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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-14 · Heft 42 (14.10.1844) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 42 (14.10.1844)
Date
1844-10-14
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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599 sn anderen Punkten der Monarchie, während gerade, hier ein gutes Einverständniß vorherrscht; der Eine läßt sich herab und ist in seiner Herablassung mild; der Andere genießt davon und fügt sich in sein Koos; dagegen erzeugt die Gleichordnung, die allein in brüderlicher Eintracht die wahre Menschenliebe, die wahre christliche Liebe auszuüben Gelegenheit giebt, Feindseligkeit und Feindschaft. Die Ursache dieses ganzen Verhältnisses liegt aber in der Ungleichheit der Gesetze. Daß Behörden anders über die Juden als über die Christen verfügen, das ist es, was früh den Keim legt für die allmälige Bildung einer Kluft, aus der nur Unheil und Ungerechtigkeit hervorströmt, und die mancher verkehrten Lehre Raum giebt. Eine Gleichstellung vor dem Gesetze würde im Staate bald eine friedlichere Gesinnung hervorbringen, und man würde nicht nöthig haben, über „Rohheit, Muthwillcn und Fanatismus," wie es in dem besagten Reskripte heißt, die noch im Staate sich fänden, zu klagen. Indessen soll hiermit nicht die Verwaltung getadelt werden, wir gehören nicht zu denjenigen, die einen absoluten Rechtsstaat fodern, wir wissen wohl, daß Ausnahmegesetze von Zeit zu Zeit nöthig sind; was aber die Sache so schlimm macht, ist das öffentliche Bekanntmachen solcher Gesetze, auch da, wo es nicht nöthig ist. Würde ein Ausnahmegesetz erlassen werden, das Verhältnisse zwischen christlichen Bürgern und Juden berührt, dann muß natürlich ein solches Gesetz zur öffentlichen Kunde gebracht werben; betrifft es aber nur die Administration, dann sollte cs durch ein Zirkular allen Behörden mitgetheilt, nicht aber in öffentlichen Blättern, die in allen Schenken gelesen werden, zur Schau gestellt werden. So lasen wir beispielsweise in dem Amtsblatte vom 13.August in polnischer .und deutscher Sprache von der Negierung oiusgcschrieben eine das Paßwesen der Juden betreffende Bestimmung, und dergleichen giebt es fast jede Woche zu berichten. Mit dem Paßwesen hat nicht der Bürger, sondern die Behörde zu thun, es würde also genügen, wenn unter Amtsgeheimniß die wiederholt in Erinnerung gebrachten Verordnungen durch ein Zirkular angezeigt worden wären. Jetzt dagegen scheint es, als wenn alle Juden hausirten und alle als vagabundirende zu betrachten wären; das Gesetz nennt den Namen „Juden," und es ist schlimm genug, daß nicht gegen alle Hausirer gleiche Maßregeln genommen werden, noch schlimmer, daß von Behörden die „Juden," deren es doch auch gewiß manche würdige giebt, im Allgemeinen so behandelt werden. Das ist der vorzüglichste Grund, wodurch die Gereiztheit entsteht; es wird ewig und ewig von Behörden öffentlich ausgesprochen, die Juden sind gesetzlich andere Menschen, und unterliegen anderen Verordnungen, daher kommt hier das Mitleiden, dort der Haß, der sich dann bei jedweder Veranlassung leider kund thut; daher der Mangel an wahrer Menschenliebe. Mögen darum die Behörden, wenn es nicht dringend nothwendig ist, die Juden betreffenden Vorschriften nicht öffentlich machen, und die Mißstimmung wird in einer anerkannten Gleichachtung sich sehr verlieren. Königsberg, 26. September. Unter der jüdischen Gemeinde war in dieser Zeit viel Aufregung. Das Anfangsgebet für den Abend des Versöhnungsfestes ward auf ehrenrührige Weise zum Gegenstände einer Zeitungsannonce gemacht. Die Rechtfertigung ward leicht, doch setzt die allzu milde Zensur bei judenfeindlichen Partien in Erstaunen, das sich dadurch steigerte, daß sie gerade kurz vor dem Feste waltete. Einen noch größern Schmerz verursachte cs der Gemeinde, daß gerade zur Zeit ihrer heiligen Feiertage zwei junge, hoffnungsvolle Israeliten ihrem Leben selbst ein Ende machten. Der Eine, ein Maler, sprang in dem Pregelfluß und ertrank, der Andere, ein Primaner, dem am Kneiphösischen Gymnasium ein schlechtes Prognostikon beim Abiturientenexamen gestellt wurde, hat sich erschossen. Meseritz, 30. September. (Privatmitrh.) Haben Sie sich durch die Aufnahme unsrer Aufforderung und Bitte in die Allg. Zeit, des Judenth. um uns ein wesentliches Verdienst erworben, so ersuchen wir Sie auch um gütige Aufnahme folgender Danksagung. Um den tiesverschuldeten, durch zwei Feuersbrünste gänzlich verarmten jüdischen Gemeinde in Meseritz lGroßherzogthum Posen) zum Besitz eines ihr unentbehrlichen Schullokals zu verhelfen, hat deren Schulinspektor edle Israeliten um Hülfe angegangen. Der Erfolg seiner Bemühungen war so glücklich,

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