Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1844)
- Date
- 1844-10-21
- Page
- Seite 611 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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611 kularsitzung vom 7. September entworfene Gesetz- I artikel über die Juden in einer ständischen Reichstagssitzung mit der Modifikation angenommen worden, daß die Juden alle Künste und Wissenschaften, die Advokatur ausgenommen, ausüben dürfen. Se. Exzellenz der königl. Personal machte den Vorschlag zu dieser Modisikation. Aus der Freigebung der Advokatur, sagte er, erfleht dem jüdischen Volke kein so großer Vortheil, der die Antipathie aufwiegen könnte, welche durch diese Konzession bei dem Advokatenstande gegen die Judensache erhoben würde, der bei uns die öffentl. Meinung beinahe ausschließlich repräsentirt. Man nennt uns ohnehin die Advokatennation psr excellencs und unsere Advokaten pflegen besonders in letzterer Zeit mit ihrem Geschäfte noch ein anderes (das „Geldverschaffen" nämlich) zu verbinden, wodurch sie diesem Stande gewiß keine Ehre machen; bedenkt man nun daß die Juden, Gott bewahre mich ihre Moralität im Entferntesten in Zweifel ziehen zu wollen, vermöge ihrer bisherigen Lebensweise mehr Geschick zu diesem Geschäfte haben, welches nicht unter die solidesten gehört, als die Christen, so erscheint es gar nicht rathsam, daß den Juden, die wir der Agrikultur und dem Handwerke geneigt machen müssen, der Weg zur Advokatur geöffnet werde. Auch dießmal bemüheten sich die zahlreichen Gegner der Juden gegen letztere auf jede mögliche Weise loszuziehen. Da ihnen Niemand Widerstand leistete (die Opposition war größtentheils abwesend und die anwesenden Mitglieder gewissermaßen müde gehetzt) so glich ihr Kampf jenem lächerlichen Windmühlenkampf, der in diesen Mauern nicht zu den seltensten Schauspielen gehört. Diese „Wächter der Republik" haben bei solchen Gelegenheiten immer die „edle" (?) Absicht, der Denkweise ihrer Kommittenten und ihrem eigenen Rednertalente im Diarium ein Denkmal zu setzen. — Se. Erzellenz der königl. Personal beobachtete bei dieser Gelegenheit das feinste Benehmen gegen die ewig« Gerechtigkeit die „einstweilen," „jedoch," „aber," „allein" die wirksamsten Waffen sind, und daß die Rüstkammer des sogenannten positiven Rechtes an solchen Waffen sehr reich ist, darf nicht erst erzählt werden. Gestern kam der Gesetzvorschlag bei den Magnaten in Verhandlung. Angenommen wurden der erste, zweite, dritte und vierte Paragraph. Die übrigen | Paragraphen, betreffend die Ausübung der schönen Künste und Wissenschaften, worin die Magnaten keine Neuerung wünschen, dann das Erziehungswesen, welches bis zur Verhandlung des Gesetzvorschlags über die Volkserziehung vertagt werden soll, wurden abgelehnt. Kommt der Gesetzvorschlag zu den Ständen zurück, so ist vorauszusehen, daß diese die Modifikationsvorschläge der Magnaten bis auf die Ausübung der Apotheker- und Jngenieurkunst und die Errichtung des Rabbinerseminars ohne Schwierigkeit annehmen werden. Diese zwei Punkte werden ihre Verfechter haben, und erst bei einer zweiten oder dritten Verhandlung durchfallen. Für die Juden sprachen bei den Magnaten, Graf Karl Zay, Graf Ziep, Trhanyi, Graf von Temes. Entschieden gegen dieselben sprach Niemand außer dem Obergespann Rudies. Für einzelne Konzessionen waren Graf Sröchenyi, der Oberstlandesrichter Mailüth, und so weit es sich aus den wenigen und unbestimmten Worten Sr. k. k. Hoheit des Palatins entnehmen ließ, dieser selbst. Von Seite der Geistlichkeit erklärte sich ein Bischof gegen die Konzession, daß die jüdischen Handwerker mit christlichen Gesellen arbeiten dürfen. Seine Bemerkung hatte jedoch keinen andern Erfolg, als daß er von linken Zentrum zurecht gewiesen wurde. Besonders verdient erwähnt zu werden, daß die Geistlichkeit sowol in der untern als in der obern Kammer übrigens nicht im mindesten auf die Diskussion influirte. Die Repräsentation an Se. Majestät ist ein wichtiges Aktenstück: ich werde nicht unterlassen, die deutsche Uebersetzung nächstens einzuschicken. Von den jüdischen Notablen war seit zwei Monaten keiner hier. Als die Kunde von den Zirkularbeschlüssen in Betreff der Juden nach Pesth kam, begaben sich einige derselben hiehcr, um Sr. Exzellenz dem k. Personal und den Mitgliedern der hohen Magnatentafel ihre Aufwartung und ihre Vorstellungen zu machen. Mittlerweile hatte der hiesige Gemeindevorstand beschlossen, zur Hintertreibung des Rabbinerseminars alles mögliche aufzubieten. Zwei Mitglieder des Vorstandes begaben sich allsogleich zu Sr. Exzellenz dem königlichen Personal. Aber wie erschraken sie, als sie im Antichambre Niemand