oberaufsicht über die religiösen Angelegenheiten zu üben sucht, und das konservative System in der Religion wie in der Politik zu erhalten strebt. Wie? würde die Abschaffung des mp'' IP'is ein Fallen an der Börse hervorbringen? Einer dieser Briefe hat uns eine sehr betrübende Beobachtung in Bezug auf die, welche sich in unsere Angelegenheiten mischen, aufgedrängt. Herr Salomon Heine hat Nachforschungen über den religiösen Charakter des Herrn Hirsch bei den Rabbinen Hamburg's und Altona's angestellt. Wir achten den Herrn Heine als einen wohlthätigen Mann, aber seine Familie hat dem Judenthume entsagt, er selbst gehört den freiesten Ansichten an, d. h. den Ideen, die den Herren Hirsch, Bernays und Ettlinger schnurgerade entgegengesetzt sind: durfte ein solcher Mann Nachforschungen über den religiösen Charakter dieses Rabbinen übernehmen und sie Herrn von Rothschild übermachen? Wir erblicken darin nur einen Skandal. Dies sind die Herren, die, ganz ohne Interesse in unseren religiösen Kämpfen für ihre eigene Rechnung, sich hinreißen lassen ihre Protektion dem und dem Individuum zu geben, und die Schwere ihrer kommerziellen Wichtigkeit in die Wagschale einer Rabbinerwahl zu legen.' Dies sind diejenigen, welche uns geistliche Häupter geben, um unsre Gewissen zu leiten, und die uns hernach den Rücken zuwenden, zufrieden, daß ihr Mann die Stelle bekommen! Wir sind überdies erstaunt, auf der Liste der Kandidaten nur Namen zu sehen, die unter den Rabbinen Deutschlands nur den zweiten und dritten Rang einnehmen. Wir wissen, daß mehre hochgestellte Rabbinen in Deutschland vorgezogen haben, sich nicht zu melden, als einer Abweisung sich auszusetzen. Sie glaubten, daß sie genug-