Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1844)
- Date
- 1844-10-21
- Page
- Seite 617 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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617 haben sie den tapfersten Widerstand geleistet, sie erlagen nur der Macht der Ueberzahl. Da wurden sie die Opfer der größten Grausamkeiten, weder Frauen, noch Kinder, noch Greise wurden verschont. Algier. Paris, im September. (Arch. isr. de Fr.) Der Direktor der israelitischen Schule in Algier, A. M. Weil, hat über diese einen sehr einsichtvollen Bericht an den „Direktor des Innern" in Paris gesandt. Er macht darin auf die Wichtigkeit der Schule aufmerksam, durch welche allein die Wiedergeburt der israelitischen Jugend in Algier bewerkstelligt werden kann; dann bespricht er die Schwierigkeiten, die sie findet, da die Bevölkerung wenigstens dreihundert Knaben hineinsenden könnte, aber nur 78 die Schule besuchen, woran theils die Unwissenheit der Eltern schuld ist, die den Werth des Unterrichts nicht anzuschlagen wissen, und die lieber die Kinder als Boten, Stiefelputzer ff. einige Soldi des Tages verdienen lassen, theils der religiöse Aberglaube, der alles profane Wissen für unheilig hält, und in welchem sie von den Rabbinen erhalten werden. Als Mittel zur Besiegung dieser Hindernisse schlagt er vor, einige Rabbinen bei der Schule zu engagiren, wozu sich dergleichen schon angeboten, und ein Gesetz, das die Eltern verbindet, die Kinder wenigstens einige Jahre in die Schule zu schicken. Den Kindern, die die Schule besuchen, ist Ordnung und Pünktlichkeit am schwierigsten beizubringcn, und hie Eltern thun Nichts, was ihnen eine Idee davon beibringen könnte. Demungeachtet rühmt der Berichterstatter den Charakter der Knaben, als sanft, gelehrig, respektvoll wißbegierig und ehrgeizig, so wie auch die geistige Befähigung derselben als wirklich ausgezeichnet und zu den schönsten Hoffnungen berechtigend. Literarische Nachrichten. | Magdeburg, 1. Oktober. sMendelsohn's fammttiche Werkes Vor einiger Zeit war das Gerücht verbreitet, daß Mendelsohn s sammtliche Werke in der schönen ^neuen Ausgabe von Brockhaus nicht weiter erscheinen würden, weit Einspruch gegen dieselbe geschehen sei. Der vorliegende vierte Band, bestehend aus zwei Abtheilungen, widerlegt das Gerücht auf erfreuliche Weise. Den Inhalt dieses Bandes bilden „kleine Schriften," theils bereits gedruckte, theils ungedruckte, die meist aus dem Gebiete der Psychologie und Kritiken sind. Dann M. M/s Antheil an der Bibliothek der schönen Wissenschaften und freien Künste, an den Briefen, die neueste Literatur betreffend, und an der allgemeinen deutschen Bibliothek. Aus allen Kritiken M. M/s intereffiren uns hier namentlich die über: *>^73 von Berachja Hanakdan, über Michaelis Beurtheilung der Schrift von Dohm, über Leffings Lustspiel die Juden, über Lowth üe 8uera poesi Hebr. und Rabe's Übersetzung der Mischnah. Magdeburg, 2. Oktober. l Kleine vermischte Schriften.] Gebet- und Erbauungsbuch für gebildete Frauenzimmer mosaischer Religion von Peter Beer. Wien, 1843. Zweite Auflage. Dieses Gebetbuch ist wirklich empfehlenswerth, da die Gebete innig empfunden, zart gedacht, in klarer, korrekter Sprache ausgedrückt, kurz und bündig sind. Den Inhalt bilden theils öffentliche Andachten bei den verschiedenen Gelegenheiten des öffentlichen Gottesdienstes, theils häusliche, deren Veranlassungen recht sinnig und der Erfahrung gemäß gewählt worden sind. Es wird einen Jeden freuen, dem bekannten Namen noch einmal zu begegnen, nachdem der Tod den Verfasser längst in die höhere Unterrichts- und Lehranstalt abgerusen hat. — Politische Neffelblätter. Leipzig, 1845. Es sind einzelne Aufsätze, in guter, oft dithyrambischer Sprache, die von den besten Gesinnungen beseelt sind. Hauptgegenstände sind: das Lob des vielverketzerten Oesterreichs, und gegen die ungarischen Judenfeinde. Der anonyme Verfasser giebt sich als einen österreichischen Juden zu erkennen. Die Gewandtheit der Sprache läßt vom Verfasser sehr Gutes erwarten, falls er erst zur Klarheit der Anschauung gekommen sein wird. —