Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1844)
- Date
- 1844-10-21
- Page
- Seite 616 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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616 zu seinem Schöpfer auch bei dem gebildeten deutschen Israeliten lebhafter erfasst wird und in Zukunft noch mehr erfaßt werden müsse. — So groß aber auch die Wirkung etner solchen Andacht dem ungewohnten Ohre sein mußte, um so großartiger trat sie in den Momenten der Begeisterung hervor, in die uns die gediegenen Predigten unseres hochverehrten Herrn Predigers Abraham Kohn versetzte. Die gemüthliche Sprache, unterstützt von der Kraft des eindringlichen Worts, zeigte das Rednertalent dieses begabten Mannes in einem um so schönern Lichte, je klarer und einfacher seine Begriffsentwickelung, je treffender seine aus dem wirklichen Leben gegriffene Tendenz durchgesührt und zu besserem Bewußtsein gebracht ward. Mehrere galizische Landtagsdeputirte, die zur Anhörung einer deutschen Andacht hinkamen, wie nicht minder mehrere andere Honoratioren konnten nicht umhin der guten Ordnung im Betlokale und den Vorträgen des Herrn Abraham Kohn ihren vollen Beifall zu zollen, und gewiß wird die Erinnerung an die hohe Weihe dieses Tages in einem Jahre später einen' eben so erhabenen Anklang und Nachhall in dem neu zu erbauenden Bethause finden, als sie es bei allen Verehrern des Schönen und Erhabenen an diesem Tage gefunden. Großbritannien. London, 28. September. Heute wurde in einem Stadttheile von London, Portsoken, Herr Salomons, ein Jude, zum Alderman gewählt. Man ist begierig zu sehen, wie der Hof der Aldermen diese Wahl betrachten, und ob er dieselbe nicht aus Formgründen verwerfen wird. Die einflußreichsten Juden aus der City sind entschlossen, falls Einwände gegen diese * Wahl erhoben werden, den Rechtsweg cinzuschlagen und die Frage der Zulässigkeit von Juden zu den höchsten Gemeindeämtern vor dem höchsten Gerichtshof des Landes zur Entscheidung zu bringen. —. (Arch. isr. de Fr.) Die treulichsten Vorgänge in den preußischen Freimaurerlogen, die dabei beharren, die Freimaurer israelitischen Glaubens nicht einmal zum Besuch zuzulassen, haben so viel Aufsehen erregt, daß der Vorschlag, Sr. K. Hoheit dem Prinzen von Preußen als Protektor der preußischen Logen bei seinem Aufenthalte in London eine Adresse zu überreichen, unerfüllt blieb. Marokko. Paris. In einer Korrespondenz des Journal ile8 Debats liest man Folgendes über die Lage der Juden in Marokko: Die Demüthigungen, welche der Stolz und der Fanatismus der Muselmänner, den Juden auflegen, machen sie nicht so unglücklich, als man denken möchte. Durch die moralische Herabwürdigung, welche sie erduldet, haben sie fast alles Selbstgefühl der Menschenwürde verloren; denn seit undenklicher Zeit und von Jugend an daran gewöhnt, leben sie in vollkommener Sorglosigkeit. Dafür sind sie indessen die nothwendigen Vermittler zwischen den Eingebornen und den Fremden. Alle Hülfsquellen und aller Reichthum des Landes liegt in ihren Händen, und sie allein genießen in diesem trostlosen Lande eine gewisse Behaglichkeit. Ihre Wohnungen sind im Innern bei weitem bequemer als die der Mauren; man findet darin sogar einen größern Komfort, dem Klima und der Natur des Landes angemessen. Alle maurischen Handwerker Und Handeltreibenden hängen mehr oder minder von ihnen ab,- und viele stehen in ihren Diensten. Die maurischen Juden können sehr nützlich für die Verbreitung europäischer Zivilisation werden und zeigen allen Eifer, der sich nur erwar- -ten ließe. In Tetouan haben sich die reichsten Juden vereinigt, um auf ihre Kosten einen französischen Sprachlehrer kommen zu lassen. Zu Tanger sprechen fast alle Juden spanisch, mehre auch französisch und englisch. —. Im Journ. des Deb. liest man aus Kadix: Man erzählt hier ein Faktum, das die Energie und Tapferkeit der Juden bezeugt, die das Quartier Mellas in Mogador bewohnten. Seit der Zwistigkeit Frankreichs mit Marokko, wagte auch der reichste Jude nicht, einen Franzosen zu grüßen. Zur Zeit des Bombardements, da sie sahen, daß sie von der Soldateska des Landes und den Bewohnern der Umgegend angegriffen würden: entschlossen sie sich, sich zu vertheidigen. Sie verschafften sich Waffen, und während eines ganzen Tages