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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-21 · Heft 43 (21.10.1844) · p. Seite 619

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 43 (21.10.1844)
Date
1844-10-21
Page
Seite 619 (sequence 15)
Language
German
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619 Dem Elend war erlegen. Nur wer hienieden so gelitten, Daß alle Hoffnung abgeschnitten, Nur wer vom Leben nichts begehrt. Nur der ist meiner Gabe werth." Da rafft der Kranke sich empor Und ruft die letzte Kraft hervor. Fast grausenhast zu schauen; „Du bist es/ ruft er, „eitler Thor! Der seine Hoffnung langst verlor Und langst sein Gottvectrauen. Du sinnbethörter Aschenhüter! Vertrauest auf Deine Erdengüter, Die nichtig doch und flüchtig sind, Wie Spreu zerstiebet vor dem Wind!" „Was Hab' ich Böses Dir gethan," Versetzt, erschreckt, der reiche Mann, „Daß Du zum Dank mir fluchest?" „Nicht fluchen," sprach der arme Mann, „Ich wollte nur, daß Du fortan Dein Heit in Beßrem suchest. Wie groß das Unglück milch betroffen. Ich darf auf Gottes Hülfe hoffen; Zu hoffen ist nur dem verwehrt, Der schon dem Tode angehört'" Und sinnend geht der Geizhals fort Und spricht: „So will ich denn mein Wort Den Todten auch erfüllen. —" Er schleicht zum letzten Ruheort, Vergrabt bei einem Grabe dort Sein Nothgeschenk im Stillen. „Da Todter!" spricht er „magst's behalten! Du magst nach Lust darüber schalten! Du bist von jeder Hoffnung fern, So geb' ich Dir's von Herzen gern." 3. Auf Erden steht kein Bauwerk fest, Und baust Du himmelan Dein Nest, Um unverrückt zu bleiben, - Kommt unverseh'ns ein Sturm aus West, Dich, selbst für Deines Lebens Rest, Aus deinem Nest zu treiben, Das mußte auch der Schalk empfinden; Er sah mit raschen Schritten schwinden, Durch Unglücksfälle aller Art, Woran sein Geiz so lang gespart. Vertrieben jetzt von Heerd und Haus, Getrieben in die Welt hinaus Dem Mangel preisgegeben, Da rief er wol gar manchmal aus: „O hatt' ich doch in Saus und Braus Mein Gut verbracht! mein Leben! —" Und wollt' es öfters nicht gelingen. Des Mitleids Gabe zu erringen, Da dacht' er wol auch manchmal dran, Wie Manchem er so weh' gethan. Und als nach Jahren, müd' und matt. Er wieder kommt zur Vaterstadt, - Entstellt vom langen Harme, Da 'wankt ec gleich zur Ruhestatt, Wo alle Noch ein Ende hat, Ob sich der Tod erbarme. Und als er hier sich wieder findet, Wo ihm nun alle Hoffnung schwindet — Da bebt er aus, er sitzt am Grab, Wo er das Geld dem Todten gab. „Ha!" ruft er aus, nun wird mir's^klar. Ich selbst bin aller Hoffnung baar! Mir selbst Hab' ich geschworen! So nehm' ich denn, was mein schon war, Was sich erhielt so wunderbar, Mir wieder, unverloren. —" Und schon begann er aufzuwühlen Und neue Lebenslust zu fühlen, Dann wird er, von der Grüfte Wacht Ergriffen, vor Gericht gebracht. „Wie," fuhr der Richter hart ihn an, „Wie wagtest Du, verruchter Mann! Der Todten Ruh' zu stören!" „O nein!" versetzt der arme Mann, „Ein Solches Hab' ich nicht gethan, Ich kann's bei Gott beschwören. Ich wollte keine Grüfte schänden, Den Hingeschiednen nichts entwenden, Ich sei auch jenseits noch verflucht, Hab' solchen Frevel ich versucht."

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