Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1844)
- Date
- 1844-10-14
- Page
- Seite 596 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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596 Nach mehreren ganz allgemein gehaltenen Reden gegen und für die Juden, worin diese von dem Deputirten für Zemplvny *) Aristokraten genannt wur-! den, die nicht emanzipirt zu werden brauchen u. s. w. wurde die Diskussion um 12 Uhr Mittags unterbrochen, weil auf diese Stunde eine Regnikolarsitzung angesagt war. Den andern Lag (Samstag den 7. September) wurde die Verhandlung fortgesetzt. Merkwürdig war die Aufregung unter der bei 1500 Köpfen starken Zuhörerschaft. Die populärsten Redner konnten nur mit Mühe zu Worte kommen, vor dem ausgelassenen Zischen, das sich so oft wiederholte, als ein Mitglied zu Gunsten der Juden spre-! chen wollte, worin sich höchstens einige einzelne „Eljens" (Beifallruf) wie rari nantes in gurgite vasto mischten. Unter den Rednern selbst zeigte sich weder von der einen noch von der andern Seite ein großer Enthusiasmus, was sich daraus erklärt, daß die Gegner der Juden ihres Sieges und die Freunde ihrer Niederlage zu gewiß waren. Am schimpflichsten hat sich der Deputirte von Preßburg ausgesprochen; denn obgleich einige ehrenrührige Ausdrücke in seiner Rede wie z. B. „wenn es den Juden in unserem Lande nicht gefällt, so mögen sie es verlassen, ich werde sie gewiß nicht zurückhalten" mehr seiner barschen Weise, die mit seinem etwas betyarischen Exterieur schön harmonirt, zugeschrieben werden muß, so bleibt es doch immerhin schimpflich für einen Ge-! setzgeber, sich offenbarer Lügen zu bedienen, um ei-! ner Bolksklasse von 240,000 Seelen die Ehre abzu-! schneiden. Aber warum grade der Deputirte von Preßburg? — nichts ohne Ursache!... Endlich wurde votisirt. Der erste Paragraph: „die Loleranzsteuer soll abgeschafft werden" wurde einstimmig ange-! nommen (dieß erklärt sich aus einem besondern j Umstande, auf den ich bei Gelegenheit zurückkomme). Der zweite Paragraph: „die Juden haben in allen Theilen des Landes dieselben bürgerlichen Rechte, welche von den übrigen nichtadeligen Einwohnern °) Iemplönyer Komitat granzt an Gallizien, und die dortigen Juden unterscheiden sich wenig von den galizischen. Ujhely, der erste Fabriksort für ma^p in Ungarn, Residenz weiland M. Teitelbaums dessen Geschäft jetzt von seinem Enkel ebenfalls als Rabbiner dieses Ortes betrieben wird, ist die Hauptstadt des Komitats, Korr. ausgeübt werden," wurde mit 35 gegen 13 Stimmen verworfen. — Nun kam es an das spezielle Erzeptivgesetzprojekt. Dieses enthält folgende Paragraphe: §. 1. „die Toleranzsteuer wird abgeschafft" (wurde wie oben mit Akklamation angenommen). §. 2. „Die Juden dürfen in allen Theilen und Gegenden des Landes in allen- Städten und in allen Theilen derselben ohne alle Beschränkung wohnen" (wurde mit 37 gegen 12 Stimmen angenommen). — §. 3. „Sie haben das Recht adelige Gründe in Pacht zu nehmen, Urbarial- und städtische Gründe anzukaufen" (mit 42 gegen 7 Stimmen angenommen. .Der bei dieser Gelegenheit vom abaujer Deputirten gemachte Vorschlag, daß die Juden adelige Gründe als Pfänder besitzen dürfen sollen, wurde mit 25 gegen 24 Stimmen verworfen). — §.4. „Sie dürfen ihrer Religion wegen in der Eröffnung und Betreibung von Fabriken, Handwerken und Handlungen unter keinem Vorwände gehindert werden. Jene Künste und Wissenschaften in deren Ausübung sie bis jetzt waren, können sie auch fernerhin unbeschränkt betreiben." (Dieser Paragraph theils beschränkend, theils erweiternd abgeändert. Es wurde nämlich der erste Satz folgendcrwcise umgcstaltet: „die Juden dürfen Fabriken, Handwerke und Handlungen —so lange die Zünfte nicht gesetzlich abgeschafft sind — unter denselben Verbindlichkeiten, die auch den Christen obliegen, eröffnen und betreiben. Die Zünfte dürfen dieselben jedoch unter keinem Vorwände und auf keine Weise daran verhindern, sowie die Stadtbehörden verpflichtet sind, alle etwaigen Mißbräuche zu verhindern und zu beseitigen." Der zweite Theil erhielt die Erweiterung, daß anstatt „jene Künste und Wissenschaften u. s. w." die Worte: „alle Künste und Wissenschaften gesetzt wurde, worin auch die Advokatur, Apotheker- und Jngenieurkunst, die bisher untersagt waren, einbegriffen sind). Der fünfte Paragraph enthält die Bestimmungen hinsichtlich der vom Auslande einwandernden Juden. Nach einiger Debatte über diesen Punkt, wurde beschlossen, daß die bezüglichen Bestimmungen dem allgemeinen „Gesetz über die Einwanderer" mit dessen Ausarbeitung ein Komit« beauftragt ist, einzuschalten. Der Gegenstand wäre somit erledigt gewesen; allein da in der ersten Sitzung die meisten Gegner der Emanzipation die Juden wegen ihrer eigenthümlichen