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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-21 · Heft 43 (21.10.1844) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 43 (21.10.1844)
Date
1844-10-21
Page
Seite 606 (sequence 2)
Language
German
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606 uns zu schwinden brauchen, da sich Ln ihr das tclu gißse Interesse konzentrirt. 2) Die hebräische Sprache ist diejenige, in welcher die ganzen bisherigen Geistesbewegnngen Israels, unsre ganze Vergangenheit vor sich gingen, Ln der unser Verstand, unser Gern üth, unsre Freuden, unsre Leiden, unsre Höhe und unsre Erniedrigung sich aussprachen. Wir brächen also mit unsrer ganzen Vergangenheit, wir vernichteten uns selbst, so wir die hebräische Sprache von unsren Lippen nehmen würden. 3) Die hebräische Sprache ist also diejenige, in welcher alle Geistesschätze Israels niedergelegt sind, das, was uns groß und wirksam gemacht für die ganze Menschheit, das, was uns erhalten hat und was uns noch erhält. Wir könnten dieselbe nicht mehr genießen, nicht mehr aus ihnen schöpfen, sie gehörten nicht mehr unser. — Es versteht sich von selbst, daß wir hier die Masse im Auge haben, indem das Judenthum sich mit einer kleinen Schaar auserwählter Kenner nicht begnügen kann. Und wie lange würden die jüdischen Geistlichen die hebräische Sprache noch studiren? 4) Die hebräische Sprache ist ferner das Band, welches alte Glaubensgenossen gerade als einen religiösen Körper mit einander verknüpft, sie gerade in ihren religiösen Interessen und Eigenschaften als eine Einheit hinstellt. Allerdings würde dieses Band der Sprache als ein äußerliches keine Bedeutung und Wirksamkeit haben, wenn der Geist und das Bekenntniß keine einigen wären. Allein diese in ihrer Einigkeit zu erhalten, bedarf es wieder eines Organs, eines Trägers, und das ist die Sprache*). Israel würde *) Als in der Rabbinerversammlung so viel. gegen die hebräische Sprache gesprochen ward, sagte ein Christ des Tages zu uns: Die Herren scheinen sich des trefflichsten Gutes begeben zu wollen, das die Juden zur Verständigung besitzen. Was macht die katholische Kirche eben katholisch, (-allgemein,) daß die Katholiken unter sich als solche in den entferntesten Gegenden Interesse für einander, für ihre Kirche besitzen? Ganz besonders ihre Kirchensprache, die lateinische. Warum ist der Protestantismus so zerfallen? warum fragt der deutsche Protestant Nichts nach dem französischen Protestanten, und vice versa ( warum sind sie so gleichgültig für einander? Weil sie durch nichts ein gemeinschaftliches kirchliches Gefühl haben, durch keine Sprache! — Das sprach ein Christ. auch als religiöse Genossenschaft auseinanderfallen und sich auflösen, so ihm dieses Band genommen würde. Daß hiermit ihre bürgerliche Stellung gar Nichts zu schaffen hat, sieht man leicht ab, wir berufen uns den Judenfeinden gegenüber hierin nur auf die Katholiken, die noch Niemand des Mangels an Patriotismus gezecht hat, weil sie lateinische Messe und Gebete haben. Wenn der Mensch niemals vergessen darf, daß er Bürger ist, so darf der Bürger auch niemals vergessen, daß er Mensch ist, als Mensch ist aber der Israelit— Israelit. 5) Die hebräische Sprache ist diejenige, welche dem Israeliten seine höchste Bestimmung als solchem giebt und erfüllt. Die Bestimmung Israeli ist die Religion, Israel hatte und hat die Bestimmung, das Religionsvolk zu sein inmitten der Menschheit. Die hebräische Sprache ist die vollendete Re ligionssprache. Auf jedem andern Gebiete ist sie arm und schwach: auf dem der Religion hat sie eine uuendlichc Fülle und Tiefe. Darum ist auch das höchste Religiöse und das höchste Gebetliche in ihr ausgesprochen. So ist die hebräische Sprache dem Israeliten der -Boden, aus dem ihm seine Bestimmung erwächst und deren Erfüllung ermöglicht. Zwar hat man hiegegen gesagt, daß die hebräische Sprache unsrrm veränderten und erweiterten Jdeenkreise nicht mehr entspräche. Wir geben das zu in allen anderen Beziehungen, nur nicht in religiöser. In der gemüthlich-religiösen Beziehung kann sich der Ideen kreis nicht verändern und erweitern, als er in unsren heiligen Schriften gegeben und gezeichnet ist. Anders verhält es sich mit der religionsphilosophischen Weise, die aber hier nicht hergehört. 6) Gehört hierher, daß die hebräische Sprache, so sie richtig und würdig ausgesprochen wird, eine Erhabenheit und Majestät der Töne besitzt, in welcher keine Sprache sie übertrifft. Alles dies ist die hebräische Sprache für uns, und wir würden uns alles dessen begeben, so wir die hebräische Sprache aus dem Gottesdienste, und damit aus der Masse gänzlich schwinden ließen. Wir würden das, was — ist nur anderweitig für die Verständlichkeit und Würde gesorgt, wie wir weiter unten ausführen werden — um Aber die Juden sind jetzt zu superklug. Sie leiden miteinander, aber ihre Vortheile verstehen sie nicht mehr. Die allgemeinen Theorieen verdrehen ihnen die Köpfe. Redakt.

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