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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-21 · Heft 43 (21.10.1844) · p. Seite 612

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 43 (21.10.1844)
Date
1844-10-21
Page
Seite 612 (sequence 8)
Language
German
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612 anders als — die jüdischen Notablen fanden, die uneigennützigen Vertreter der Judensache vor der Gesetzgebung! Ehe es zu gegenseitigen Erörterungen kommen konnte, wurden letztere, da sie früher gemeldet waren, vorgerufen. Die Gefahr des ersten Eindrucks giebt unfern Vorstandsmännern Muth und der optimistische Grundsatz ir« rtisa- •'tvfcffl ■pp;: that seine Wirkung. Herr Sanwel Brüll, das einzige Mitglied des hiesigen Gemeindevorstandes, welches geläufig deutsch liest und etwas orthographisch schreibt, drängt sich mit einer nur der wahren msas rtsrp verzeihlichen Frechheit in den Audienzsaal, und zog seinen Begleiter nach sich. Als die Notablen hier Sr. Exzellenz die dringensten und zugleich bescheidensten Vorstellungen von der Nothwendigkeit äußerer und. innerer Verbesserungen gemacht hatten, und Se. Exzellenz im Begriffe war zu antworten, da wirft sich Herr Sanwel in's Wort um Se. Exzellenz zu überzeugen, daß Alles nicht wahr ist, so daß der Wortführer der Herrn Notablen sich genöthigt sah, dem unberufenen Skandalmacher schweigen zu heißen. Se. Exzellenz, ein feiner Hofmann, die unerquickliche Situation merkend, gab derselben durch eine die Bestrebungen der aufgeklärtem Israeliten würdigende Antwort eine geschickte und rasche Wendung und entließ die Herren Notablen unter den günstigsten Versprechungen. Einige Schritte vor der Thür Sr. Exzellenz ging die Explosion los. Da gab es Schimpfworte und Vorwürfe in Fülle. „Wir sind eben so gut Dcputirte als Sie" hieß cs von der einen Seite. „Sie sind deputirt um über die Ablösung der Toleranzsteuer mit zu berathen, aber nicht die heiligsten Interessen unseres Volkes zu kompromittiren. Wo haben Sie Ihre Kreditive? u. s. w." lautete es von der andern Seite. Herr M. H. Singer, erster Vorsteher, der hiesigen Gemeinde, bemühete sich den Zwist durch beschwichtigendes Zureden beizulegen, was ihm aber nicht gelang. Später forderte die Deputation des hiesigen Vorstandes die Herren Notablen zu einer Konferenz aus, diese erklärten aber, über jeden andern Gegenstand mit den einladenden Herren privatim konvcrsiren, keineswegs aber als Deputate der ungar. Juden mit einigen Herren, die sie nicht als solche anerkennen, eine Konferenz halten zu wollen. Durch diese Antwort sieht sich nun der hiesige Vorstand berechtigt, die Bestrebungen der Bessergesinnten durch persönliche Agitation fruchtlos zu machen.-Was ist aus euch geworden ihr Männer der Orthodoxie, daß euch die L'SiLiv daran erinnern müssen, „keinen bibn zu machen!" — Die hiesige Deputation ist übrigens, wie sich erwarten läßt, bereit, alle mögliche Mittel aufzubieten, namentlich das Rabbinerseminar und ähnliche man nrtta zu hintertreiben. Daß ihr dieß durch gewisse'Umstände, die zu den «n: «bas ü'na'j airob gehören, gelingen wird, läßt sich kaum bezweifeln. Preßburg, 3. Oktober. (Privatmitth.) Anbei erhalten Sie den Repräsentationsvorschlag der ungarischen Ständetafel an Se. Majestät den Kaiser von Oesterreich als König von Ungarn, in Betreff der Juden. Ew. Majestät u. rc.! Die allgemeinen Rechte der Menschheit und die ewige Gerechtigkeit verlangen es mit lauter Stimme und auf's dringendste, daß die Gesetzgebung die Juden — eine Volksklasse, die viele Jahrhunderte hindurch mit einem feindlichen Schicksale kämpfend, vom bürgerlichen und gesellschaftlichen Leben beinahe gänzlich ausgeschlossen, das drückende Joch der Erniedrigung trägt — in dem Staate, von dem sie bisher nur die Lasten trugen, auch der Wohlthaten desselben im gerechten Maaße betheilige. In unserer Repräsentation vom 24. April 1840 haben wir dieß umständlich entwickelt und unsere Vorschläge in einen eigenen Gesetzartikel gefaßt, der allerhöchsten Sanktion Eurer Majestät unterbereitet. Aus der allergnädigsten königl. Resolution vom 10. Mai 1840 aber haben wir entnommen, wi< unsere Vorschläge nur einem kleinen Theile nach angenommen wurden. Das Bewußtsein, daß diese Vorschläge auf Gerechtigkeit basirt sind, ließ uns nicht den Schmerz verschweigen, den die angeführte allergnädigste k. Resolution uns verursachte. Da der Reichstag aber damals nur noch einige Stunden zu dauern hatte, und die gegenseitigen Konferenzen nicht länger fortgesetzt werden konnten, so ging nur das in's Gesetz über, was der Artikel 29 vom Jahre 1840 enthält. So wenig und unbefriedigend dieß auch ist, so zeigt doch die Erfahrung, welche die Zeit seit der Entstehung des gedachten Gesetzartikels bietet, daß

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