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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-14 · Heft 42 (14.10.1844) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 42 (14.10.1844)
Date
1844-10-14
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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593 Juden ein weites Feld zu Geschäften eröffnet worden und das Geld selbst, welches sie ehedem zu Handelsunternehmungen und Pachtungen auf dem Lande verwendeten, entzogen sie diesen, um damit zu wuchern, was auch die Hauptursache ist, warum die Sympathie verschwunden ist, die am vorigen Reichstag sich für die Juden zeigte. Ich glaube nicht, daß das innere Zusammenhalten der Juden untereinander eine Folge des Druckes ist, ich glaube vielmehr, daß sie darin auch dann verbleiben würden, wenn sie bürgerliche Rechte erhielten. Den Wunsch, daß die Juden vorerst eine Confessio fidei ablegen sollen, finde ich auch gerecht, obgleich ihn Andere eine Abscheulichkeit aus den finsteren Zeiten nennen, denn der Staat kann nur eine solche Religion dulden, die jenen Zwecken nicht widerstreitet. Wir kennen die jüdische Religion nicht, ich halte es daher für nothwendig zu untersuchen, ob darin nicht solche Dogmen sind, die den Staatszweck gefährden, und ich werde mich stets gegen eine solche gefährliche Verbindung vertheidigen. Andere Nationen sind in dieser Beziehung vorsichtiger! Wir haben bisher in den Verbesserungen nichts Neues gcthan; alles war nur Nachahmung anderer Nationen. Wollen wir gerade hinsichtlich der Juden anderen Nationen vorauseilen? Wenn wir sie unbedingt, so leichthin emanzipircn, so würden sie, da sie das meiste Geld in Händen haben, bald ihre Macht über die unsere erheben; denn es bleibt immer wahr, weß das Geld ist, dessen ist das Recht, und Ungarn wird bald alles nur nicht Ungarn sein. Bei uns besitzen die Juden adelige Güter als Pfänder, sie dürfen Handwerke treiben, haben wir aber ein Beispiel, daß ein Jude sich mit der Landwirthschaft beschäftigt; von christlichen Gehilfen läßt er die Arbeit verrichten und er benützt seine Zeit zu dem lasterhaften Wucher. Redner hält den Art. 1840 für genug, den jetzt projektirten Gesetzvorschlag kann er schon darum nicht annehmen, weil die Nichtadeligen in den letzten Zirkularsitzungen das Recht Grundbesitz zu erwerben und die Zulässigkeit zu Aemtern erhielten. Wird dieser Gesetzvorschlag angenommen, so werden die Juden bald allen Grundbesitz und alle Aemter inne haben. Diesem folgten noch mehrere Reden für und gegen die allgemeine Emanzipation der Juden.— Der Deputirte v. B. sagte im Verlauf seines Vortrags, daß er immer mit einer gewissen Pietät an das jüdische Volk denkt, welches unter so vielen Qualen, Unterdrückungen und Berfehmungen seiner Religion und seinen Gebräuchen treu blieb, und sein historisches Andenken Jahrtausende hindurch aufrecht zu erhalten wußte; eine solche Charakterfestigkeit schätzt er in jedem Menschen; wie viele Nationen außer den Juden haben es noch vermocht ihren Charakter so lange selbst im Wohlstände zu behaupten? und was thut dieses Volk um die natürlichen Bürgerrechte zu erlangen? hat cs zur Gewalt gegriffen? prätendirt es? nein! es bittet, es steht und erwartet geduldig seine Freiheit. Man sagt, wenn sich die Juden bei uns so schlecht befinden, warum wandern sie nicht aus, warum gehen sie nicht dahin, woher sie gekommen sind? schauen wir aber auf die Länder in unserer Nachbarschaft, sollen sich die Juden etwa in Rußland eine bürgerliche Stellung suchen, wo eine Bevölkerung von 60 Millionen nicht im Stande ist, sich bürgerliche Rechte zu erringen? wir wissen wie dort die Katholiken zur Annahme der griechischen Religion gezwungen werden; wer widersteht diesem Zwange? haben wir nicht vor Kurzem erst gelesen, welcher Zwang da an den Juden ausgeübt wird, wie man sie zur Annahme der Staatsreligion oder nach Sibirien schickt, ist cs dann ein Wunder, wenn sie von dort zu uns kommen, wo sie um etwas weniger gedrückt werden? Warum sie nicht vorhin wandern, wo die Juden emanzipirt sind? — weil jene Länder von uns zu entfernt liegen, so daß die Juden, die der Emanzipation am ehesten bedürfen, dahin aus Mangel an Reisevorrath nicht wandern können. Uebrigens kenne ich kein Land mit einem Parlament, wo die Gesetzgebung für die Emanzipation nicht arbeitete. Es klingt sehr sonderbar, wenn man sagt, daß der Jude als Jude unfähig ist, bürgerliche Rechte auszuüben; ist er vielleicht fähiger dazu, wenn er nicht aus reiner Ueberzeugung, sondern aus materiellen Rücksichten seine Religion verräth und zur christlichen Religion übergeht? Ist es nicht vielmehr achtungswerth, daß der Jude dieses leichte Mittel nicht wählt, wo er nur eine kleine Zeremonie zu bestehen hat, um aller Unterdrückung auf einmal los zu werden; und verschwinden durch die Zeremonie alle die großen Fehler, die man den Juden anzettelt? — Der Deputirte v. V. faßte die Frage vom religiösen Standpunkte auf, und legte den Juden zur Last, daß sie von ihrer alttestame»

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