Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1844)
- Date
- 1844-10-21
- Page
- Seite 618 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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618 Belletristisches. Orr Hoffnungslosr*). So geschlagen auch ein Mensch ist, Wer noch lebt, der darf noch hoffen. (Pred. 9, 4.) 1. Es sah einmal ein geiz'ger Mann Die aufgehauften Schatze an Und seufzte: „Was kann's nützen? — Der Reichthum, den ich eingethan, Mein Gold all' und mein Silber kann Am End' mich doch nicht schützen! Ich muß, wie andre Menschen, sterben, Und hinterlaß nur frohe Erben! Ich muß hinab in s leere Grab Und nehm' nichts mit von Gut und Hab!" Da zeigte plötzlich sich ein Greis, Mit langem Barte silberweiß, Ob's Eliah wol gewesen? „Benütze," sprach er, „was Dein Fleiß, Mit Gottes gütigem Geheiß, So reichlich aufgelesen. Willst Früchte, die noch jenseits dauern, Willst Freunde, die von Herzen trauern, So stifte Gut's, wie Gott Dir's gab, Und sei den Armen Stütz' und Stab." „Wohlan," versetzt der reiche Mann Und sah den Alten höhnisch an, „Ich will, wie Du gerathen; Ich will nun auch von heute an Mit Dem, was mir mein Fleiß gewann, Mir säen solche Saaten. Doch denk' ich, meine guten Spenden Auch wohl und weislich anzuwenden, Und nimmer meinen säuern Schweiß Zu geben jedem Bettler Preis." „Nicht jeder, der von uns begehrt, Ist desbalb gleich der Gabe werth, Die wir dem Glück entwunden; ) Nach Simchath Nephesch p. 21. Sie sei, ich schwör's, nur dem gewahrt, Den Noch und Elend so verzehrt, Daß alle Kraft entschwunden; Der schon auf Erden so gelitten. Daß alle Hoffnung abgeschnitten. Daß einzig noch auf jene Welt Er seines Daseins Hoffnung stellt." 2. So sprach der Geizhals und befahl. Daß sich von nun an, doch mit Wahl, Sein Haus erschließ' den Armen. Doch war das Antlitz noch so fahl. War noch so sichtbar Noch und Qual, Es war nicht zum Erbarmen. —- Da sieht er einst verlassen liegen, Auf offner Straß', mit Todeszügen, Ein Jammerbild, schon so entseelt, Daß selbst die Kraft zu jammern fehlt, „Ha!" dacht' er da in seinem Sinn Und wandte sich zum Bettler hin, „Nun endlich doch gefunden! Ja, dem ist Sterben nur Gewinn, Ist alle Erdenhoffnung hin, Ist aller Muth entschwunden." Und hastig griff er in die Taschen Er schien nach einem Glück zu Haschen — „Da!" rief er, „nimm hier! blank und baar!" Und bot zwei Rollen Goldes dar. — Der Arme hebt den matten Blick Kaum halb empor und sinkt zurück Und spricht mit zager Stimme: „Wie kommt's, daß sich mein Mißgeschick Verwandelt plötzlich so in -Glück Und laßt von seinem Grimme? — Du spendest mir mit vollen Händen Und scheinst Dich ganz mir zuzuwenden, Als gab' es sonst kein Elend mehr! Als ob mein Leid das letzte war'! —" „Ich schwor und hielt den Schwur bisher," Versetzt der Geizhals, „nimmermehr Das Bettelvolk zu hegen, Und Keinen noch im Bettlerheer Erblickt' ich, der, wie Du, so sehr