Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1844)
- Date
- 1844-10-21
- Page
- Seite 613 (sequence 9)
- Language
- German
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618 die mni$m und unbedeutenden Konzessionen selbst, welche der Art. 29: 1840 den Juden macht, größtentheils nicht vollzogen wurden. Vielmehr wurde der Inhalt dieses Gesetzes an mehreren Orten und bei vielen Gelegenheiten gemißdeutet und verdreht. Die Ursache dieses Uebels finden wir unsererseits darin, daß dieser Gesetzartikel nur sehr beschränkte Einzelnheiten enthält, wodurch es der Reaktion möglich wurde sich geltend zu machen. Es wäre also das einzige und sicherste Mittel gegen diesen Uebelstand, die Juden durch ein allgemeines Gesetz aller durch die übrigen nichtadeligen Einwohner des Landes ausgeübten bürgerlichen Rechte in vollkommen gleichem Maße mit diesen zu betheiligen. Um jedoch die Bewerkstelligung und Dauerhaftigkeit eines solchen allgemeinen Gesetzes möglich zu machen, scheint cs nothwendig, die Zwischenwände, welche die Juden von den übrigen Einwohnern des Landes so getrennt halten, daß eine Verschmelzung unmöglich ist, ohne Berührung des Wesens der Religion wegzuräumen, damit sie nicht ferner verhindern, daß alle Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft auch im Kreise des Privatlebens sich gegenseitig vereinigen und zusammenhalten und damit auch die falsche Auffassung der Religionsideen eine solche Vereinigung nicht unmöglich mache. Um dieses heißgewünschte Ziel desto schneller und sicherer zu erreichen bitten wir Ew. Majestät in tiefster Verehrung und Vertrauen: durchallerhöchstderv mächtige Verfügung zu veranstalten, daß die Judenschaft mit der Erinnerung, daß es zu ihrem Vortheil, zu ihrer Wohlfahrt und zu ihrem Gedeihen geschieht, aufgefordert werde, aus ihrer Mitte fähige, gereifte Männer frei zu wählen, welche sich versammeln, berathen und bestimmen sollen, wie die Juden sich freilich mit Ablegung leerer Vorurrheile, das Wesen ihrer Religion nicht betreffender Fragen, veralteter Gebräuche und Zeremonieen, in allen Verhältnissen des gesellschaftlichen Lebens nach dem Geiste der fortgeschrittenen Zeit richten und sich selbst faktisch bestreben sollen, auch im Privatleben mit den Bürgern des Landes, zusammenhaltende Bürger zu werden. Die zu diesem Behufe versammelten Männer müßten dann die Resultate ihrer Berathungen vorlegen. Da es sich übrigens mit der Gerechtigkeit durchaus nicht verträgt, die im Lande ansässige die allgemeinen Lasten desselben tragende und über 200,000 Seelen starke Judenschaft in ihrer überaus traurigen und wahrhaft niederschlagenden Lage zu belassen, so wünschen wir einstweilen, bis nämlich die künftige Zeit die Idee der Emanzipation durch die Entwickelung unserer anderweitigen Verhältnisse völlig realisiren wird, beiliegenden Gesetzartikel einzuführen. Wir zweifeln nicht im Mindesten, daß Ew. Majestät diesen Gesetzvorschlag um so eher allergnädigst zu sanktioniren geruhen werden,. da allerhöchstdieselben in der k. Resolution dd. JO. Mai die Eröffnung der Allerhöchsten Entschließung in Betreff der Toleranzsteuer von der Vernehmung der betreffenden Dikasterien abhängig zu machen geruhten, und diese Vernehmung ohne Zweifel bereits stattgefunden hat; ferner da die übrigen Vorschläge welche die Unterstellung der Juden unter die bürgerlichen Gesetze und Jurisdiktionen des Landes, die Ausbildung ihrer Geistlichen und Lehrer und die Erziehung ihrer Kinder in ungarischem Geiste betreffen, bloß dahin zielen, um dadurch die Amalgation der Juden mit den übrigen Landeseinwohnern zu erleichtern und zu fördern und also das Land mit einer wohlerzogenen und an Fleiß gewöhnten Volksklasse zu bereichern. Die wir im Uebrigen sind rc. rc. Preßburg, 8. Oktober. (Privatmitth) Die Judensache nimmt am gegenwärtigen Reichstage ein schlimmes Ende, ja selbst trotz manchen erfolgten Konzessionen das schlimmste in moralischer Hinsicht — sie wird arg, sehr arg kompromittirt, und nur um unser lästiges Bitten und Klagen los zu werden wirft man uns, wie dem schon halb verhungerten Hunde einige Brocken zu, und zwar harte, sehr harte — die uns wol und unsere heißen Wünsche auf längere Zeit in Schach halten sollen, doch keineswegs befriedigen, viel weniger sättigen. — Wer die Sympathieen für die Juden am Reichstage 1840 gekannt, dem wird es fast unbegreiflich, warum selbe heut zu Tage nicht wieder zu finden, am gegenwärtigen Reichstage, wo stetes Streben nach Liberalität unverkennbar, wo Koordination sämmtlicher Bewohner Ungarns zur Hauptaufgabe gestellt worden, wo für den kleinsten Distrikt weit mehr Sorge getragen wird, als für eine Anzahl von mehr als 200,000 Seelen ungarischer Einwohner, weil sie Juden sind. — Und kommen wir auf den Grund, auf die letzte Ur- 43 *