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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1844-10-14 · Heft 42 (14.10.1844) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
8 (1844)
Issue
Heft 42 (14.10.1844)
Date
1844-10-14
Page
Seite 590 (sequence 2)
Language
German
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590 christliche Dogma von selbst Wegfällen mußte: so weiß man doch andrerseits, wie weit der Nachahmungstrieb sich verirren kann, und wie namentlich eine unterdrückte Kirche, fängt sie erst an der herrschenden nachzuahmen, dieser sich zu adäguiren sucht. Diese Klippe ist Gott sei Dank! seit einem Jahrzehend glücklich umschifft, die jüdischen Theologen haben das Bewußtsein ihres eigenthümlichen Wesens durch sich strömen lassen*), und die jüdische Homiletik hat seitdem einen festen Boden der Selbstständigkeit erlangt. Wie wir aber beim Beginn unsrer amtlichen Wirksamkeit lim Jahre 1834) bereits darauf hinwiesen, daß die jüdische Predigt das große Materiale, welches unsre alte Literatur auch für die Homiletik enthält, nicht vernachlässigen darf, dabei müssen wir noch immer stehen bleiben. Talmud, Midrasch und das Gebetmaterial bieten dem jüdischen Kanzelrcdner tausendfache Gelegenheit, den Kanzelstess in immer interessanter und neuer Weise darzustetlen; jüdische Lebre, Gesetz und Geschichte müssen den Jnbalt der Predigt durchweben. Jndcß diese Bemerkung allein sollte der Zweck dieses Artikels nicht sein, sondern noch folgende. Wir halten es von höchster Wichtigkeit, die am imrw'n 'mü und 71-17'77 früher gewöhnlichen Dräschet von den jüdischen Rednern nicht fallen, sondern auch diese vegetiert rt wieder ersteben;n lassen. Ich verstehe nämlich unter Trascha hier einen, der strengern Pledigtform entzogenen, obwol gehörig geordneten Lehrvertrag über dogmatische und gesetzliche Gegenstände auf dem Grunde unsrer altern tbeologischen Literatur, in welchem daher die talmudischen und rabbinischen Anschauungen, immerhin mit einer dem Orte und der Gelegenbeit angemessneu Kritik verbunden, dargestetlt werden. Durch diese Vorträge wird die jüdische Masse noch immer in gewisser Kenntniß der jüdischen Theologie erhalten, was von der höchsten Bedeutung ist; die jüdische Kanzel artet nicht in jene Einseitigkeit aus, in welcher sie nur als ein Redeplatz schöner Phrasen erscheint; und der Redner hat dadurch Gelegenheit sich über Dinge auszusprechen, die in der sonstigen pathetischen Predigt unangemessen wären. Schreiber Dieses übt dies bereits seit Jahren aus, und hat bei allen Parteien dafür Interesse und Anktang gefunden. So haben wir ' .! *) Wir erlauben uns an unsere Rezension des „Mose^! von Salomon im Julihefte 1835 unseres Pred. und j Schrrl-Ma^izirsss zu erinnern. Red. in solchen Traschet bereits die Peßachgesetze von allen Standpunkten, die jüdische Lehre von der Buße in alten ihren Rüanzirungen, die Opfergesetze in ihrem symbolischen Werthe, die Lehre von Gott auf alten Phasen der jüdischen Theologie, die Lehre von der Offenbarung, ja selbst die verschiedenen Richtungen in der ganzen jüdischen Literatur bis auf den heutigen Tag den Zuhörern, in anderthalb-, ja zweistündigen Vorträgen, dargestetlt, und stets ernste Aufmerksamkeit gefunden. Es versteht sich von selbst, daß hier bei geordnetem Material eine ganz freie Redeweise statt fand, daß hier auch keiue, bis in's entfernteste Detail eingehende, völlig erschöpfende Darstellung gegeben ward, so wie auch daß man den Gegenstand nicht dürre und trocken werden lassen durfte, sondern durch einen schönen, einleitenden Midrasch und durch angenressne Gruppirung des Ganzen die Wißbegierde reizen und die Theitnahme erhalten müßte. Die Erfolge schienen uns aber' zu bedeutend und für Alle, welche eine rege Theitnahme am Inhalte des Judenthums in der Masse erhalten wollen, zu wichtig: um nicht abermals darauf aufmerksam machen zu müssen. So stellten wir am jüngsten Bußsabbat die verschiedenen Akte der Berufung der Propheten in der heil. Schrift zusammen, zeigten die verschiedenen Auffassungen dieser Akte im Talmud und bei den jüd. Kommentatoren, zeigten, wie sich in ihnen die verschiedenen Zustände und Bedürfnisse des israelitischen Volkes abspiegetn, wo denn von Iesaias und Jeremias der Schluß über die Buße dem Tage gemäß leicht war. Wir fügen noch die Bemerkung hinzu, daß im Anfang des nächsten Jabres eine zweite Sammlung von Verträgen als ein zweiter Theil unsres „Silo ach" in der Baumgartner'schen Verlagsbandtnng erscheinen wird, in welcher wir mebre dieser Dräschet ebenfalls mittheilen werden. Zeitungsnachrichten. Oesterreich. Preßburg, 19. September. (Prioatmittl). Fortsetzung und Schluß.) Samstag, den 7. September. , 279. Airkularsi-tzung. Die Diskussion über die bürgerliche Stellung der Juden wurde fortgesetzt. Der Deputirte von T. nahm zuerst das Wort: wir mögen uns bemühen wie immer in diesem Jahrhun-

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