Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1844)
- Date
- 1844-10-14
- Page
- Seite 592 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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592 lichen allgemeinen Gesctzartikels keine Schwierigkeit machen u. s. w.-Der folgende Redner: Ich erinnere mich wol an jene Grundsätze, die hier in Bezug auf die Emanzipation der Juden vorgebracht wurden, aber ich mag sie nicht wiederholen. Diese Grundsätze waren auch in den Komitatssälen zu hören, aber sie fanden nicht überall Anklang; ich weiß nicht was die Ursache der Veränderung seit dem vorigen Reichstag ist, warum die damals geäußerten Sympathieen verschwunden sind. Ist es, daß wir eine andere Laune haben, daß wir jetzt nicht mehr die Lust haben, das Schicksal der gedrückten Juden zu verbessern? ist es etwa jene traurige psychologische Erfahrung, daß das Volk der Juden immer mehr den Druck fühlt, den wir und unsere Vorfahren auf dasselbe übten und sich dafür rächt? — das göttliche Gesetz der Natur und die Menschenliebe erlaubt es nichr, hier einen Rückschritt zu thun, denn dann erst würde die eben gedachte traurige Erfahrung sich einstellen, von der bisher noch keine Anzeichen vorhanden sind, wie es die Geschichte zeigt, daß es das Gefährlichste für den Staat ist, bürgerliche Rechte zu unterdrücken um religiöser konfessioneller Grundsätze halber, denn dieß hat noch immer einen schweren Fluch nach sich gezogen. Man sagt: man braucht die Juden nicht zu emanzipiren, denn sie sind Geld- Aristokraten; ich frage umgekehrt: ist es zweckmäßig die Geldaristokraten durch einen fortgesetzten Druck gegen uns aufzureizen? ist es gefährlich ihnen bürgerliche Rechte zu geben, so jagen wir sie aus dem Lande und lassen wir sie nicht in dem gedrückten Zustande kümmerlich vegetiren. Manche sagen: sie unterstützen und wünschen die Emanzipation in der Idee, im Prinzip; kommt es aber zur Applikatio, so sind sie anderer Ansicht. Eine solche Unterstützung der Emanzipation ist aber eine Satire auf die ewige Gerechtigkeit; denn die Männer dieser Partei erkennen das Gerechte in der Sache der Juden an und beachten es nicht und halten es nicht würdig, etwas zur faktischen Anerkennung desselben, zur Verbesserung deS Schicksals der Juden zu thun. Vorerst, sagen sie, sollen sich die Juden an uns schmiegen, mit uns vereinen; aber kann es dem Paria in den Sinn kommen, mit dem Braminen sich vereinen zu wollen? schauen wir die Juden nicht in ihren Aristokraten; es handelt sich nicht darum, die Rothschilds zu emanzipiren; diese bedürfen der Emanzipation nicht, diese finden überall eine fürstliche Aufnahme; das arme elende Volk, welches in seiner Ernährung beschränkt ist, dem zahlreiche Nahrungszweige verboten sind, diesem eine bessere Stellung zu verschaffen ist die Aufgabe der Gesetzgebung, um so mehr» da es im Interesse des Staates liegt, die verschiedenen Volksklassen fester an einander zu schlingen. — Ganz entgegengesetzter Ansicht war der folgende Redner. Wenn ich mich an die philantropischen Reden zurückerinnere, die über diesen Gegenstand am vorigen und am gegenwärtigen Reichstag gehalten wurden, worin so oft wiederholt wird, daß wir die Juden unserer christlichen Liebespflicht zuwider unterdrücken, die doch auch Menschen sind wie wir selbst; wenn ich an diese Reden denke, so glaube ich imimmer, cs stehe um die Verhältnisse der Juden in unserem Lande so schlecht, daß diese schaarenweiss aus dem Lande wandern; da ich mich aber in der That vom Gegentheil überzeuge, daß umgekehrt immer mehr Juden einwandern, so tröste ich mich und schließe, die Juden müssen sich doch nicht gar so schlecht bei uns befinden. So lange die Juden eine besondere Sekte iin Staate bilden, will ich ihnen keine bürgerlichen Rechte im Staate cinräumen, diese können sie nur dann erlangen, wenn sie sich an uns schmiegen und sich durch gemischte Ehen mit uns amalgamiren. Die Freunde der Emanzipation sagen immer, sie wollen den Juden nicht mehr Rechte geben, als die nichtadeligen Einwohner des Landes haben; ich muß aber die l. Stände auf die innere Verbindung der Juden untereinander aufmerksam machen, vermöge der sie einen Staat im Staate bilden; werden sie dem Staat nicht durch diese innere Verbindung unter sich selbst schädlich werden, wenn sie bürgerliche Rechte erhalten, da sie ihre Interessen von denen des Staates separiren, für die Nationalität nicht die mindeste Sympathie fühlen? Die Vertheidiger der Juden führen an, daß diese unmäßig belastet sind; von der gesetzwidrigen Toleranzsteuer will ich sie selbst befreien; wenn ihnen die übrigen Steuern, die sie zahlen, in Proportion mit den übrigen zwölf Millionen Einwohnern des Landes noch zu lästig find, so steht es ihnen frei, sich's zu erleichtern; ich will sie nicht mit Gewalt im Lande zurückbehalten. Die Behauptung, daß die Juden keine Gewerbe treiben können, ist nichr ganz, gegründet. Mit der Einführung der Wechselgesetze ist den