Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 8 (1844)
- Issue
- Heft 42 (14.10.1844)
- Date
- 1844-10-14
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
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591 dert der Aufklärung den Vorurthcilen gegen die Juden zu entsagen, die uns schon in der Schule eingeprägk werden; der Haß wird dem chrisil. Knaben in der frühesten Jugend eingeflößt. Das Volk haßt den Juden, denn in jedem Katechismus ist der Judenhaß nebst anderen abergläubischen Lehren enthalten. Dieses Uebel auszurotten ist die Aufgabe des geistlichen Standes, denn je mehr der Haß gegen den Juden bei den Christen zunimmt, desto mehr entfernt sich die göttliche Religion von ihrem Ziele, deren erste und höchste Lehre es ist, den Nächsten zu lieben. Wenn Redner von irgend Jemanden in dieser Beziehung Hülfe erwartet, so ist es der Klerus, von dem er sie aber auch prätendirt. Das Verlangen, daß die Juden vorerst eine eonlossiu lidci oblegen sollen, erinnert an die finsteren Zeiten des vergangenen Jahrhunderts. Wenn in der jüdischen Religion etwas für den Staat Schädliches ist, so müßte man auch in dem Falle darauf Rücksicht nehmen, wenn nicht von der Emanzipation der Juden die Rede wäre. Dieses Schädliche müßte doch im nichtemanzipirten Zustande der Juden noch viel schädlicher sein, weil diese sich unterdrückt sehen. Nun aber sind die Juden nicht cmanzipirt und wir verspüren nicht die mindeste staatswidrige Tendenz bei den Juden, die jüdische Religion ist also kein Hinderniß der Emanzipation. Der Deputirte von Z. sagte, daß die Juden ein Kastensystcm bilden, ich schätze die Eigenschaft des festen Zusammenhalteris der Juden untereinander. Sie unterstützen und helfen sich einander und selbst die eigenen Richter, über die sich der Dep. von Z. beklagt, sind eine Folge dieser Eigenschaft, da es lauter kompromissorische Richter sind, die das Zutrauen der Parteien zu Richtern macht. Unsere Gesetze aber erlauben die Ausübung einer solchen Gerichtspflege und wir selbst machen als Ein-; zelne sehr oft von dem Gebrauch, was sie als Kör-! perschaft gebrauchen. Der Wunsch, daß die Juden, bevor sie cmanzipirt werden/ sich vorerst in unser Erziehungssystem fügen und in ihrer Religion einige Veränderungen vornehmen sollen, heißt soviel als wollten wir sagen, wenn sie cmanzipirt werden wollen, so müssen sie aüshören Juden zu sein. Ich unterstütze die Motion, daß in Pesth ein jüdisches Seminarium errichtet werde; damit aber bin ich nicht einverstanden, daß die Juden dieses Seminarium auf ihre eigene Kosten erbauen müssen; übrigens hat die Gesetzgebung gar nicht das Recht über die Kasse einzelner Menschen zu verfügen. Wenn die Errichtung dieses Instituts im Interesse des Staates liegt, so soll es dieser errichten, besonders da es Pflicht des Staates ist, für die Erziehung aller Glaubensgenossen zu sorgen. Meiner Ansicht nach verdienen die 240 tausend Juden eben so viel Rücksicht vom Staat, als 240 tausend Menschen jeder andern Religion. Wenn wir stolz darauf sind, unsere Zeit das Jahrhundert der Aufklärung, des Fortschrittes zu nennen, so lassen wir der Zukunft kein solches Andenken zurück, welches uns des Vorurtheils anklagen wird. Wir koordiniren am gegenwärtigen Reichstag alle Volksklassen und bemühen uns, dieselben in einen bessern Zustand zu versetzen, so machen wir nicht gerade bei den Juden aus purem Religionshaß eine Ausnahme. Viele sagen, man dürfe die Juden darum nicht emanzipiren, weil sonst die Juden der benachbarten Provinzen schaarenweisr Hereinströmen würden, ich mag mich überhaupt des großen Wortes „Emanzipation" bei dieser Gelegenheit nicht bedienen, denn es paßt gar nicht hieher; wir wollen ja die Juden nicht etwa mit politischen Rechten versehen; wir wollen ihnen ja nur das geben, was ihnen von Gott und Natur gebührt, und dieß nur den eingebornen Israeliten, die für immer hier wohnen; für die Fremden bin ich bereit, welche Bedingnisse immer anzunehmen, wenden wir meinethalben den bei der Amtsfähigkeit ausgesprochenen Grundsatz an; jetzt aber handelt es sich um das Schicksal derjenigen Israeliten, die in Ungarn wohnen; vorerst müssen wir für diese thun, was die Gerechtigkeit verlangt; für die Fremden können wir schon dann die beschränkenden Maßregeln bestimmen. Der Redner stimmt für den ersten Gesctzvorschlag. — Ein anderer Komitatsdcputirter bemerkte: „Wenn den Juden in der Emanzipation mehr Rechte eingeräumt würden, als den übrigen nichtadeligen Einwohnern Ungarns, dann würde er dem allgemeinen Gesetzvorschlage auch nicht beistimmen; sie sollen ja aber nur der Rechte theilhastig werden, "die alle anderen nichtadeligen Landeseinwohner bereits besitzen. Bisher war jede Klasse der bürgerlichen Gesellschaft ein Verfolger der Juden; jeder Nahrungsweg wurde ihnen erschwert und nur auf den Schacherhandel wies man sie an; wer also vorgiebt ein Freund der Emanzipation zu sein, der darf der Annahme des frag-