Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 43 (21.10.1844)
- Date
- 1844-10-21
- Page
- Seite 607 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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607 ferm Gottesdienste die höchste Heiligkeit giebt, und eine ganz besondre Majestät verleiht, ja ihn mit dem Wesen der Offenbarung durchtränkt und verknüpft, nehmen und aufgeben; wir würden unsre Gegenwart von Israels Vergangenheit gänzlich Lsoliren; wir würden das Band der Glaubensgenoffenschaft gänzlich auflösen nnd alle Einheit in ihr zerstören; wir würden den Israeliten seiner besondern Bestimmung als Mensch gänzlich entrücken. Der Israelit, der diese Momente nur irgend zu würdigen weiß, wird daher die hebräische Sprache im Gottesdienste nicht entbehren wollen. Mit einem Worte: der israelitische Gottesdienst würde, aufhören, ein israelitischer zu sein, so die hebräische Sprache aus ihm verbannt würde. Eine andere Frage ist aber, inwieweit die hebräische Sprache beim Gottesdienste angewendet werden müsse, und diese wollen wir jetzt näher in's Auge fassen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Deutschland. Luxemburg, im Oktober. (Arch. isr. de Fr.) Man schreibt von hier aus, daß der Bischof von Luxemburg den Seminaristen verboten hat, den Predigten des Oberrabbinen Hirsch beizuwohnen. Derselbe war von der Freimaurerloge dieser Stadt ausgenommen worden, und bezeichnte mit energischen Ausdrücken in Gegenwart mehrer preußischen Offiziere die Intoleranz der preußischen Logen, welche die israelitischen Freimaurer nicht zulaffen. Dresden, 12. Oktober. (Privatmitth.) In der jüngst stattgefundenen Versammlung deutscher Philologen waren auch mehre Juden zugegen, als es einem Gelehrten einsiel, in einem etwas humoristisch sein sollenden Vortrage Seitenhiebe auf Juden fallen zu lassen. Sofort sprach sich der Vorsitzende und die ganze Versammlung energisch hiegegen aus, und der Sprecher erschien nicht wieder in den Sitzungen, indem er zugleich sich schriftlich entschuldigte, er habe es durchaus nicht auf eine Beleidigung abgesehen gehabt. Frankfurt am Main, im Oktober. (Privatmitth.) Der Advokat Goldschmidt, einer der Leiter des sogenannten Reformvereins, hat sein Votum über die Aufhebung des Sadbatvorrechtes bei Wechseln dahin abgegeben, daß man sich in allen juridischen und gesetzlichen Angelegenheiten nur nach der M ehrzahl zu richten habe. Wahrlich, ein schöner Grundsatz, der der Gewissensfreiheit den höchsten Schutz gewährt! Mit solchen Prinzipien kann man Alles erzwingen und die Praxis jedes Kultus der Minorität unmöglich machen. Was würden die Katholiken sagen, wenn man ihnen die Haltung ihrer besonderen Feste in protestantischen Ländern nehmen wollte, weil sie die Minderzahl? Hamburg, Anfang Oktober. (Privatmitth.) Allerdings hat der Tempel die Menge seiner Anhänger bekundet, und muß bald wieder zu einer Vergrößerung schreiten. Steht es mit der Synagoge eben so? Darum, daß alle Vorschläge, nur in Etwas unfern Gottesdienst würdig herzustellen, von Chacham und Vorstehern zurückgewiesen wurden, daß man keinen sprach - und gesangkundigen Vorbetcr, keinen angemessnen Prediger anstellen wollte, verläßt unsre Jugend die Synagoge ganz, und strömt dem Tempel zu. Ein andrer Theil läuft an den hohen Festtagen wieder auf einen niedrigen, finstern Boden zum Gebet, und ein neuer Abfall droht der Synagoge durch —■ das portugiesische Bethaus. In diesem herrscht Ordnung, betet ein höchst trefflicher Vorsänger, Herr Eassuto, der auch sehr schöne Vorträge hält. Die Portugiesen habenjetzt eine glückliche Akquisition gemacht, indem sie den vorigen Tempel vom Hauseigenthümer gemierhet haben, und ihnen die Tempeldirektion die innere Einrichtung unentgeldlich überlassen hat. Ein Theil der Synagogenbesucher will sich nun der portugiesischen Synagoge anschließen, und dadurch wird die Geistlichkeit und der Vorstand endlich empfinden, wie weit Eigensinn und Unthätigkeit führen. Endlich, endlich wird jedes Kind fragen, welchen Gewinn bringen die Tausende, die die Gemeindekaffe jährlich auszahlt, und müssen wirklich Viele die Thorheit Einzelner mit ihrem Gelbe bezahlen? Einer der 120. Hamburg, im September. (Privatmitth.) Viele Flüchtlinge aus Rußland, worunter mehre, die an der Festung in Posen gearbeitet, irren jetzt auf