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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-21 · Heft 43 (21.10.1844) · p. Seite 610

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 43 (21.10.1844)
Date
1844-10-21
Page
Seite 610 (sequence 6)
Language
German
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610 die wenn sie auf der wjs-' keine Rosen für sich blühen sehen, einen Sprung nach Prag machen, ihre und sonstige Kleider des Zeremoniell um einen vierten Theil der ciceronischen Briefe, die mendelsohnschen Morgenstunden, Klopstocks Messiade rc. (von dem sie natürlich nicht ein Wort verstehen) vertauschen, und haben sie ihren Ranzen voll mit vielen solchen alten Büchern, dann kündigt ein Postbrief der entlegenen Vaterstadt die Ankunft eines gepriesenen Weisen, Denkers, Sprachforschers, und weiß der liebe Himmel was alles noch (und das ist alles faktisch) an und in Bälde zieht die gelehrte Individualität in die Mauern ihrer glücklichen Vaterstadt. Die erstaunten Freunde bei dem Auspacken seiner heimgebrachten Schätze (die vielen antiquarischen Folianten meine ich hier) erlasse ich mir zu schildern, und will lieber die Thatsache verfolgen. Dieser Tage hatte ich nun das Vergnügen, in der Wohnung des ehrenvollen hiesigen Herrn Rabbiners mich mit dem sehr achtbaren, liebevollen und gelehrten Herrn Moses Weinrcb, Rabb. aus Schlaiming, sowol in wissenschaftlicher als weltlicher Beziehung zu unterhalten, und als ich ihm so recht huldvoll nach der Weise eines jüdischen Geistlichen gesunden, wagte ich die Frage an ihn zu richten, wie er als kluger und verständiger Mann in seiner eignen Gemeinde es so weit kommen ließ, wie es die Allg. Zeit, des Jud. berichtet, worauf er in Gegenwart des hiesigen Herrn Rabbiner die Thatsache folgendermaßen erzählte. Ein Jüngling, den er von früher als rechtschaffen und ehrlich gekannt, kommt nach einem einjährigen Aufenthalte in Prag nach Haus und ersucht ihn, er wolle ihm erlauben, in der Synagoge predigen zu dürfen, und ohne Anstand erlaubt er ihm zu predigen, und fand sich sogar selbst bei der Predigt ein. Nachdem der Prediger nun nichtssagend über den Lenz (!) gesprochen, sprach er: Ich will euch sagen, was der Zweck meiner Rede ist; Ich will euch reformiren, und sagt mir Einer unter euch, groß oder klein, alt oder jung: Was ist denn das eigentlich Religion? „Weiß einer von euch was Religion ist? Was ist das eigentlich Mosaismus?" Welche Keckheit! Welche Unverschämtheit! Und was meinen Sie that der Herr Rabbi? Er erhob sich von seinem Sitze und — entfernte sich aus dem Gotteshause, verzeihend dem Gottvergessnen. Kurze Zeit nachher heirathete das Individuum, und der Schwiegerpapa bestürmte den Rabbi, er möchte doch noch einmal erlauben seinen Schwiegersohn zu (ja zu predigen werden wir ja das nicht nennen) die Kanzel zu besteigen, und der bescheidene Herr Rabbi erlaubt es abermals. — Nach Verlauf einiger Zeit nimmt sich nun mein lieber Mann einige seiner Freunde, geht mit ihnen mir nichts dir nichts in die Synagoge, und stellt sich, wie er es heißt predigen. Nun kommt Jemand zum Rabbiner und sagt ihm, der und der predigt in der Synagoge. DekjRabbi nun will sich sein Recht nicht nehmen lassen, schickt zu dessen Bruder, ihn zu fragen, was denn das für eine Art sei, ohne seine Erlaubniß in seine Gränze zu schreiten; derselbe wird gleich aufbrausend, ruft dem Prediger zu, er möchte still sein, der Herr Rabb. wolle nicht zugeben) daß er predige. Der junge Gatte sängt zu weinen an, die heißen Thränen werden zu Flammen in den Herzen seiner Freunde, und nun geht es über den Rabbiner her, man stürmt sein'Haus, und wenn er sich nicht fest die Thüre verschließt, ist er den schrecklichsten Mißhandlungen auSgesetzt. Die Behörde will ihm nun Hülfe leisten, die er aber wieder sehr bescheiden zurückweist, indem er spricht: „Ich als Vater muß das Vergehen meiner Gemeinde mit Gnade bestrafen." Gott lohne solchen Edelmuth. Nichtsdestoweniger wird der Herr Rabbi durch Herzensverdruß gefährlich krank, und muß in den wichtigsten Tagen seine Gemeinde, die er als wahrer Vater liebt, verlassen, und nach wiener Baden reisen) um dort die heilvollen Bäder zu gebrauchen, wo er aber den dort versammelten Juden aus allen Zonen der Welt und sehr vielen Wienern, denen gewiß Geschmack nicht abzusprechen ist, durch seine frommen begeisterten Lehren die heiligen Feiertage verherrlicht hat. — Ist es so weit mit dir Israel gekommen? Achtzehn Male schrie der begeisterte Prophet Weh! Weh! über Israel, und ruhete nicht bis er sprach nbprni lpt2 iws-t latrr. Ist es mir gewiß sehr unangenehm, die Spalten dieser geschätzten Zeitschrift zu einem für jedes fromm fühlende Herz so unerfreulichen Artikel in Anspruch zu nehmen, so ist Gott mein Zeuge, daß ich es nur gethan um die Wahrheit an den Tag zu fördern. Simon Deutsch. Presiburg, 2. Oktober. (Privatmitth.) Vorigen Samstag (28. September) ist der in der Zir-

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